Bayerns Chancen in der Champions League:Per Schlauchboot ins Halbfinale

Pep Guardiola fürchtet nur Vulkane, der Bayern-Doc hat eine makellose Statistik - und dann spielt Porto auch noch in Weiß-Blau. Sieben Gründe, weshalb die Münchner doch noch weiterkommen.

Von Korbinian Eisenberger und Martin Schneider

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Die fehlende Naturgewalt

Vulkan Eyjafjallajökull 2010

Quelle: Vilhelm Gunnarsson/dpa

Schauen wir doch mal nach, was es bisher brauchte, um Pep Guardiola aus der Champions League zu werfen. Da war zum einen eine 0:4-Pleite gegen Real Madrid im vergangenen Jahr - unschön, aber immerhin war das Real Madrid. In seinem letzten Jahr bei Barcelona ist Guardiola am FC Chelsea gescheitert - unschön, aber immerhin war das der FC Chelsea. Und dann hat Pep mit Barcelona im Halbfinale 2010 noch gegen Inter Mailand verloren. Entscheidend war die 1:3-Niederlage im Hinspiel. Damals musste das Team wegen des Eyjafjallajökull mit dem Bus 1000 Kilometer durch Europa fahren, weil man wegen der Aschewolke ja nicht fliegen konnte. Wir halten fest: Es braucht einen Vulkan, um Pep aufzuhalten. Oder Sergio Ramos. Oder Didier Drogba. Porto hat nichts davon.

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Die Doc-Statistik

1899 Hoffenheim - Bayern München

Quelle: Daniel Naupold/dpa

Unter der Betreuung des neuen Teamarztes Dr. Volker Braun weist der FC Bayern mehrere erfreuliche Bilanzen auf, etwa die medizinische: Seitdem Braun das Amt von Dr. Müller-Wohlfahrt Mitte April übernommen hat, musste der FC Bayern lediglich ein paar Zipperlein verkraften. Verteidiger Juan Bernat holte sich eine kleine Blessur am Sprunggelenk, Kapitän Philipp Lahm pausierte mit einem Magen-Darm-Infekt - beide dürften gegen Porto einsatzfähig sein. Alle anderen Profis (außer Martinez, Ribéry, Robben, Benatia, Alaba, Starke und Schweinsteiger) erfreuen sich dank Brauns Heilkunst bester Gesundheit. Makellos auch die Siegquote unter Dr. Braun: Seit der Orthopäde den medizinischen Stab der Münchner übernommen hat, gewann Guardiolas Team hundert Prozent seiner Spiele. Im Schnitt schossen die Bayern dabei 2,0 Tore pro Partie und kassierten 0,0 Treffer. 2:0 - wie zuletzt beim Auswärtssieg in Hoffenheim - lautet demnach das Durchschnittsergebnis unter Braun. Ein Resultat, das den Bayern pfeilgrad reichen würde, um ins Champions-League-Halbfinale einzuziehen.

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Der Farb-Malus

Wildmoser Prozess - Allianz-Arena

Quelle: Matthias Schrader/dpa

Der offensichtlichste Grund, weshalb Porto am Dienstagabend gegen die Bayern scheitern wird: Teams in weiß-blauen Trikots haben es in der Fröttmaninger Arena traditionell schwer. Man nehme beispielsweise den FC Schalke 04, der im Münchner Stadion nur selten mal ein Unentschieden abstaubt (wie zuletzt in der Rückrunde). Oder den FV Blau-Weiß Spandau 1903 e.V., der in Fröttmaning noch keinen einzigen Treffer erzielt und keinen Punkt geholt hat. Der beste Beweis aber, dass Porto seine weiß-blau gestreifte Kluft überdenken sollte, ist ein Verein, der sich in der Fröttmaninger Arena so schwer tut, wie in keinem anderen deutschen Fußballstadion. Die Rede ist natürlich vom Rangletzten der Zweitliga-Heimtabelle: dem TSV 1860, früher Stadtrivale des FC Bayern in der Bundesliga, heute Platzhalter an Wochenenden, an denen die Roten auf Auswärtsfahrten unterwegs sind.

