Bremen gewinnt Nordderby 2:0:Werder-Beine zu schnell für Hamburgs Köpfe

Im 97. Derby gegen den HSV lässt sich Werder Bremen auch von einem verschossenen Elfmeter nicht aus dem Konzept bringen. Mit schnellen Angriffen und aggressivem Spiel lassen die Gastgeber die Hamburger lange überhaupt nicht in die Partie kommen. Die hoffen jetzt auf Rückkehrer Rafael van der Vaart.

Martin Anetzberger

In der 50. Minute belohnte Aaron Hunt seine Mannschaft mit der verdienten Führung gegen den HSV und entschuldigte sich bei seinen Bremer Kollegen. Dafür, dass er kurz vor der Halbzeit einen Elfmeter gegen René Adler vergeben hatte.

SV Werder Bremen v Hamburger SV - Bundesliga

Zu ungestüm im Zweikampf: Robert Tesche (li) foult Philipp Bargfrede.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Auch diesmal war es ein Strafstoß, doch diesmal besann sich der Stürmer darauf, dass ein Elfmeter mit größerer Wahrscheinlichkeit im Tor landet, wenn der Ball präzise geschossen wird. Schuld an den Strafstößen waren die Gäste aus Hamburg beide Male selbst. Sie waren im Kopf einfach zu langsam für die Beine der Bremer.

Kurz vor der Halbzeit kämpfte Elia den nach einem Zweikampf mit Marko Arnautovic angeschlagenen Petr Jiracek nieder. Der blieb am Boden, Elia kam auf dem linken Flügel an den Ball, lief in den Strafraum, zeigte einen sehenswerten Übersteiger und wollte links an Jeffrey Bruma vorbei. Der ließ sich verwirren und traf statt des Balls die Beine. Kurz nach der Pause verfolgte Dennis Aogo einen von ihm im Strafraum selbst vertändelten Ball zu langsam. Als er ihn schließlich wieder einholte, gab es für ihn nur noch die Beine von Nils Petersen zu treffen. Hunt trat zum zweiten Mal an - 1:0 für Werder.

Diese Führung bauten die Bremer nach einem katastrophalen Fehler von Jiracek noch auf 2:0 aus und gewannen das 97. Derby gegen den HSV.

"Die erste Halbzeit war ordentlich", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink, "danach haben wir durch individuelle Fehler verloren." Thomas Schaaf zeigte sich sehr zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft: "Ein hervorragendes Spiel von uns, die Spieler haben nie nachgelassen", sagte der Werder-Coach.

Der Sieg hatte sich schon in der torlosen ersten Halbzeit angedeutet. Die 42.000 Zuschauer im Weserstadion sahen schon zu Beginn eine aggressive und starke Bremer Heimmannschaft, die mit schnellen und direkten Pässen vor allem über die rechte Seite angriff und den viel zu passiven HSV überhaupt nicht ins Spiel kommen ließ.

Herausragender Akteur war dabei Marko Arnautovic, der mit seinen Hereingaben immer wieder für Gefahr vor dem Tor des HSV sorgte. In der Zentrale präsentierte sich der von Chelsea ausgeliehene Belgier Kevin de Bruyne als starker Ballverteiler und sichere Anspielstation.

Der HSV konnte sich in den ersten Minuten überhaupt nicht aus der Bremer Umklammerung befreien und hatte Glück, nicht schon viel früher in Rückstand zu geraten. Nach einer starken Flanke von Marko Arnautovic kam Petersen ungestört zum Kopfball (4.). René Adler im Tor der Gäste konnte den Ball mit einer starken Parade an die Latte lenken. Von dort tropfte er auf den Boden und prallte wegen des leichten Rückdralls auch noch an den rechten Pfosten - doch nicht hinter die Linie. Schiedsrichter Knut Kircher ließ zurecht weiterspielen.

Adler verhindert Blamage

Rafael van der Vaart sah nur von der Tribüne, wie dringend der HSV einen Ideengeber brauchen kann. Bis einen Tag vor dem Derby war offen geblieben, ob der zurückgekehrte Mittelfeldspieler schon in Bremen zum ersten Mal für den HSV auflaufen würde.

SV Werder Bremen - Hamburger SV

Bremens Torschützen jubeln: Nils Petersen (re.) eilt nach dem 1:0 zu Aaron Hunt.

(Foto: dapd)

Die zweite gute Möglichkeit hatten die Bremer bei einer Ecke (18.). Sebastian Prödl stieg am höchsten, köpfte einen Gegenspieler an. Der Ball prallte zu ihm zurück, und Prödl zog ab, doch der herausstürzende Adler verhinderte erneut die Bremer Führung.

Bremen spielte zwar weiter auf das erste Tor, doch jetzt fehlte oft die letzte gute Aktion. Das Fink-Team konnte aber nicht vom schwächer werdenden Spiel der Bremer profitieren, erspielte sich keine Chancen. Die einzige gefährliche Situation für den HSV brockte sich Werder-Keeper Sebastian Mielietz selbst ein, als er beim Herauslaufen den Ball verfehlte und danach gegen Jeffrey Bruma retten musste (19.)

Bis kurz vor der Halbzeit passierte nicht mehr viel. Nach dem Seitenwechsel übernahm der HSV bis zum Rückstand die Initiative, ohne wirklich gefährlich zu werden. Innerhalb von drei Minuten hatten die Gäste dann zwei gute Chancen auf den Ausgleich. Artjoms Rudnevs zog nach einem starken Steilpass von Son blitzschnell ab, der Ball ging aber knapp am rechten Toreck vorbei (62.). In der 65. Minute konnte Sokratis nach einem Rückpass von Dennis Aogo auf Ivo Ilicevic im letzten Moment klären.

Wenige Sekunden später kamm dann die Vorentscheidung für Werder. Der unglückliche Jiracek verschenkte im Spielaufbau den Ball an Hunt, der sofort den Diagonalpass auf den in den Sechzehner laufenden Petersen spielte. Adler war zum zweiten Mal ohne Chance.

Als in der 72. Minute Maximilian Beister mit einem Schuss am starken Mielitz scheiterte und Jiraceks Schuss von Clemens Fritz kurz vor der Torlinie abgefangen wurde, schwand der Glauben der Gäste zusehends. Adler verhinderte am Ende eine höhere Führung.

© Süddeutsche.de/mane/ska
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