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Arnd Peiffer bei der Biathlon-WM:"Ich versuche zu hoffen, dass der Kollege sauber ist"

IBU World Championships Biathlon Antholz-Anterselva - Men 10 km Sprint Competition

Arnd Peiffer: Im Sprint mit Rang sieben bester Deutscher - die Laufform passt noch nicht

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Wie geht man mit einem Weltmeister um, der schon mal wegen Dopings gesperrt war? Biathlet Arnd Peiffer spricht nach dem Sprint-Sieg des Russen Loginow über die schwierige Situation.

Als Alexander Loginow am dritten Tag der Biathlon-WM mit der schnellsten Zeit im Sprint über die Zielllinie gleitet, bleibt das Stadion in Antholz fast stumm: Der schon einmal wegen Epo-Dopings gesperrte Russe ist aufgrund seiner Vergangenheit ein Weltmeister, den Zweifel umwehen. Erinnerungen an die WM 2017 in Hochfilzen werden wach, als Loginow mit der Mixed-Staffel Bronze gewann; im Anschluss verließ Frankreichs Martin Fourcade aus Protest die Siegerehrung. Arnd Peiffer gewann damals Gold mit der deutschen Staffel, in Antholz verpasst er diesmal mit einem siebten Rang im Sprint das Podest. In der Mixed Zone sprach Peiffer im Anschluss über den Verdacht, der bei Loginow mitläuft, und eine Olympia-Medaille, die ihm vermutlich bald zugeschickt wird.

Frage: Herr Peiffer, Alexander Loginow ist hier in Antholz recht überraschend Weltmeister im Sprint geworden. Wie denken Sie darüber?

Arnd Peiffer: Ich bin so ein bisschen hin und her gerissen. Einerseits schwingt natürlich ein gewisser Verdacht mit, weil der Kollege Loginow schon mal wegen Epo-Missbrauchs gesperrt war. Und jetzt wieder auf einem Niveau ist wie zu Zeiten, wo er eben diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat. Da ist natürlich schon immer so ein bisschen Geschmäckle dabei. Andererseits ist die Regel nun mal: Wer des Dopings überführt wird, wird zwei Jahre gesperrt, und kann dann zurückkehren. Das ist bei ihm der Fall. Deswegen muss man die Unschuldsvermutung walten lassen.

Wie einfach ist das?

Das fällt nicht immer leicht, muss ich sagen. Aber ich versuche, mich daran zu halten und zu hoffen, dass der Kollege sauber ist. Es würde mich auch eher ein bisschen blockieren. Ich muss ja auch gegen ihn laufen und wenn man das Gefühl hat, der spielt nicht fair, ist es ganz schwer, sich da wirklich zu motivieren. Wenn man das Gefühl hat, man ist von vornherein benachteiligt.

Inwiefern spielt es für dieses Gefühl auch eine Rolle, wenn man weiß, welche Bedeutung Staatsdoping im russischen Sportsystem hatte?

Eine ehemalige russische Athletin hat sich jetzt wieder geäußert und einen Verdacht gegen Martin Fourcade geschürt. Da scheint mir ein bisschen das Gedankengut verbreitet zu sein: Man kann nicht ohne Doping erfolgreich sein. Das scheint hier und da schon auch in den Köpfen zu sein. Ich kann das natürlich auch nicht beurteilen. Einerseits spreche ich kein Russisch und kann nicht alles verfolgen, ich habe wenig Kontakt mit den russischen Athleten. Ich maße mir nicht an, da Einblick in das System zu haben. Aber den Verdacht hat man vielleicht manchmal, dass dort hier und da die Einschätzung herrscht, man kann ohne Doping nicht erfolgreich sein. Da muss ich natürlich vehement widersprechen.

Wie ist das Verhältnis sonst zu den russischen Athleten?

Normal. Diesen Begriff "Biathlon Familie" finde ich ehrlich gesagt immer ein bisschen aufgebläht. Wenn wir in Ridnaun sind und da sind die Russen und dann sehe ich beim Klassisch-Laufen den Kollegen Jelissejew, dann grüße ich den, dann frage ich den, wie es geht und dann geht man wieder seiner Wege. Also ein ganz normales entspanntes, höfliches Miteinander. Durchaus auch freundlich. Aber es ist nicht so, dass wir uns einmal in der Woche zum Pizza essen treffen. Man grüßt sich und das ist einfach nur kollegial.

Der Biathlon-Weltverband hat am Samstag den nicht mehr aktiven Jewgeni Ustjugow für schuldig befunden, unter anderem im Olympia-Zeitraum von Sotschi 2014 mit anabolen Steroiden betrogen zu haben. Der Olympia-Sieg der russischen Staffel könnte nun tatsächlich gestrichen werden und Sie nachträglich Gold bekommen. Wie fühlt sich das für Sie an?

Ich freue mich ehrlich gesagt, dass wir das Thema dann abhaken können. Mich hat gerade ein russischer Kollege gefragt, was das jetzt für mein Leben ändert. Wenn ich jetzt diese Gold-Medaille per Post zugeschickt bekomme, ändert das für mein Leben gar nichts. Ich habe da wiederum total gemischte Gefühle. Einerseits finde ich es total traurig, wenn es wirklich bestätigt wird, dass wir dort betrogen wurden. Ich hätte nie ein Problem damit gehabt, dass die Russen vor uns waren. Wir standen da auf dem zweiten Platz, das ganze Stadion hat die russische Nationalhymne gesungen, da habe ich Gänsehaut gekriegt, weil es schon auch cool war.

Und jetzt erscheint alles in einem anderen Licht?

Im Nachhinein ist diese ganze Situation irgendwie vergiftet. Das vergiftet auch so ein bisschen die Erinnerung. Weil man sagt: Ja gut, die waren halt besser, wir wurden da um 0,2 Sekunden geschlagen, haben Silber gewonnen, aber wir haben es da erlebt, die haben uns mit fairen Mitteln geschlagen. Dann wäre es für mich trotzdem rund gewesen. Man muss nicht immer Gold gewinnen, damit so eine Sache rund ist und Spiele rund sind. Im Nachhinein haben wir vielleicht Gold und für mich ist es irgendwie unrund. Wenn wir die jetzt bekommen, dann ist es so.

In Kontiolahti habe ich Gold gewonnen mit der Staffel (2015, Anm. der Redaktion), daran werde ich natürlich viel bessere Erinnerungen haben. Da haben wir uns durchgesetzt, da war alles super. Da haben wir gefeiert, das war einfach schön. Auch wenn das jetzt ein Olympiasieg wäre, wäre der immer mit negativen Erinnerungen verknüpft.

© SZ.de/schm
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