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Die Konzert-Arena

Geige, Bayern

Quelle: Screenshot/Youtube

Die Münchner Hochkultur bekommt keinen neuen Konzertsaal. Das ist schlimm. Aber die Münchner Hochkultur kann sich ja auch in der Arena vergnügen. Fußball ist ja Musik. Pep ein Dirigent, Thiago die erste Geige, Jérôme Boateng der Bass, Rafinha die Rassel, Philipp Lahm die Querflöte, Bastian Schweinsteiger die Tuba, Thomas Müller die Triangel. Dante tanzt, natürlich. Brasilianer tanzen zu allem. Auch zu Sinfonien. Sinfonien werden aber immer bis zum Ende gespielt (außer natürlich die Sinfonie in h-Moll von Schubert, aber nur Banausen sehen im FC Bayern ein h-Moll). Das Orchester hört nie vor dem Finale auf zu spielen. Außer natürlich, das Schiff, auf dem das Orchester spielt, fährt gegen einen Eisberg. Das Schlauchboot in Fröttmaning ist aber bei 19 Grad im April vor Eisbergen sicher.

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Die Pep-Statistik

pep

Quelle: imago

In vier Jahren bei Barcelona holte Pep Guardiola 14 Titel, was ein Jahresmittel von 3,5 Trophäen ergibt. In seiner Auftakt-Saison beim FC Bayern toppte er diesen Durchschnittswert sogar und holte mit dem Double, dem hart erkämpften Weltpokal und dem Europäischen Supercup gleich vier Pokale. Rein mathematisch wäre es demnach nur logisch, würden die Münchner in diesem Jahr das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions-League holen und damit wieder Guardiolas 3,5-er Schnitt entsprechen. Zweifelsohne wird der FC Bayern also nicht nur den FC Porto aus der Königsklasse jagen, sondern anschließend im Traum-Halbfinale gegen Guardiolas früheren Arbeitgeber den Einzug ins Endspiel schaffen.

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Der Berlin-Faktor

Hipster Olympics 2012

Quelle: Adam Berry/Getty Images

Das Finale findet ja in Berlin statt und ein möglicher Champions-League-Sieger muss natürlich zur Stadt passen. Gehen wir mal die Kandidaten durch. Juventus? Die Italiener haben im Berliner Olympiastadion schon vor neun Jahren eine Riesenparty gefeiert, das muss reichen. Real Madrid? Fällt weg, weil der Titelverteidiger nie gewinnt. Atlético Madrid? Ein Haufen hyperaktiver Raufbolde, die sich auf alles stürzen, was nach Action aussieht? Schon eher. Barcelona? Steht für das schöne Spiel und ist damit quasi der Antipol zur Hertha. Fliegt außerdem ja im Halbfinale gegen Pep raus. Monaco? Hat Geld und passt damit am allerwenigsten nach Berlin. Paris? Höchstens Ibrahimovic, aber die sind ja quasi eh schon draußen. Porto? Dort schließen die Bars um vier Uhr, da fangen die Berliner eventuell mal an zu überlegen, ob sie noch ins Berghain gehen sollen. Und München? Ähm. Aaaaalso. Auch fast 'ne Weltstadt. Das Finale wird also München gegen Atlético lauten.

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Quelle: Martin Meissner/AP

Jetzt mal ehrlich. Auf einer Skala von 0 bis "Peter Neururer wird 2015 Trainer in der Bundesliga" - für wie kühn und sensationell würden Sie folgende Aussage halten: "Der FC Bayern gewinnt daheim 2:0 gegen den FC Porto." Na? Die Wahrheit ist doch, dass diese Mannschaft und ihre Fans sich so an Dominanz gewöhnt haben, dass schon ein Vier-Punkte-Vorsprung in der Bundesliga auf Platz zwei als knapp gilt (aktuell sind es zwölf Punkte). Und wenn eine Situation, die man mit einem 2:0-Sieg gegen den Tabellenzweiten der portugiesischen Liga lösen kann, schon als größtmögliche Katastrophe gilt, da kann auch Peter Neururer nicht mehr helfen. Hallo, Herr Müller, also Thomas, ohne Wohlfahrt: Was sagen Sie dazu? "Ein 2:0-Heimspielerfolg für den FC Bayern wäre kein fußballerisches Weltwunder". Dem ist nichts hinzuzufügen.

© SZ.de/ebc/jbe/dd
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