bedeckt München 23°
vgwortpixel

Kira Walkenhorst im Interview:"Auf Qualen habe ich keine Lust mehr"

Rauschhafter Höhepunkt einer glänzenden Karriere: Kira Walkenhorst (links) und Partnerin Laura Ludwig feiern 2016 ihren Olympiasieg an der Copacabana in Rio.

(Foto: Yasuyoshi Chiba/AFP)

Als Beachvolleyball-Olympiasiegerin hat Kira Walkenhorst Geschichte geschrieben. Jetzt zieht sie Drillinge groß. Ein Gespräch darüber, wie sie ihre Popularität auch nach ihrem Rücktritt nutzen will.

Kira Walkenhorst wirkt ruhig und entspannt, als sie zum vereinbarten Interviewtermin anruft. Die Drillinge Emma, Pepe und Mo, die am 25. Oktober 2018 das Licht der Welt erblickten, sind gut versorgt. "Raubtierfütterung" nennt die Olympiasiegerin die Prozedur. Jetzt herrscht erst einmal Ruhe, die Tochter und die beiden Söhne gönnen sich ein Nickerchen, bevor der Trubel wieder losgeht. "Wir haben wirklich Glück gehabt", sagt die 28-jährige Essenerin, "die Kleinen machen es uns leicht."

SZ: Frau Walkenhorst, die Entscheidung, dem Leistungssport Lebewohl zu sagen, bezeichneten Sie als die "mit Abstand härteste meiner Karriere". Wie geht es Ihnen jetzt, nachdem Ihr Rücktritt einige Wochen her ist?

Kira Walkenhorst: Eigentlich geht es mir gut mit der Entscheidung, weil ich weiß, dass es der richtige Weg war, den ich einschlagen musste. Aber ich glaube, dass es im Sommer, wenn die Sonne scheint und ich die ganzen Teams im Sand spielen sehe, deutlich härter wird. Gerade bei der Heim-WM in Hamburg. Da wird das Herz ordentlich bluten.

Ein anderes Zitat von Ihnen lautet: "Beachvolleyball, das war mein Leben". Wie geht es jetzt weiter?

Ganz werde ich mich vom Beachvolleyball mit Sicherheit nicht verabschieden. Natürlich habe ich mit den drei Kindern hier zuhause jede Menge zu tun. Mein Leben wird derzeit von meiner Familie bestimmt.

Beachvolleyball Der geschundene Körper verweigert den Dienst
Beachvolleyballerin Kira Walkenhorst

Der geschundene Körper verweigert den Dienst

Sie wurde Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Europameisterin: Kira Walkenhorst hat im Beachvolleyball alles gewonnen. Jetzt gibt sie ihre Karriere unter Schmerzen auf - mit nur 28 Jahren.   Von Felix Meininghaus

Was stellen Sie sich konkret vor?

Ich plane, Beachevents und Camps anzubieten, zudem habe ich einen Motivationsvortrag erarbeitet, in dem ich die Werte, die ich im Leistungssport gesammelt habe, vermitteln werde. Ich denke, da gibt es viele Parameter, die man in die Wirtschaft übertragen kann.

Sie haben in Ihrer Karriere so viele Verletzungen, Krankheiten und andere Rückschläge überwunden, dass sich viele wundern, dass Sie überhaupt so lange durchgehalten haben. Warum war jetzt Schluss?

Es war schon in den letzten Jahren eine Qual, ständig gegen den eigenen Körper ankämpfen zu müssen. Das hat mir den Spaß am Beachvolleyball zwar nicht genommen, aber es war eine harte Konkurrenz. Vor allem auch psychisch. Nach dem Olympiasieg 2016 habe ich mir gesagt, dass ich an die nächsten Aufgaben ohne körperliche Beeinträchtigungen herangehen will. Das hat nicht funktioniert.

Der Schmerz hat bei Ihnen immer eine Rolle gespielt: fünf Knie-Operationen, Schulter- und Rückenprobleme, Pfeiffersches Drüsenfieber sowie andere körperliche Malaisen. Sind Sie besonders leidensfähig?

Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich glaube aber sagen zu können, dass ich keine Mimose bin. Für mich gehörten Schmerzen und Wehwehchen immer mit dazu zum Leistungssport. Du gehst an deine Grenzen und darüber hinaus, dann tut es halt schon mal weh. Ich habe meinen Körper einiges zugemutet, er wird bestimmt was mitgenommen haben. Wenn du große Erfolge haben willst, musst du hart arbeiten. Und das passiert nun mal nicht nur im Komfortbereich.

Ist die Option, irgendwann wieder in den Sand zurückzukehren, realistisch?

Das ist auf jeden Fall meine Hoffnung. Mein Arzt klingt optimistisch. Er hat schon den ein oder anderen hoffnungslosen Fall hingekriegt. Ich gebe meinem Körper alle Zeit, die er benötigt. Es wäre schön, wenn es das noch nicht gewesen ist, denn mit 28 fühle ich mich eigentlich zu jung für die Rente. Aber nur dann, wenn ich vollkommen schmerzfrei Sport treiben kann. Auf Qualen habe ich keine Lust mehr.