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Bundesliga:Saisonabbruch? Verboten!

Christian Seifert / / Fußball Fussball / Generalversammlung des DFL e.V. / Saison 2019/2020 / 21.08.2019 / DFL regulati

Als Krisenmanager und Mahner gefragt: Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga.

(Foto: Behrendt/Contrast/Imago)

Von einem kollabierenden Spielplan ist die Bundesliga trotz der jüngsten Corona-Fälle weit entfernt. Dennoch, so darf man die Offiziellen verstehen, sollte niemand auf dumme Gedanken kommen, die Situation auszunutzen.

Kommentar von Philipp Selldorf

Als die Bundesliga im vorigen Jahr nach zwei Monaten Corona-Pause wieder ihren Betrieb aufnahm, wusste kein Mensch vorherzusagen, wie lange das gutgehen könnte. Ordnungsgemäß startete man den Wettbewerb mit den Zweitligaspielen um 13 Uhr, Begegnungen wie FC Erzgebirge Aue gegen SV Sandhausen und Jahn Regensburg gegen Holstein signalisierten eine Normalität, die nicht existierte. Mit dem Anpfiff öffnete der DFL-Chef Christian Seifert im heimischen Büro eine Flasche "Tannenzäpfle": zur Feier des Tages - und weil es jetzt sowieso nichts mehr zu tun gab, als zu bangen und zu hoffen. Die Bundesliga ging auf eine Reise ins Ungewisse, der Beifall der restlichen Sportwelt begleitete sie dabei. "Der Fußball ist zurück mit dem Vorbildland Deutschland als Kapitän", schrieb später die niederländische Zeitung De Volkskrant.

Die Bundesliga fungierte als Pionier der Profibranche, nach ihr wagten sich auch die meisten anderen Nationen wieder auf den Rasen. Als Organisator der Rückkehr erhielt die DFL verdientermaßen Lob und Anerkennung, und das übrige Vorbildland hat die Komplimente aus aller Welt gern als Beweis seiner Tüchtigkeit entgegengenommen.

Das Comeback-Manöver glückte, aber die Verantwortlichen haben in den Wochen bis zum planmäßigen Saisonschluss durchaus gelitten. Man fürchtete nicht nur das unberechenbare Virus, sondern auch menschliche Heimtücke: Könnte ja sein, dass ein Verein in sportlicher Not die fragile Situation ausnutzen und vorsätzlich den wackligen Terminplan zu Fall bringen könnte, um einen Saisonabbruch zu erreichen. Das Wort Saisonabbruch stand daher von Anfang an auf dem Index, dies war quasi Teil des Hygienekonzepts: Es sollte in keinem Zwischenfallszenario vorkommen, um niemanden in Versuchung zu führen.

Wie kommt eine Elf aus der Quarantäne zurück? Dafür gibt es bereits einige Beispiele

Am Freitag hat DFL-Chef Christian Seifert das Wort "Saisonabbruch" ausdrücklich ausgesprochen, aber erneut in Verbindung mit dem Hinweis, dass es sich verbiete, darüber auch nur nachzudenken. Dass Hertha BSC pünktlich zur Schlussphase in Quarantäne geht, das sorgt zwar mit Recht für Aufregung (vor allem bei den Betroffenen). Doch Hertha ist bisher nicht mehr als ein Einzelfall. Von einem kollabierenden Spielplan ist die Liga faktisch weit entfernt. Dennoch, so darf man Seifert verstehen, sollte niemand auf dumme Gedanken kommen.

Den gebeutelten Berlinern kommt jetzt zugute, dass sie sich auch in dieser Saison traditionell zügig aus dem DFB-Pokal verabschiedet haben, im September blieben sie in Braunschweig auf der Strecke. Der Termin für das erste ihrer drei Nachholspiele könnte also am ersten Mai-Wochenende sein, wenn die Liga pausiert und die Pokal-Halbfinals ausgetragen werden. Die Frage, in welchem Zustand die Mannschaft dann ist, wie sie mitten in der heißesten Saisonperiode den Ruhestand verkraftet, lässt sich nicht beantworten. Ein Beispiel aus der Praxis bietet der Drittligist SV Meppen. Dieser musste nach total missratenem Saisonstart Ende Oktober kollektiv in Quarantäne gehen - und legte danach eine Erfolgsserie vor, bei der sie auch die Spitzenteams Ingolstadt und Rostock zur Strecke brachten. Die einzige Niederlage zwischendurch gab es gegen den FSV Zwickau - der seinerseits selbst gerade aus der Quarantäne gekommen war. Just in dieser Woche hat Meppens prominenter Erfolgstrainer des Vorjahres seinen Job verloren. Die wundersame Rückkehr aus der Quarantäne hat Torsten Frings nach zuletzt schlechten Resultaten nicht retten können.

Außer eventuellen Sabotage-Akten haben die Funktionäre, die im Vorjahr den Neustart organisierten, auch den Leicht- und Frohsinn der Fußballer gefürchtet. Dass einzelne Profis sich an gewissen Orten oder in gewisser Begleitung vergnügt haben, mag vorgekommen sein, weitreichende Folgen sind aber nicht entstanden. Das Misstrauen in die Menschen und deren Selbstsucht hat sich also nicht bestätigt. Fast könnte man Hoffnung daraus gewinnen.

© SZ/cca/jkn/ska
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