bedeckt München
vgwortpixel

Bundesliga:Nur wenige deutsche Klubs wählen einen spielerischen Ansatz

In Spaniens Primera División wäre zum Beispiel die versierte Wolfsburger Offensive mit Daniel Didavi, Yunus Malli, Divock Origi und Mario Gomez eine Attraktion, in der Bundesliga stellt sie mangels hinreichender Laufleistung ein Betriebsrisiko dar - weshalb Gomez künftig in Stuttgart stürmt. Während in Spanien auch Klubs aus der niederen Tabellenregion technisch hohen Standard wahren, sind die deutschen Teams rar, die sich ihrer Aufgaben bevorzugt spielerisch nähern: Bayern München, Hoffenheim, Dortmund, Mönchengladbach mit seinem filigranen Konterspiel. Auch Leipzig bemüht sich trotz der Oberaufsicht des Gegen-den-Ball-Erfinders Ralf Rangnick um mehr produktiven Ballbesitz, was Ausdruck der Karriere ist, die RB in der Liga gemacht hat. Ansonsten feierten in der laufenden Saison zwei Prinzipien Triumphe: Das Blockadekonstrukt der Dreier-Abwehrkette, das in Wahrheit eine Fünfer-Kette ist; und die alte Weisheit, die Bixente Lizarazu prägte: "In der Bundesliga you have to win Zweikampf."

"Am Ende fehlt dann die Freiheit für die fußballerische Kreativität."

Wenn Mehmet Scholl jetzt auf der Suche nach den Wurzeln des Problems die gleichmacherische Nachwuchslehre anklagt, in der man das Dribbeln nicht mehr lernt, dann liegt er nicht ganz richtig, denn diese Lehre hat Spieler wie Julian Draxler, Julian Brandt, Leroy Sané oder Serge Gnabry hervorgebracht. Andererseits hat er allerdings Recht, weil diese hochwertige Ausbildung auch die vielen weniger begabten Spieler optimiert, die dann in jungen Jahren lernen, dass Kompaktstehen das Allerwichtigste ist. Leidenschaftliche Individuen, wie Scholl es als Spieler war, werden im Systemdenken eingeschränkt, das weiß auch der DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch. Durch den konzentrierten Transfermarkt in den Juniorenklassen kämen die herausragenden Talente an relativ wenigen Standorten zusammen, sagt er, und dort werde es dann für Einzelne schwieriger, "die Persönlichkeit auszuleben". Der Verband und die Vereine hätten das aber erkannt, sagt DFB-Nachwuchschef Meikel Schönweitz: "Es gibt ein Problem der Gleichschaltung in den Jugendteams", sagte er der Bild, "da fehlt dann am Ende die Freiheit für die fußballerische Kreativität."

Im Interesse eines künftig wieder schöneren Spiels ist diese Einsicht ein Lichtblick, der auch dem Skeptiker Scholl gefallen müsste - auch wenn sie ein Mann vorbringt, der wie ein Student redet und kein einziges Länderspiel gemacht hat.

Bundesliga Flick fordert von den Bundesliga-Trainern mehr Mut
Hansi Flick im SZ-Interview

Flick fordert von den Bundesliga-Trainern mehr Mut

Wie hoch ist das Niveau der Bundesliga? Hoffenheims Geschäftsführer Hansi Flick rät den Trainern im Interview zu einer offensiveren Spielweise. Und er verrät, dass er Mehmet Scholl einst den Job als U-21-Trainer beim DFB anbot.   Von Christof Kneer