Glücklicher Fifa-Präsident:Blatter lächelt die Krise weg

Joseph Blatter bleibt erwartungsgemäß Fifa-Präsident und baut auf ein hundertprozentige Unterstützung seines Vorstands. Selbst auf Rückhalt aus Deutschland kann er bauen. Die offenen Fragen bleiben.

Thomas Kistner

"Die Fifa", dozierte Sepp Blatter zum Ausklang der Veranstaltung im Prachtbau auf dem Zürichberg, "ist etwas sehr Spezielles!" Wer mag da widersprechen? Dass auch ein Weltverband eine Ein-Mann-Veranstaltung sein kann, zeigte sich nicht nur bei der Vorstandssitzung am Dienstag, wo der nun sogar in Fußballkreisen angeschossene Fifa-Präsident locker die hausübliche Hundertprozent-Zustimmung für sich akquirierte.

FIFA Executive Committee extraordinary meeting in Zurich

Blatter nach der Pressekonferenz: Alles schön bei der Fifa

(Foto: dpa)

Den dicken Vertrauensbonus hatte im Schweizer Boulevardblatt Blick schon sein Reformchef Mark Pieth vorgelegt. Der Compliance-Experte rührte per Kolumne gleich neben einer seitenhohen Blatter-Figur im Sheriff-Kostüm karnevalesk die Trommel: "Ohne Blatter würde der Reformprozess in sich zusammenbrechen!"

Das ist er zum Glück doch nicht, weil Blatter und seinen Vorstandskollegen, die von einem effektiven Ethikkommitee teilweise Schlimmstes zu erwarten hätten, Pieths Reform außerordentlich gut gefällt. So gab die Fifa die Chefs ihrer neuen Kammern bekannt: der Münchner Strafrichter Joachim Eckert und US-Staatsanwalt Michael Garcia. Eckert sitzt der 6. Strafkammer des Landgerichts vor. Er soll nun eine Art Sportgericht leiten.

Garcia ist für die Untersuchungskammer zuständig, er war als Ankläger im Dopingprozess gegen die Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones tätig. Beruhigend: "Auch über die sogenannte ISL-Affäre", teilte Blatter der Presse mit, "ist am Ende noch diskutiert worden." Das Schweizer Justizpapier - es enthüllt Blatters langjährige Mitwisserschaft über Millionen-Schmiergelder an hohe Fifa-Kollegen und die Untätigkeit der Verbandsspitze gegenüber korrupten Funktionären, die dem Fußball enorme Summen entzogen hatten - das soll nun von Garcias Kammer untersucht werden.

Blatter betonte dabei: "Garcia hat das Recht und die Pflicht, diesen Fall unter ethisch-moralischen Aspekten zu analysieren!" Die Dramatik des Vortrags, gepaart mit der insgesamt zur Schau gestellten Selbstgewissheit, die Blatter auch bei anderen kritischen Fragen zeigte, muss nicht direkt ein gutes Zeichen sein.

Garcias Kammer ist die entscheidende, und dass die Wahl auf den Amerikaner fiel, war die einzige Überraschung des Tages. Denn bisher waren Blatters Reformer unter Pieth mit einem ganz anderen Namen hausieren gegangen: Luis Moreno Ocampo, argentinischer Chefankläger am Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte.

Seit Ende Mai galt er als nominiert in den Medien; Mitglieder der Reformgruppe wollten an der Frage, ob die Fifa Ocampo akzeptieren würde, gar die Messlatte dafür anlegen, wie weit zu gehen die Fußballfunktionäre bereit seien. Nun stimmten sie über "zwei Kandidaten" ab, wie Blatter ausführte, den Argentinier und den Amerikaner, und entschieden sich für letzteren.

Neben der originellen Ausgangslage, dass die Vorstände sich ihren möglichen Ankläger selbst wählten, steht die Frage, warum Pieths Reformer plötzlich jeweils vier Kandidaten für die beiden Kammern unterbreiteten. Unmittelbar vor dem Fifa-Kongress war die ganze Nominierung überfallartig vertagt worden, weil angeblich einer der Nominierten schwer erkrankt war. Standen damals nicht drei weitere Kandidaten zur Wahl? Die Fifa gab sich die Blöße einer Last-Minute-Vertagung - weil man unbedingt aus Vier wählen wollte? Transparenz bleibt hier ein hartes Brot.

Vorläufig sieht es nicht so aus, als müsste sich Blatter wegen der nun angeschobenen hausinternen ISL-Untersuchung Sorgen machen. Die übrigen sechs Mitglieder von Garcias Ermittlungskammer sind alles alte Bekannte aus Blatters vormaliger Ethikkommission. Die hatte Anfang 2011 Günter Hirsch, vormals Vorsitzender des Bundesgerichtshofs, mit einem vernichtenden Abschiedsbrief verlassen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB