Bochum gegen Stuttgart:Freundlicher Beifall von den Rängen

VfL Bochum - VfB Stuttgart

Stuttgarts Mateo Klimowicz (l) im Zweikampf gegen Bochums Herbert Bockhorn.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Der VfL zeigt ein bisschen mehr Initiative, aber am Ende teilen sich Bochum und Stuttgart die Punkte. Beide deuten an, dass es dieser Saison für sie wahrscheinlich nur um den Klassenverbleib geht.

Von Philipp Selldorf, Bochum

Für sein Solo gegen Mainz 05, auf das auch Lionel Messi stolz gewesen wäre, erhielt Gerrit Holtmann am Samstag die Auszeichnung Tor des Monats. Am Sonntagnachmittag hat der schnelle Flügelmann des VfL Bochum ein weiteres Werk von hoher Seltenheit vollbracht - er gab einen Torschuss ab, mit dem er die Eckfahne traf. Das Besondere daran: Der Ball blieb anschließend auf der Linie liegen.

Ansonsten war die Begegnung zwischen dem VfL und dem VfB Stuttgart eher ein Stück aus dem Alltag der Bundesliga. An der Castroper Straße standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die um ihr Dasein in der höchsten Spielklasse hart kämpfen müssen, und so hat es während der 94 Minuten auch ausgesehen. Der VfL hat zwar mehr Initiative als der VfB ergriffen, um ein Tor zu schießen, aber er war dabei genauso wenig erfolgreich wie der Widersacher. So ging man mit 0:0 auseinander, und es gab eher freundlichen als freudigen Beifall von den Rängen.

Nach dem schockierenden 0:7 beim FC Bayern hatte Trainer Thomas Reis seine erste Elf umfassend umgebaut, der neue Rechtsverteidiger Herbert Bockhorn und sein Vordermann Christopher Antwi-Adjej brachten viel Tempo ins Bochumer Spiel. Allein der stürmische Bockhorn, den Reis bisher rätselhafterweise vor der Öffentlichkeit verborgen hatte, nötigte den ständig hinterherlaufenden Stuttgartern drei gelbe Karten ab, Antwi-Adjei eine weitere. Mit dem Spitzen-Sprinter Holtmann auf dem linken Flügel nahm der VfL den recht eingeschüchtert wirkenden Gegner regelmäßig in die Zange, doch zumindest im Zentrum hielt der VfB dicht. Waldemar Anton, Konstantinos Mavropanos und Atakan Karazor machten ihren Job sorgfältig und verlässlich und dem VfL-Angreifer Sebastian Polter das Leben schwer. Der Mittelstürmer betätigte sich zwar immer wieder geschickt als Anspiel- und Verteilstation, aber wenn der Ball dann mal in den Strafraum gelangte, dann war Polter meistens noch unterwegs zu seinem Arbeitsplatz.

Die Stuttgarter schauten während der ersten Halbzeit lediglich sporadisch am gegnerischen Strafraum vorbei, ihre erste Torchance - ein Kopfball von Mavropanos nach der Ecke von Borna Sosa (4. Minute) - blieb für lange Zeit auch die letzte. Der Fehlstart in die Saison bildete sich deutlich im Spiel des VfB ab, es mangelte nicht an Einsatzwille, aber an Esprit und Selbstverständlichkeit. Das energische Pressing- und Zweikampfprogramm der Hausherren tat sein Übriges.

Der Videoschiedsrichter nimmt ein Stuttgarter Tor zurück - zurecht

Gefährlicher war der VfL, der von 14000 jederzeit leicht entflammbaren Zuschauern angetrieben wurde. Ernstzunehmende Torchancen blieben dennoch selten, enormem Eifer und großer Leidenschaft stand oft eine gewisse Hektik entgegen, entsprechend selten musste VfB-Torwart Florian Müller eingreifen. Bei Eduard Löwens guter Schussgelegenheit (18.) genügte es dem Schlussmann, solide zur Stelle zu sein.

Die zweite Hälfte bot mehr oder weniger das gleiche Bild, mit einem nun etwas stabileren VfB, der etwas öfter in den Angriff fand und ab und zu sogar gefährlich wurde. Als Mavropanos im Anschluss an einen Freistoß von Sosa über das 1:0 jubelte und weitete Teile des Stadions entsetzt verstummten, lag der Ball bereits zum Wiederanpfiff an der Mittellinie. Doch dann meldete sich mit Recht der Kölner Keller. Mavropanos hatte den Arm eingesetzt, um sich den Ball parat zu legen. Der Jubel über die Aberkennung des Tores war gewaltig, das heimische Publikum feierte. Aber es blieb der einzige große Freudenmoment an diesem Sonntagnachmittag.

© SZ/schm/ska
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