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Borussia Dortmund:"Der neue Spieler ist gut"

Bundesliga - FC Cologne vs Borussia Dortmund

Zwei Tore zum Einstand: BVB-Zugang Michy Batshuayi (l., neben Jeremy Toljan).

(Foto: REUTERS)
  • Der 1. FC Köln und Borussia Dortmund liefern sich ein spektakuläres Bundesligaspiel, das der BVB 3:2 gewinnt.
  • Dennoch sind die Dortmunder weit davon entfernt, die Dominanz eines souveränen Champions-League-Anwärters zu verwirklichen.
  • Köln lässt sich derweil von der Stimmung im Stadion wohl etwas zu stark begeistern.
  • Hier geht es zur Tabelle der Bundesliga.

Ein seltsamer Abend war das in Köln-Müngersdorf: Auf der Bank der Gäste saß das komplette Trainerteam der Gastgeber, die beste Torwartflugparade der Partie gelang einem Verteidiger, und der Tabellenletzte verlor das Spiel, weil auf den Rängen die Stimmung zu gut war und die Mannschaft an ihrer eigenen Begeisterung scheiterte. Und während die Anhänger des 1. FC Köln die 2:3-Niederlage ihres Teams beklagten und die Gefolgschaft von Borussia Dortmund den ersten Sieg im gar nicht mehr so neuen Jahr feierte, saß draußen vor den Toren noch eine dritte Partei von Betroffenen und hatte Grund zur Freude: Das waren die Fernsehempfänger, die dank einer Marketing-Aktion des Erstrechteverwerters ohne Extra-Gebühr hatten zugucken können. Auf sie traf die alte Radioreporterfloskel zu - Gewinner waren der Fußball und die Zuschauer.

Diese Begegnung zweier Vereine, die mit komplett unterschiedlichen Zielen zum Erfolg verdammt sind, bot dem Publikum eine vorbildliche Menge an Action und Aufregung. Es ist selten geworden in der Bundesliga, dass man zwei Mannschaften erlebt, die so unbedingt den Sieg wollen und dafür bereit sind, tiefgreifend ins defensive Risiko zu gehen.

Wobei sich am Freitagabend auch der Verdacht aufdrängte, dass die defensiven Instabilitäten auf beiden Seiten mindestens so sehr auf eingebauten Schwächen beruhten wie auf dem Geist von Sturm und Drang. Dem frustrierten Kölner Torwart Timo Horn kam es so vor, als hätten seine Vorderleute "wie in der Vorrunde verteidigt". Er sprach damit auf bittere Art eine Reminiszenz an die dunkle Vergangenheit an, die man in Köln so sehnlichst hinter sich zu lassen versucht wie der entlassene Sträfling, der ein neues Leben beginnen möchte und doch immer wieder in die alte Spur gerät.

Köln wird von den Sünden seiner Vorgeschichte eingeholt

Der 1. FC Köln ist am Freitagabend von den Sünden seiner Vorgeschichte eingeholt worden, das war ein wesentlicher Grund für die Niederlage gegen den BVB, der im Vergleich zu den zuletzt überaus trüben Auftritten Besserung zeigte, aber weit davon entfernt war, die Dominanz eines souveränen Champions-League-Anwärters zu verwirklichen. "Wir waren vielleicht nicht die bessere Mannschaft", meinte Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck, "aber wir waren auch nicht schlechter."

Dass Peter Stöger, am alten Arbeitsplatz vorwiegend freundlich empfangen, im Namen der Borussia der Darstellung des Kollegen nicht widersprochen hat, lässt den Schluss zu, dass ein Unentschieden die gerechte Lösung dieses Duells gewesen wäre. Die Borussen profitierten zweimal von der Torgefährlichkeit ihres Mittelstürmers - bloß dass dieser neuerdings nicht mehr Pierre-Emerick Aubameyang, sondern Michy Batshuayi heißt -, die Kölner glichen dank der Schwächen der Dortmunder Deckung zweimal die gegnerische Führung aus. Klassische Zutaten für ein typisches Unentschieden.

Aber das Remis reichte den Hausherren nicht; im Bewusstsein, dass nur Siege die Hypotheken der Vorrunde abtragen, rannten sie ins Verderben. André Schürrle konnte sein Glück wohl gar nicht fassen, wie viel Freiheit ihm die Kölner zum Kontern ließen, bevor er in der 84. Minute das Siegtor erzielte. Die Borussen hatten den Gegenstoß nach einem Freistoß für Köln in doppelter Überzahl gestartet. "Wir versuchen mit unseren kopfballstarken Spielern ein Tor zu machen, das hatte ja auch vorher schon geklappt", verteidigte der Kölner Abwehrspieler Dominque Heintz die unorthodoxe Großoffensive: "Ein Punkt hilft uns nur mental weiter, aber nicht in der Tabelle."