Beachvolleyball Die Neue neben der Olympiasiegerin

Der Sand ist noch etwas ungewohnt. Dafür bringt die ehemalige Diagonalspielerin Margareta Kozuch Angriffswucht und Blockstärke mit.

(Foto: Peter Weber/imago)
  • Die Olympiasiegerin Laura Ludwig hat eine neue Partnerin gefunden, nachdem Kira Walkenhorst ihre Karriere zumindest unterbrochen hat.
  • Mit der überragenden Hallenspielerin Margareta Kozuch will sie nun als Beachvolleyballduo zu den Spielen 2020 nach Tokio.
  • Es ist ein kühner Plan, denn die Zeit könnte knapp werden und Kozuch musste mehr oder weniger eine neue Disziplin lernen.
Von Peter Burghardt und Sebastian Winter, Hamburg

Man kann jetzt wirklich nicht behaupten, dass die Volleyballerin Margareta Kozuch neu wäre im internationalen Spitzensport. Sie hat 336 Mal für die Nationalmannschaft gespielt, oft als deren Anführerin. Die Angreiferin spricht mehrere Sprachen, sie war Profi in Italien, Polen, Russland, China, hat die Champions League erobert und die Europaliga. Aber das alles geschah meistens in Hallen, mit Teams aus sechs Spielerinnen, die nicht immer für die große Aufmerksamkeit sorgen. Nun stand sie in Hamburgs altem Hauptzollamt in der Speicherstadt, vor sich ein goldglänzender Weltpokal, Blitzlichter und Kameras, neben sich Laura Ludwig.

Kozuch ist beim Beachvolleyball die Neue an der Seite der Weltmeisterin und Olympiasiegerin Ludwig, deren langjährige Partnerin Kira Walkenhorst ihre Laufbahn zumindest unterbrochen hat, dem Körper zuliebe. Ludwig/Walkenhorst, das war das deutsche Erfolgsduo auf Sand, die beiden haben in den vergangenen Jahren so ziemlich alles gewonnen und die Sportart populär gemacht: Olympia-Gold 2016 an der Copacabana in Rio de Janeiro, 2017 der WM-Titel in Wien, Triumph beim Finale der World Tour in Hamburg, Mannschaft des Jahres. Jetzt nimmt Margareta Kozuch, die überragende Hallenspielerin, den Platz von Kira Walkenhorst ein, und das auch gleich bei der Weltmeisterschaft vom 28. Juni bis 7. Juli in Hamburg.

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Laura und Maggie also, nicht mehr Laura und Kira. Das alte Paar kannte jede Bewegung, jedes Zeichen, jede Muskelzuckung und Laune der jeweils anderen. Das neue Paar muss sich erst finden, obwohl sich Laura Ludwig, 33, und Margareta Kozuch, 32, bereits kennen, seit sie 14 sind. Für Margareta Kozuch, Weltklasse unter dem Dach, war sogar dieses Ballspiel Zwei gegen Zwei auf weichem Grund an sich gewöhnungsbedürftig, sie probiert es erst seit knapp zwei Jahren professionell. "Ein Sprung ins kalte Wasser", sagt sie, "ich bin da noch ein bisschen drin." Auch im Verband schauen sie gespannt auf die 1,88 Meter große frühere Diagonalspielerin, DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand ist überzeugt von ihrer Angriffswucht und Blockstärke, fragt sich aber auch: "Reicht die kurze Zeit aus, um die nötige Wettkampfhärte zu bekommen für die WM und Tokio?" Ludwig und Walkenhorst hatten einst mit einem Vier-Jahres-Plan gearbeitet.

Margareta Kozuch hatte erst in der Halle bleiben wollen, aber nach der sehr erfolgreichen Station Pomi Casalmaggiore in Italien kam die Wende. "Ich bin ein Mensch, der versucht, seinem Instinkt zu folgen", berichtet sie: "Was sagt mir mein Herz, mein Gefühl?" Ihre Antwort: "Es ist Zeit, in den Sand zu gehen." Die Premiere als Beachvolleyballerin ereignete sich 2017 mit Karla Borger, sie wurden unter anderem 17. bei der WM in Wien und Dritte auf der World Tour in Ostrava. Dann wechselte die viermalige Hallenvolleyballerin des Jahres zu Laura Ludwig, die nach ihrer Babypause 2018 und dem vorläufigen Karriereende von Walkenhorst Bedarf nach angemessenem Ersatz hatte.

Es folgte ein Wechselspiel bei den Nationalteams, Kozuchs vormalige Partnerin Borger war ja nun alleine. Sie angelte sich Blockerin Julia Sude, deren Abwehrpartnerin Chantal Laboureur die Welt nicht mehr verstand, ehe sie Sandra Ittlinger fand. "Menschlich kann es schon noch ein paar Spannungen geben", sagt Sportdirektor Hildebrand, der die Wogen so weit wie möglich glättet. Auch bei der Wahl des Trainingsortes lässt er den Duos erst mal freie Hand. Früher hatte der Verband alle verpflichten wollen, in Hamburg zu trainieren, da gab es Verwerfungen.