bedeckt München 21°

Bundesliga:Die Spaßgemeinschaft gibt Rätsel auf

Sport-Club Freiburg v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Gladbachs Lars Stindl, Patrick Herrmann, Denis Zakaria und Ibrahima Traoré (v.l.).

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Von Christoph Ruf, Freiburg

Dieter Hecking gilt seit Jahrzehnten als Stoiker der Branche. Auch im Interview mit der Freiburger Stadionzeitung Heimspiel wurde eine Frage mit der "legendären Gelassenheit" des Trainers eingeleitet. Dabei merkt man dem Gladbacher Coach eigentlich ganz genau an, wie es in ihm aussieht. Wenn er sauer ist, läuft sein Mund spitz zu, die Mimik friert ein, jedes Augenzwinkern oder Lächeln unterbleibt. Und er sagt Sätze wie den folgenden: "Wir hatten im letzten Drittel nicht die Konsequenz und waren leicht zu verteidigen."

Heckings üble Laune konnte man nachvollziehen nach der verdienten 1:3-Niederlage seiner Gladbacher beim Freitagsspiel in Freiburg. Denn letztlich blieb es rätselhaft, warum diese Elf, die trotz des grotesk frühen Rückstandes nach wenigen Sekunden sofort wieder ins Spiel zurückfand, in der zweiten Hälfte offensiv überhaupt nicht mehr stattfand. Zumal es sich mit einer Ausnahme (Zakaria für Neuhaus) um die gleiche Elf handelte, die in der Vorwoche 4:0 gegen Mainz gewonnen hatte und sich in dieser Saison nicht von ungefähr ein neues Image als spiel- und offensivstarke Spaßgemeinschaft zugelegt hat.

Stattdessen mussten die Gladbacher Fans mitansehen, wie Freiburg direkt vor ihrer Kurve Konter um Konter fuhr und leicht mehr Tore hätte erzielen können als das 1:2 durch Luca Waldschmidt (57.) und das 1:3 durch Lucas Höler (90.+4.). Ihr eigener Keeper Yann Sommer - ansonsten fraglos einer der fußballerisch besten Torhüter der Liga - hatte den Ball dem Freiburger Angreifer vorgelegt. Und der hielt aus einer Entfernung drauf, die Experten später mit 47,5 Metern bezifferten. Damit beendete Sommer die Partie, wie er sie angefangen hatte: mit einem Gegentor, an dem er maßgeblich beteiligt war, wobei sein Foul an Waldschmidt nach nur zehn Sekunden, das die Elfmeter-Führung durch Nils Petersen (1.) einleitete, ein notwendiges war. Waldschmidt hätte wohl sonst sofort getroffen.

"Man muss gegen sie so viel laufen"

"Es fängt natürlich schlecht an, wenn du nach einer halben Minute 0:1 zurückliegst", sagte Hecking, ehe er das "gute Pass- und Positionsspiel in der ersten Halbzeit" lobte. Und das völlig zurecht, schließlich hatte die Borussia in den ersten 45 Minuten immer wieder gezeigt, warum sie als Mannschaft der Stunde gilt - neben Werder Bremen und dem BVB. "Das ist eine Mannschaft, die wirklich immer versucht, Fußball zu spielen", lobte Freiburgs Dauerläufer Mike Frantz, der zugab, dass selbst er dadurch an Grenzen gestoßen sei: "Man muss gegen sie so viel laufen, dass man manchmal in Zustände gerät, wo man denkt: Um Gottes Willen."

Die eine oder andere Schieflage in der Statik des Gladbacher Spiels hatte sich allerdings bereits im vergleichsweise guten ersten Durchgang angedeutet. Weder Jonas Hofmann noch der völlig zurecht zur Halbzeit ausgewechselte Alassane Pléa kamen an die Form der vergangenen Wochen heran. Schon am Mittwoch müssen beide Mannschaften wieder auf den Rasen: Freiburg in Kiel, Gladbach gegen Leverkusen.

In Freiburg dominierte nach dem Schlusspfiff noch ein Makrothema, das Dieter Hecking nach eigener Aussage "nicht interessiert, weil solche Statistiken nichts aussagen." Das mag schon sein, aber ein wenig komisch ist es schon, dass der letzte Gladbacher Sieg in Freiburg nun bereits elf Jahre zurückliegt. Vom "Breisgau-Fluch" sprachen Gladbachs Fans nach dem Spiel. Nächstes Jahr werden viele von ihnen wieder nach Freiburg reisen. Und ob sie wollen oder nicht - der letzte Gladbacher Sieg wird dann zwölf Jahre zurückliegen. Und das alles nur, weil die Elf, die im Oktober 2018 auflief, nach 45 Minuten das gegnerische Tor aus dem Blickfeld verloren hatte.

© SZ.de/chge
Zur SZ-Startseite
AEK Athens v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Group E

Serge Gnabry beim FC Bayern
:Seine Ideen sind so wertvoll

Mit Tempo und Spielwitz durchbricht Serge Gnabry das in diesem Herbst etwas einfallslose Passspiel des FC Bayern. Sogar Arjen Robben lobt ihn euphorisch.

Von Benedikt Warmbrunn

Lesen Sie mehr zum Thema