Basketball:Versöhnte Nervensägen

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Basketball: Erst am Ende chancenlos: Albas Luke Sikma setzt sich gegen Bambergs Zugang Gabriel Chachashvili (li.) und Brose-Kapitän Christian Sengfelder (re.) durch.

Erst am Ende chancenlos: Albas Luke Sikma setzt sich gegen Bambergs Zugang Gabriel Chachashvili (li.) und Brose-Kapitän Christian Sengfelder (re.) durch.

(Foto: G. Santemiz/Eibner/Imago)

Bei 80:90 gegen Titelverteidiger Alba Berlin legen Bambergs Basketballer nach ihrem überraschenden Aus in der Champions-League-Qualifikation einen versöhnlichen Auftritt hin. Doch die Rädchen laufen zum Bundesligastart längst noch nicht reibungslos ineinander.

Von Christoph Leischwitz

Die Fans kennen die meisten Spieler zwar noch nicht besonders gut, aber die Anfeuerung war schon mal da: "Wir wissen das sehr zu schätzen und nehmen das nicht als Selbstverständlichkeit an", sagte Trainer Oren Amiel nach dem Spiel. Es war aber auch so, dass sich die Mannschaft von Brose Bamberg durchaus anfeuerungswürdig verhalten hatte in ihrem Bundesliga-Auftaktspiel in eigener Halle. Der klare Favorit Alba Berlin führte zwar fast durchgehend, die Bamberger ließen sich allerdings nie richtig abschütteln, dreieinhalb Viertel lang blieb es spannend. Erst fünf Minuten vor dem Ende zog der Titelverteidiger davon, weil sich Bamberg im Spielaufbau düpieren ließ. "Wir hatten drei Turnover in Serie, sie machten einfache Punkte", ärgerte sich Amiel. Das sei ausgerechnet in jenen Phasen passiert, in denen das Momentum hätte wechseln können.

Natürlich: Ein Sieg gegen Alba, das wäre noch einmal ein ganz anderer Auftakt gewesen. Aber auch wenn das Ergebnis am Ende 80:90 lautete - die Niederlage fiel deutlicher aus als verdient -, so machte die Partie doch Hoffnung, dass da eine Mannschaft zusammenfindet, die die Favoriten ärgern kann. Und das erklärte Ziel, die Playoffs, im Normalfall erreichen sollte.

Der Trainer hat einen gewaltigen Umbruch zu moderieren

Der Auftritt war ein Stückweit auch versöhnlich, denn gerade diese Hoffnung war zuletzt einigen Zweifeln gewichen, weil die Mannschaft den unmittelbaren Auftakt vor dem Auftakt verkorkst hatte: Zum zweiten Mal in Serie haben die Bamberger den Einzug in die Champions League verpasst. Genau eine Woche vor dem Heimdebüt gegen Alba hatten sie etwas überraschend gegen Benfica Lissabon verloren, im Finale des Qualifikationsturniers in Portugal waren sie deutlich unterlegen gewesen (73:87). International vertreten sind die Oberfranken trotzdem, im Europe Cup - wobei sich gleich das erste Spiel ein bisschen wie Bundesliga anfühlen dürfte, denn am 12. Oktober empfangen die Bamberger die Niners Chemnitz, die ebenfalls im Qualifikationsfinale scheiterten.

Womöglich war das bedeutsame Spiel gegen Benfica ein wenig zu früh gekommen. Amiel verantwortet eine fast komplett neue Mannschaft, die beiden Forwards Christian Sengfelder und Patrick Heckmann sind die einzigen, die aus der Vorsaison übrig sind. Der Trainer hat also einen gewaltigen Umbruch zu moderieren, nachdem er vor knapp einem Jahr eine Mannschaft übernommen hatte, die offenkundig nicht so sehr seinen Vorstellungen entsprach.

Insofern kam Alba nun zur falschen Zeit. Die Berliner gewannen letztlich auch deshalb, weil sie auf dem Court ein besseres Verständnis füreinander haben. Weil man sich im Kollektiv leichter tut, Überraschungsmomente einzubauen, zum Beispiel wenn ein Einwurf unweit der Mittellinie per Alley-oop im gegnerischen Korb versenkt wird. Und weil man sich im Kollektiv leichter tut, die Schwächen des Gegners zu nutzen. Entscheidend war letztlich, dass der Bamberger Justin Wright-Foreman im Spielaufbau von seinen zu weit entfernten Mitspielern isoliert wurde, den Ball verlor und Berlin fünf Minuten vor Schluss acht Punkte Vorsprung hatte.

"Der Einsatz und die Leidenschaft waren da", analysierte Bambergs Trainer Amiel, der einen Komplettumbau moderieren musste

Allerdings gelang es diesmal, im Gegensatz zum Spiel in Lissabon, auf einen Lauf des Gegners eine Antwort zu finden. Und was auch im Kollektiv schon gut gelingt: als echte Nervensägen aufzutreten, gegen eine auf dem Papier spielerisch überlegene Mannschaft. "Der Einsatz und die Leidenschaft waren da", analysierte Amiel, "ich denke, dass uns das Spiel heute gut gezeigt hat, woran wir noch arbeiten müssen. Und dennoch: Wir haben bis zum Schluss alles gegeben. Darauf können wir aufbauen." Offensiv zeigten sich die Bamberger variabel. So war dem litauischen Nationalspieler Vaidas Kariniauskas anzumerken, dass er unter anderem in der Euroleague schon öfter gegen hochklassige Gegner gespielt hat; immer wieder zog der Guard in Richtung Korb und kam in gute Wurfpositionen. Der 28-Jährige erzielte insgesamt 15 Punkte. Drei Bamberger trafen zweistellig, sowohl in der Wurfstatistik als auch bei den Rebounds waren sie ebenbürtig.

"Wir hatten eine toughe Preseason", sagte Bambergs Guard Spencer Reaves bei Magentasport mit Blick auf die verpasste Champions-League-Teilnahme, aber von Gegnern wie Alba könne man lernen. Er versuchte also, das Positive aus dieser Niederlage zu ziehen. Und Gelegenheit, sich auf dem Court schnell einzuspielen, haben sie ausreichend: Schon am Dienstag (19 Uhr) steht das nächste Heimspiel an, gegen die Crailsheim Merlins.

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