Bayern-Gegner AS Rom:Totti will Spaß

Den AC Florenz legten die Römer herein, noch ehe die Gäste aus ihrem Sommerschlaf erwacht waren. Eine knappe halbe Stunde tänzelten Garcias Männer harmlos vor sich hin, dann kam der flinke Ivorer Gervinho und schoss ohne Vorwarnung den Florentiner Torwart Norberto Neto an. Neto konnte Gervinhos Ball abwehren, nicht aber den Nachschuss von Hahnenkamm Nainggolan: 1:0. So wie die Roma angefangen hatte, machte sie weiter, zweimal hatte Gervinho das 2:0 auf dem Fuß, erst in der Nachspielzeit gelang es ihm.

Die Fiorentina wachte nach der Pause auf und prüfte Roma-Keeper Morgan De Sanctis. Dieser, ein exzentrischer Opern-Liebhaber aus der verwunschenen Bergwelt der Abruzzen, gilt als italienische Version von Manuel Neuer, weil er gern mal weiter vorn mitspielt und nonchalant den Kasten leer lässt. Aber der Vergleich hinkt natürlich, schließlich geht Neuer nicht in die Oper.

"Gomez kann das besser"

Bei den besiegten Florentinern wirkt indes ein deutscher Nationalspieler, über den Trainer Vincenzo Montella nach dem Abpfiff in Rom folgende, hoffnungsvolle Worte sprach: "Gomez kann das besser." Montella ist nur zwei Jahre älter als sein ehemaliger Teamkamerad Totti, aber seine Mitarbeiter versteht er zu motivieren wie ein erfahrener Chef.

Bei der Gazzetta dello Sport müssen sie solche und andere diplomatische Rücksichten nicht nehmen, sondern sind dazu angehalten, kräftig auf die Sahne zu hauen. Weswegen auf den armen Mario Gomez folgendes Urteil niederging: "Ein Panzer ohne Munition." Joachim Löw wird sich vermutlich eher an Montella orientieren und hoffen, dass DFB-Rückkehrer Gomez gegen Argentinien und Schottland nun ausführlich und nachhaltig beweist, wie er's besser kann.

In Rom war Löw nicht dabei. Aber der neue italienische Nationaltrainer Antonio Conte saß auf der Tribüne und nominierte später gleich vier Römer für das Prestige-Testspiel gegen die Niederlande am Mittwoch. Derweil schaffte auch Contes Nachfolger bei Juventus, Massimiliano Allegri, seinen ersten Saisonsieg, ein sang- und klangloses 1:0 bei Chievo Verona.

Roma und Juve, die beiden Duellanten aus dem Vorjahr, gelten erneut als Titelfavoriten, zudem sind sie nach dem unrühmlichen Ausscheiden des SSC Neapel aus der Champions-League-Qualifikation die einzigen italienischen Vertreter in der Königsklasse. Zwei Mannschaften hat Italien nur noch in der Champions League, genau so viele wie der Fußballzwerg Russland. Da hilft nur Selbstironie. Ist der Ruf erst ruiniert, spielt es sich gänzlich ungeniert. Nicht nur Totti will auf der letzten Karussellrunde noch mal richtig Spaß haben.

© SZ vom 01.09.2014/fued
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