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EM-Qualifikation:Militärshow auf dem Fußballplatz

EM-Qualifikation: Türkische Spieler feiern gegen Frankreich mit dem Militärgruß

Türkische Spieler salutieren nach dem Treffer zum 1:1 gegen Frankreich.

(Foto: Benoit Tessier/Reuters)
  • Beim 1:1 in Frankreich zeigen türkische Spieler erneut den Militärgruß.
  • Diesen hatten sie schon vor ein paar Tagen gegen Albanien gezeigt.
  • Der Düsseldorfer Profi Kaan Ayhan - und offenbar auch sein Teamkollege Kenan Karaman - beteiligen sich aber nicht.

Manchmal wäre ein 0:0 gescheiter, ein tor- und vor allem jubelloses Unentschieden. Ein 0:0 für den Weltfrieden, sozusagen.

In Saint-Denis, beim geopolitisch aufgeladenen Spiel zwischen Frankreich und der Türkei, Gruppe H der Qualifikation für die Europameisterschaft im kommenden Jahr, lief lange alles recht harmonisch. Trotz der Sorgen im Vorfeld, der Debatten über militärisch salutierende Fußballer und Boykottforderungen. Die Marseillaise? Natürlich gab es Pfiffe, immerhin waren 30 000 Türken ins Stade de France gekommen, sie tauchten die Arena in feuriges Rot. Doch der französische Fußballverband stellte die Nationalhymne einfach so donnernd laut ein, dass die paar Pfiffe im "Allons enfants de la patrie, le jour de gloire est arrivé" untergingen. Es gab auch missfallendes Geheule, als die Bleus fürs Aufwärmen den Rasen betraten, aber das gehört nun mal dazu.

Das Spiel wogte also nett dahin, ziemlich animiert sogar. Die Franzosen taten viel für die Offensive, um die schmähliche Niederlage beim Hinspiel vergessen zu machen, scheiterten aber regelmäßig an den massierten Abwehrreihen der Türken, gleich zwei davon hatten die Gäste da montiert, und an Mert Günok, dem auffällig gut aufgelegten Torwart. Einmal waren die Weltmeister von 2018 so nahe dran am Führungstor, mit zwei satten Schüssen in schneller Sequenz von Antoine Griezmann und Moussa Sissoko, dass es schon einer außergewöhnlichen Geistespräsenz bedurfte, beide zu parieren.

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Auch Kenan Karaman soll sich dem Militärgruß diesmal verweigert haben

Bis zur 76. Minute war alles gut, 0:0. Dann traf Olivier Giroud mit dem Kopf, ausgerechnet Olivier Giroud, 33 Jahre alt, der viel Geschmähte und oft Unterschätzte. In seinem Verein, dem FC Chelsea, spielt er nur noch sehr selten, im Nationalteam aber schießt er Tor um Tor. 38 sind es schon, drei weitere, und er holt Michel Platini ein, den ewigen Rekordhalter. Giroud war diesmal nur Ersatz, obwohl ihm einige Tage zuvor schon das Siegtor gegen Island gelungen war. Nationalcoach Didier Deschamps zog ihm Wissam Ben Yedder vor, den Stürmer von AS Monaco. Von dem hieß es, er sei in viel besserer Form. Nun ja, ging so. Giroud brauchte nach seiner Einwechslung nur vier Minuten für sein Tor, breitete dann die Arme zum Albatros, führte die Hände hinter die Ohren. Noch Fragen, noch Diskussionen? "Zorro" nannte ihn der Kommentator auf dem TV-Sender M6, "Held", sogar "Retter", alles in einem Atemzug.

Das 0:0, dahin. Nun fühlten sich die Türken bemüßigt, ihre extreme Tiefenlage aufzugeben und auch vorne mal was zu probieren. Und so passierte in der 82. Minute, was aus sportlicher Sicht ja durchaus und immer im Bereich des Möglichen liegt, politisch aber gerade nicht so unproblematisch ist: Tor für die Türkei. Eine lange Freistoßflanke von Hakan Calhanoglu zum entfernten Pfosten, hinter die Rücken der französischen Verteidiger.

Und da flog der Düsseldorfer Kaan Ayhan heran, Kopf voran, 1:1. Ayhan und seine Mitspieler stürmten jubelnd vor die Gästekurve, die Kop, wo die 3800 härter gesottenen Fans aus der Türkei untergebracht waren. Schließlich legten mehrere türkische Spieler die rechte Hand flach an die Stirn, streckten sich durch zur Achtungsstellung, in Formation. Ayhan jedoch nicht, der Torschütze, der weigerte sich diesmal, obschon man ihn offenbar dazu drängte. Die Kurve salutierte zurück.

Auch Ayhans Düsseldorfer Teamkollege Kenan Karaman soll sich dem Militärgruß diesmal verweigert haben. Gegen Albanien hatten beide Spieler diesen noch gezeigt. Später ließ die Fortuna wissen, es habe sich um eine Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen gehandelt, nicht aber um ein politisches Statement.