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Karim Benzema:Schnapsidee eines Verstoßenen

Große Vereinsfußballer, aber in ihrer Heimat mäßig beliebt - und als Nationalspieler schon lange nicht mehr gefragt: Karim Benzema (rechts) und Franck Ribéry bei einem Länderspiel für Frankreich im Jahr 2012.

(Foto: Bibard/Imago)
  • Der Real-Madrid-Stürmer Karima Benzema ist seit einigen Jahren kein Nationalspieler mehr, nachdem er in Frankreich in Ungnade fiel.
  • Jetzt erwägt er, für Algerien aufzulaufen. Er besitzt auch die algerische Staatsbürgerschaft.
  • Sein Problem ist aber: Länderwechsel sind schwierig im Fußball.

Momentan läuft es für Karim Benzema eigentlich blendend. In 14 Ligaspielen dieser Saison erzielte der Mittelstürmer von Real Madrid zehn Tore und legte vier auf. Benzema befindet sich, das schreiben die - aus seiner Sicht - sehr kritischen französischen Kommentatoren, "in der Form seines Lebens". Vergangene Woche, beim 2:2 im Champions-League-Topspiel gegen Paris Saint-Germain, traf Benzema zweimal für Real. Der französische TV-Experte Vikash Dhorasoo beschrieb die Leistung seines Landsmanns als "fabelhaft", bei jeder Ballberührung habe Benzema "etwas bewirkt, das den Unterschied ausgemacht hat".

Kein Zweifel, wenn es nur um Fußball ginge, hätte dieser Karim Benzema einen Stammplatz in fast jeder Elf dieser Welt - gewiss auch in der französischen Nationalmannschaft. Benzema ist der aktuell erfolgreichste französische Klubfußballer. Viermal gewann er mit Real Madrid die Champions League, er schoss 64 Tore in Europas Königsklasse und hat seit mehr als zehn Jahren seinen Stammplatz verteidigt - egal, ob der Trainer Mourinho, Ancelotti oder Zidane hieß und auch dann, wenn sich Real mit millionenschweren Transfers verstärkte: Benzema spielte.

Trotzdem wird er schon lange nicht mehr für die französische Nationalelf, die bei der EM 2020 auf Deutschland trifft, nominiert. Als sein letztes Spiel steht ein 4:0 gegen Armenien am 8. Oktober 2015 in den Akten, Benzema schoss zwei Tore und bereitete eines vor. Es dürfte kein weiteres Länderspiel folgen, denn an dieser Stelle kommt sein zweites Talent ins Spiel: die Gabe, sich in Schwierigkeiten zu bringen.

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"Das Abenteuer Frankreich ist für ihn beendet"

Der französische Verbandschef Noël Le Graët sagte zuletzt über Benzema: "Karim ist ein sehr guter Spieler, niemals habe ich an seinen Qualitäten gezweifelt." Und trotzdem, schob Le Graët nach, sei "das Abenteuer Frankreich für ihn beendet".

Dieser Satz beweist: Benzema kann noch so gut spielen, Frankreich wird nie wieder nach ihm rufen. Denn Nationaltrainer Didier Deschamps wählt seine Spieler nicht alleine nach ihrer Klasse aus. Oberstes Gebot für "DD" ist Folgsamkeit. Und Benzema war alles, nur nie folgsam. 2015 wurde er ausgeschlossen, weil er den "Geist der Mannschaft" störe, wie es hieß. Bekannte von Benzema besaßen ein Sexvideo des Teamkollegen Mathieu Valbuena und drohten, es zu veröffentlichen. Benzema soll dann, so Valbuenas Vorwurf, Druck ausgeübt haben, damit Valbuena ein Schweigegeld von 150 000 Euro zahle. Der Beschuldigte erzielte Teilerfolge vor Gericht, doch die Sache ist noch immer nicht ausgestanden und wird noch verhandelt.

Als Deschamps den Stürmer auch für die EM 2016, die in Frankreich stattfand, nicht berücksichtigte, eskalierte der Streit. Benzema warf dem Trainer vor, er habe sich dem Druck eines "rassistischen Teils" von Frankreich gebeugt. Deschamps gab seither in der Sturmmitte dem vielleicht nicht ganz so talentierten, aber aufopferungsvoll kämpfenden Olivier Giroud den Vorzug, selbst wenn dieser beim FC Chelsea nur auf der Bank saß. Das Thema Benzema ist durch. Frankreich kam 2016 ins EM-Finale, wurde 2018 Weltmeister - ohne ihn. Wer braucht Benzema, wenn für Frankreich Speedangreifer wie Mbappé und Griezmann wirbeln?

Doch dann kam eben diese Wortmeldung von Verbandsboss Le Graët - und die Geschichte bekam eine neue Wendung. "Wenn Sie denken, dass ich am Ende bin", schrieb Benzema Le Gräet auf Twitter direkt an, "dann lassen Sie mich doch für ein anderes Land spielen, für das ich auflaufen darf, und wir werden sehen." Hintergrund dieses Vorstoßes: Benzema besitzt neben der französischen die algerische Staatsbürgerschaft. Zudem dürfte er, da er schon mehrere Jahre in Madrid lebt, einen Antrag auf die spanische stellen.