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Borussia Mönchengladbach:Powershopping im Borussia-Park

Während viele Kollegen noch auf der Suche sind, hat Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl seine Transfers abgeschlossen.

Der Manager eines Bundesligaklubs, der mitten in der Transferperiode und Saisonvorbereitung mit seiner Familie Urlaub in Österreich macht? Der gemächlich mit dem Auto reist und auf dem Heimweg noch die Eltern in Bayern besucht? Der muss entweder ein besonders fauler oder ein besonders fleißiger Mann sein. Bis zum Beweis des Gegenteils muss Max Eberl, 36, als besonders fleißig gelten: Der Manager von Borussia Mönchengladbach durfte schon vor einer Woche melden, dass seine Arbeit fürs Erste getan ist.

Borussen-Sportdirektor Max Eberl hat sein Werk für diesen Sommer bereits vollbracht.

(Foto: Foto: Getty)

Mit der Verpflichtung von Juan Fernando Arango, Kapitän der venezolanischen Nationalelf und zuletzt fünf Jahre Profi des spanischen Erstligisten Real Mallorca, beendete Borussia die Einkaufstour im Sommer, daran ändert auch der Unfall von Stammtorwart Logan Bailly nichts, dem zu Hause die tragbare Klimaanlage auf den Fuß gefallen ist - ein Knochenbruch war die Folge.

Während andere Klubs noch angestrengt versuchen, ihre überschüssigen Millionen auszugeben (Stuttgart), ihre überzähligen Profis loszuwerden (Wolfsburg, Bayern) oder prekäre Lücken zu schließen (Bremen, Köln), hat Borussia Powershopping betrieben. Acht Spieler hat Eberl verkauft, verliehen, verabschiedet, sechs unter Vertrag genommen. Die rasche Abwicklung der Geschäfte folgt klaren Absichten.

Im Winter, als Borussia gleich vier neue Leute für die Stammelf holte, gingen Sportchef Eberl und Teammanager Steffen Korrell nach dem selben Prinzip vor. Am 3. Januar - vier Wochen vor dem Schließen des Transferfensters - erschienen Torwart Bailly, die Verteidiger Dante und Stalteri und Mittelfeldchef Galasek zum ersten Training. "So sehe ich meine Arbeit. Das muss mit Nachdruck betrieben werden, damit dem Trainer die neuen Spieler so schnell wie möglich zur Verfügung stehen und er weiß, woran er ist", meint Eberl.

Niemand bezweifelt, dass Borussia ohne die Hilfe dieses Quartetts abgestiegen wäre, was sowohl für die gelungene Integration der Neuen wie auch für deren Qualität spricht. Keine schlechte Startbilanz also für den jungen Manager, der erst seit Oktober 2008, seit Christian Zieges Rücktritt, in der Verantwortung steht. Bis dahin hatte er dem Klub vier Jahre als Jugendkoordinator gedient, davor sieben Jahre als Verteidiger.

Dieser Lebenslauf, komplettiert durch ein Studium in Sportmanagement, hat Eberl den Einstieg naturgemäß erleichtert. "Durch das Studium kann ich nicht erkennen, welcher Transfer richtig oder falsch ist, aber strategisch schafft es eine Grundlage", sagt Eberl, der seine elf Jahre im Profifußball und die Arbeit in der Nachwuchsabteilung als angewandte Wissenschaft betrachtet: "Da lernt man sehr viel, hat mit Beratern, Vereinen und ab und zu auch mit Streitigkeiten zu tun. Und man kann sich seine Hörner abstoßen."

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