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Bayern Münchens Mario Götze:Feingeist ohne Mannschaft

Viktoria Pilsen - FC Bayern München

Den BVB verlassen, bei den Bayern noch nicht richtig angekommen: Mario Götze.

(Foto: dpa)

Mario Götze ist aberwitzig talentiert, doch nach seiner langen Verletzungspause kämpft er weiter um seine Form. Seine ganz guten Leistungen sind schon eine Weile her, und so richtig angekommen ist er beim FC Bayern noch nicht. Zumindest eine offizielle Stimme verteidigt ihn vehement.

Da sieht man mal, welch praktische Lebenshilfe so ein Bundestrainer leisten kann. Joachim Löw wird natürlich im Stadion sitzen, wenn sich Dortmund und der FC Bayern begegnen, er wird sich nicht verstecken, nicht den Schal vors Gesicht halten, mit keiner Mütze die Frisur ruinieren. Löw ahnt, dass sie ihn auspfeifen werden, aber er wird sich zeigen.

Für die Dortmunder ist Löw einer, der Bayern-Spieler in vorauseilendem Gehorsam schont und Dortmund-Spieler in nachgereichtem Trotz Extrameter rennen lässt. Für die BVB-Seele ist Löw auch der, der den Hummels nicht mag und den Schmelzer nicht mag und den Weidenfeller nur nominiert, damit er seine Ruhe hat. Egal, was daran stimmt, was zugespitzt oder schlicht falsch ist: Es könnte Mario Götze helfen. Er ist jetzt nicht mehr der einzige, mit dem die Zuschauer eine Rechnung offen haben.

Mario Götze ist zurzeit ein Spieler ohne Mannschaft. Die Dortmunder Elf hat er im Sommer verlassen, zur bayerischen gehört er noch nicht so recht, und die Nationalelf sah zuletzt auch nicht so aus, als könne sie ohne ihn nicht leben. Götze, 21, ist aberwitzig begabt, an guten und auch an normalen Tagen erledigt er die Disziplinen "Ball bekommen", "Ball verarbeiten" und "Ball weiterspielen" in einer einzigen, fließenden Bewegung.

Aber die ganz guten Tage sind schon eine Weile her, im Moment kämpft Götze darum, sich wenigstens die Normalität in seinem Spiel zurückzuerobern. Gemessen an seinem fast unwirklichen Talent, sah dieser Kampf zuletzt beinahe unwürdig aus: Beim Länderspiel in Italien gab es Aktionen, die eine Zehntelsekunde nach Götze aussahen und dann nach einem Spieler, der sich vergeblich bemüht, Götze zu imitieren. Er hat Dribblings angefangen und gleich wieder abgebrochen - so, als traue er sich oder seinem Körper das Dribbling gar nicht zu.

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