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Bundesliga-Abstieg:Die Relegation gehört abgeschafft

Nach der verlorenen Relegation gegen Wolfsburg lassen Braunschweig-Fans ihrem Frust freien Lauf.

(Foto: AFP)

Obwohl es problematisch ist, Modus und Ausschreitungen zu verquicken, sind die Alles-oder-nichts-Spiele am Saisonende das falsche Format.

Seit acht Jahren gibt es im deutschen Profifußball wieder eine Relegation, und angesichts der kurzen Zeitspanne ist die Chronik der Ausschreitungen rund um diese Spiele erschreckend lang.

2011 griffen Fans von Dynamo Dresden Polizisten und Ordner an. 2012 stürmten Anhänger von Fortuna Düsseldorf vor dem Abpfiff auf den Platz und gab es in Karlsruhe heftige Randale. Und auch die Entscheidungsspiele dieser Woche bleiben vor allem aufgrund des unsäglichen Verhaltens einiger Zuschauer in Erinnerung: In Braunschweig kam es zum Platzsturm. In München flogen Sitzschalen und Stangen aufs Spielfeld, und die Partie musste eine Viertelstunde unterbrochen werden.

Die Ballung fällt auf, und so setzt nun die Debatte ein, ob es wegen der vielen Gewaltszenen nicht zur Abschaffung der Entscheidungsspiele kommen sollte. Denn eine Relegation bringt nicht nur eine Extraportion Spannung und Vermarktungspotenzial zur saisonalen Abrundung, sondern auch Brisanz und emotionale Zuspitzung. Es geht bisweilen um die Existenz eines Klubs, und diese Existenzfrage bündelt sich in zwei Partien, in denen jeder Fehler besonders schwer wiegt. Nicht grundlos kündigte Frankfurts Trainer Niko Kovac nach erzittertem Relegationssieg im Vorjahr den sofortigen Gang zum Kardiologen an und plädierte für das Ende des Formats.

Das Fanproblem wurzelt tief

Nur ist es problematisch, Modus und Ausschreitungen allzu eng miteinander zu verquicken. Zum einen muss es möglich sein, ohne Angst vor der Tribünenreaktion Spiele durchzuführen, in denen es um "alles oder nichts" geht. Zum anderen gibt es auch ohne Relegation im Fußball viele Spiele mit Entscheidungscharakter: Ist etwa anzunehmen, die ausgeflippten Befürworter von 1860 München hätten sich ganz friedlich verhalten, wäre ihr Sturz in die Drittklassigkeit schon am 34. Spieltag klar gewesen? Das Fanproblem wurzelt tief, das offenbarte sich in dieser Saison mehrfach, und bisher geht der organisierte Fußball das in der Gesamtheit zu nachlässig an.

Dabei wäre eine Abschaffung der Relegation grundsätzlich richtig. Denn sie wirkt vor allem - siehe Hamburg oder Wolfsburg - als Fallschirm für die klassenhöheren Teams und gegen die aufstrebenden. Und wenn der deutsche Profifußball meint, er brauche zum Saisonausklang zwecks Spannung und Vermarktung unbedingt noch Extrapartien, bietet sich ein Blick nach England an: Da spielten gerade die Zweitligisten, die auf den Rängen drei bis sechs lagen, einen Aufsteiger aus. Das beinhaltet ein positiveres Grundelement, denn in der Regel ist da keine Existenz in Gefahr, sondern können alle Beteiligten nur gewinnen.

© SZ vom 01.06.2017/dti

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