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Bayern-Profi Jamal Musiala:"Wir wünschen ihm alles Gute"

Bayern München - Eintracht Frankfurt

Jamal Musiala vom FC Bayern spielt für England. Fürs Erste - denn er könnte auch für Deutschland spielen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Jamal Musiala hat sich zuletzt beim FC Bayern für zwei Nationalmannschaften empfohlen. Vom DFB heißt es nun, er habe "klar signalisiert", momentan für England spielen zu wollen.

Von Sebastian Fischer

Es war nach dem ersten großen Auftritt eines talentierten Fußballers, als Hansi Flick, Trainer des FC Bayern und einst Sportdirektor beim DFB, seinen früheren Kollegen eine Empfehlung aussprach. "Ich würde mich auf jeden Fall um ihn bemühen", sagte Flick. Er sprach über Jamal Musiala, 17 Jahre alt, geboren in Stuttgart, aufgewachsen als Jugendlicher in England. Er hatte damals, am ersten Spieltag dieser Saison, beim 8:0 gegen den FC Schalke 04 sein erstes Bundesligator geschossen.

Nun, fast zwei Monate später, hat Musiala sich noch ein paar Mal öfter selbst empfohlen. Er hat ein weiteres Bundesligator geschossen, ist insgesamt fünfmal in der Bundesliga eingewechselt worden, hat in Dribblings und Pässen seine Qualitäten gezeigt; einmal, gegen den Fünftligisten Düren, spielte er im Strafraum drei Gegenspieler nacheinander schwindlig. Vor ein paar Tagen hat er dem Vereins-TV sein erstes Interview vor der Kamera gegeben. Musiala wirkte dabei neben dem 1,88 großen Verteidiger Chris Richards aus den USA, 20 Jahre alt und ein weiteres hoffnungsvolles Münchner Talent, schmächtig und fast etwas schüchtern. Er erzählte, wie ihm Trainer Flick im Training neulich den Ball durch die Beine gespielt habe: "Das hat ein bisschen wehgetan."

Musiala war die Anekdote zwar ein wenig unangenehm, aber sie bedeutete gleichermaßen: Er gehört beim FC Bayern inzwischen, rund eineinhalb Jahre seit seinem Wechsel vom FC Chelsea an den Münchner Nachwuchs-Campus, mit großer Selbstverständlichkeit zur Profimannschaft dazu. Es findet sich kaum jemand im Klub, der Potenzial und Talent des offensiven Mittelfeldspielers nicht hervorhebt. Auch Flick hat das seit dem Schalke-Spiel zwar stets mit Vorsicht, aber doch wiederholt getan. Allerdings: Zum DFB gehört er zur Enttäuschung des Verbands vorerst nicht.

"Wir haben uns - auch aufgrund seiner DFB-Vergangenheit - natürlich mit Jamal Musiala beschäftigt und ihm eine Perspektive beim DFB aufgezeigt. Allerdings hat er uns klar signalisiert, dass er seine Zukunft momentan in den englischen Nationalmannschaften sieht. Diese Meinung akzeptieren wir und wünschen ihm alles Gute für seinen sportlichen Weg", sagt auf SZ-Anfrage Meikel Schönweitz, Cheftrainer U-Nationalmannschaften beim DFB. Musiala spielte für Englands U15 und U16, bevor er 2018 zwei Spiele für die deutsche U16 bestritt. Seit der U17 läuft er wieder für England auf. Und an diesem Freitag steht er erstmals im Kader der englischen U21. "Er hat sich für unsere Pläne aufgedrängt", sagte Englands U21-Trainer Aidy Boothroyd.

Damit ist jedoch noch nicht klar, ob er nicht doch eines Tages noch für Deutschland spielt. Seine Mutter ist Deutsche; die Familie zog nach England, als Jamal sieben Jahre alt war. Einsätze für England sind für Musiala auch deshalb naheliegend, weil er dort mit Fußballern zusammenspielt, die er seit Jahren kennt. Im Vereins-TV sagte er, dass er in Deutschland eigentlich nur seine Freunde vermisse. Die Wertschätzung des englischen Verbands, ihn mehrere Jahrgänge überspringen zu lassen, dürfte natürlich auch eine Rolle gespielt haben. Ein Argument sportlich höherer Wertschätzung seitens des DFB wäre nach dieser Logik nun womöglich nur noch eine Nominierung für die A-Elf - oder die Olympia-Auswahl im Sommer.

Wechsel zwischen den Verbänden gibt es immer wieder, sie sind bis zum ersten A-Länderspiel erlaubt, solange ein Spieler mit mehreren Staatsbürgerschaften nicht schon Pflichtspiele für zwei Länder im Juniorenbereich gemacht hat. Seit 2019 spielt etwa in Lukas Nmecha ein Stürmer für Deutschland, der zuvor von der U16 bis zur U21 alle Junioren-Nationalmannschaften des englischen Verbands durchlief.

Der Interpretation eines florierenden Transfermarkts der Nationalmannschaften widerspricht Schönweitz allerdings. Es sei nicht die Aufgabe des DFB, Spieler "abzuwerben". Fußballer, die für die Nationalelf auflaufen, sollten sich "mit den Werten unseres Landes identifizieren und dies mit der angemessenen Leidenschaft auf und außerhalb des Platzes unterstreichen. Wenn ein Spieler sich aufgrund seiner Herkunft, Einstellung oder Werte für eine andere Nationalmannschaft entscheidet, dann akzeptieren wir das. Ebenso wünschen wir uns, dass auch andere Verbände akzeptieren, wenn sich ein Spieler für Deutschland entscheidet." Nationen-Wechsel, sagt er, sollten "mit Bedacht vorgenommen werden".

Und so ist es vielleicht gar nicht so abwegig, dass Musiala nun zunächst weiter für England spielt - und nicht erneut wechselt. Einen guten Freund wird er diesmal bei der U21 allerdings nicht treffen. Jude Bellingham, 17, von Borussia Dortmund ist für Englands A-Elf nominiert.

© SZ/bek
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