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BVB-Talent Moukoko:Ein Typ wie Gerd Müller

Jubel Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund) 18.10.2020, Fussball GER, Saison 2020 2021, U19 Bundesliga West, 3. Spielta

Ein Bild, das es bald auch in der Bundesliga geben könnte: Youssoufa Moukoko beim Torjubel.

(Foto: imago images/Team 2)

Youssoufa Moukoko könnte am Samstag - einen Tag nach seinem 16. Geburtstag - erstmals für die Profis von Borussia Dortmund auflaufen. Der Klub hat ihn vorsorglich mit einem Interview-Verbot belegt.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Youssoufa hat Geburtstag, er wird 16 Jahre alt. Eigentlich ein Tag, den die meisten Jungs und Mädchen zum Anlass nehmen für Partys, inklusive erstmals legaler Experimente mit alkoholischen Getränken. Bei Youssoufa Moukoko wird sicher kein Korken knallen. Erstens fallen selbst alkoholfreie Feiern Corona zum Opfer, zweitens trinkt er sowieso nichts, und drittens dürfte Borussia Dortmunds jüngstes Wunderkind an diesem Freitag erst zum Abschlusstraining auf dem Platz stehen und anschließend mit dem Profikader des BVB zum Ligaspiel nach Berlin aufbrechen.

Ob Moukoko von Trainer Lucien Favre dann tatsächlich schon auf das Spielfeld im Berliner Olympiastadion geschickt wird, kommentiert Sportchef Michael Zorc diskret: "Wir werden versuchen, den Hype um ihn nicht noch weiter anzuheizen." Aber die Chancen stehen gut. Moukoko wäre der jüngste Spieler der Bundesliga-Geschichte, und er würde just den Dortmunder Nuri Sahin ablösen, der 2005 bei seinem Debüt als BVB-Profi aber schon fast 17 war, also gut ein Jahr älter. Erst in diesem Sommer hatte die Liga beschlossen, dass Spieler künftig ab ihrem 16. Geburtstag für die Profiteams auflaufen dürfen. Auf Antrag von Borussia Dortmund, aber in Anlehnung an andere große Ligen Europas, wie England oder Spanien.

Lars Ricken war Mitte der 1990er Jahre der Inbegriff eines Wunderkinds, der erste Teeniestar der Bundesliga. Nun ist Ricken seit Jahren der Nachwuchskoordinator des BVB, eine Art Michael Zorc der Jugendabteilung - also der Mann hinter den bisweilen sensationell anmutenden Erfolgen der Dortmunder Talentschmiede. Sein Tor für die Borussia 1997 im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin, als damals 18-Jähriger, hat ihn in Dortmund zur Legende gemacht. Ricken holte Moukoko, der in Yaounde/Kamerun geboren wurde, mit elf Jahren vom FC St. Pauli zum BVB. "In der Szene", sagt Ricken, "kannte man ihn da schon." Dass er beim BVB landete, war Rickens Ruf als Talentflüsterer zu verdanken, aber auch dem schon damals bekannten BVB-Vorzug, Talente zielstrebig und schnell in die Bundesliga zu führen.

Moukoko wirkt mindestens so erwachsen wie ein 18-jähriger Reyna

Moukoko hatte schon mit zehn Jahren in der U15 von St. Pauli für Furore gesorgt, gegen vier, fünf Jahre ältere Jungs. Furore heißt bei Moukoko: Er schoss Tore wie am Fließband, auch gegen Verteidiger, die ein, zwei Köpfe größer waren. Fünf Jahre später, mit 16, fällt er im Training des BVB-Edelkaders nicht mehr als Jugendlicher auf. Moukoko ist körperlich kein Erling Haaland, aber wer ist das schon? Dennoch wirkt er mindestens so erwachsen wie sein gerade 18 gewordener Teamkamerad Gio Reyna, oder wie Jadon Sancho, 20, und U21-Hotshot Felix Passlack, 22.

"Man muss sich aber keine Sorgen machen, dass nun bald die Bundesliga mit 16-Jährigen geflutet würde", sagt sein Förderer Ricken, "Youssoufa ist ein absolutes Ausnahmetalent." Für ihn gelten Sonderregeln, wie es früher Sonderregeln für den jungen Franz Beckenbauer gab - und später für Ricken, der als 17-Jähriger Abiturient bei Ottmar Hitzfeld auf Anhieb zweimal Deutscher Meister mit dem BVB wurde.

Spätestens vor zwei Jahren, als Moukoko mit 13 die U17 des BVB zum deutschen Meistertitel gegen die Bayern schoss, ahnte die Fußballszene, dass sie hier etwas Ungewöhnliches zu sehen bekommen hatte. Seither hat der Torjäger in 88 Junioren-Bundesligaspielen für den BVB 141 Tore erzielt. Inzwischen spielt er auch für die DFB-Junioren, für die U20 versteht sich.

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