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Bayer Leverkusen:Angefressen nach Piateks 99-Prozent-Tor

Unbremsbar: Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek (Mitte) bei seinem 99-Prozent-Tor.

(Foto: AP)

Leverkusen verliert im Olympiastadion, weil Hertha-Stürmer Krysztof Piatek mit Großzügigkeit glänzt. Am letzten Spieltag ist Bayer auf Schützenhilfe angewiesen, um die Champions League zu erreichen.

Von Nico Fried, Berlin

Es war das Tor, das dieses Spiel zugunsten von Hertha BSC entschied; das Tor, das Bayer Leverkusens Trainer Peter Bosz richtig schlechte Laune machte. Doch vor allem war es ein kurioses Tor, für das ein Mann alles tat, der es am Ende aber nicht erzielte. Krysztof Piatek, polnischer Stürmer in Diensten von Hertha BSC Berlin, bereitete es in der 54. Minute vor und zwar so lange, bis sich endlich einer fand, der den Ball zum 2:0-Endstand über die Linie drosch. "Ich wollte das Tor schießen", sagte Piatek nach dem Spiel. Aber er tat es nicht.

Piatek, in der Winterpause erst zu Hertha gewechselt, hatte den Angriff im Mittelfeld selbst eingeleitet mit einem Pass auf die die linke Seite, von wo er den Ball zurückbekam, als er den Strafstoßpunkt erreicht hatte. Dann lief er die letzten Meter Richtung Glück, vorbei an Leverkusens Keeper Lukas Hradecky, und als ihm nur noch Verteidiger Kerem Demirbay im Wege stand, bog Piatek plötzlich nach rechts ab, lief mit dem Ball die Torlinie entlang, vertändelte ihn fast, woraufhin sich schließlich Dodi Lukebakio nicht lange bitten ließ, den Treffer endlich zu erzielen. "Er war in einer guten Position", kommentierte Piatek das nach dem Spiel trocken. Und sein Trainer Bruno Labbadia meinte: "Das Tor gehört zu 99 Prozent ihm und zu einem Prozent Dodi - aber wichtig ist, dass es einer macht."

Das mit der guten Position galt anfangs eigentlich auch für Bayer Leverkusen. Die Gäste starteten an diesem Spieltag erkennbar entschlossen, Platz vier der Tabelle und einen Punkt Vorsprung gegenüber Mönchengladbach zu verteidigen - und damit die Teilnahme an der Champions League. Sie waren vom Anpfiff an nach vorne ausgerichtet, ballsicher, flink, und hatten nach vier Minuten durch Kai Havertz und zwei Minuten später nach einem Abpraller durch Kevin Volland die ersten Chancen. In der 15. Minute vergaben die beiden sogar zusammen eine Möglichkeit, Volland erst mit einem Drehschuss, der abprallte, und Havertz mit einem Fallrückzieher, der in den Armen von Hertha-Torhüter Jarstein landete.

Hertha geht effizient mit den Chancen um - Leverkusen kommt aus dem Tritt

Leverkusen war dominant, Leon Bailey und Moussa Diaby auf den Flügeln wirkten gut aufgelegt, vielleicht zu gut, denn sie suchten sich bisweilen ein, zwei Herthaner zu viel für ihre Slalomläufe. Labbadia reagierte, ließ den Gegner nicht mehr zu früh anlaufen und stellte seine Mannschaft kompakter. "Wir haben sie enger zusammengeschoben", erklärte er nach dem Spiel, was Leverkusen das Spiel durch die Reihen erschwerte. Vor allem aber gingen die Berliner bedeutend effizienter mit ihren Chancen um - auch daran war Piatek maßgeblich beteiligt: Eine schöne polnisch-belgisch-brasilianische Kombination über die rechte Seite führte zum 1:0, von Piatek auf Lukebakio eingeleitet, dessen Flanke Matheus Cunha aus etwa 14 Metern mit dem rechten Außenrist in den linken Winkel hievte.

Leverkusen geriet durch dieses Gegentor völlig aus dem Tritt. Ein sichtlich angefressener Peter Bosz hatte dafür nach dem Spiel auch keine echte Erklärung. Er hätte sich erstens gewünscht, dass seine Mannschaft schon vorher aus ihren Chancen ein Tor gemacht, und zweitens trotz des Rückstands ruhig weitergespielt hätte. Beides war nicht der Fall. Stattdessen sei die Organisation "nicht mehr so gewesen, wie sie sein muss". Vielleicht, so Bosz, "war es Enttäuschung".

Auch in der zweiten Hälfte näherte sich Leverkusen dem Hertha-Tor nur noch punktuell. Havertz versuchte es mit einem Querpass auf Diaby, doch der bekam den Ball nicht rein. Und dann folgte Piateks großer Auftritt. Den Sieg, den er damit angerichtet hatte, verteidigte die Hertha für den Rest der Zeit beherzt und sehr zur Begeisterung des Trainers: "Wir haben trotz geringerer Spielanteile verdient gewonnen", so Labbadia. Die Mannschaft habe sich "taktisch top" verhalten.

Leverkusen hat nun nur noch eine Chance auf die Champions League, wenn der Konkurrent Mönchengladbach am letzten Spieltag patzt. "Das einzige, was wir machen können, ist, unser Spiel zu gewinnen", so Peter Bosz. Und dann auf Schützenhilfe hoffen. Der Gegner der Gladbacher heißt übrigens Hertha BSC.

© SZ vom 21.06.2020/tbr
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