Bayern-Gegner AS Rom Europas ironischste Truppe

Francesco Totti und seine Römer treffen demnächst auf den FC Bayern

(Foto: dpa)

Statuen in der Abwehr, ein verhinderter Tankwart als Anführer und ein Opernliebhaber im Tor: Der AS Rom, demnächst Widersacher des FC Bayern in der Champions League, verschaukelt gerne sich und noch lieber seine Gegner - das macht die Italiener gefährlich.

Von Birgit Schönau, Rom

So also sieht eine Truppe aus, auf die man als normaler Mensch keinen Cent wetten würde. Eine Mannschaft, die schon rein phänotypisch alle Merkmale des abgewrackten italienischen Calcio auf sich vereint - mit Typen, die daherkommen wie aufgemotzte Fantasy-Gladiatoren, aber schon Ewigkeiten nichts mehr gewonnen haben.

In kaum einem anderen europäischen Team sieht man derart verwegene Tattoos wie bei den Spielern des AS Rom, auf manchem Arm ist kein Millimeter mehr Platz. Und wenige trauen sich heute noch an Frisuren heran wie den Hahnenkamm des belgisch-indonesischen Mittelfeldmanns Radja Nainggolan, dessen künstliches Blond im Flutlicht des Olympiastadions fluoreszierte, als er am Samstagabend beim 2:0 der Roma über den AC Florenz das Führungstor erzielte.

Die Roma sieht immer noch richtig gut aus

Beim gelungenen Saisonstart der schrillen Hauptstädter sah die Abwehr noch am normalsten aus. Vasilis Torosidis und Zugang Kostas Manolas sind gänzlich untätowiert, statt Frisuren haben sie Haare. Wenigstens trägt José Holebas (ehemals 1860 München, zuletzt Olympiakos Piräus) bunte Arme. Seit Samstag verstärkt er die römische Hintermannschaft, zum Einsatz kam er allerdings noch nicht.

Früher kauften Römer griechische Philosophen, jetzt reichen die 26 Millionen Euro für den AS aus dem Verkauf von Mehdi Benatia zum FC Bayern immerhin für Ball-Stoiker aus Hellas, deren Namen sich künftige Generationen nicht merken werden müssen. Immerhin geben die griechischen Statuen in der Abwehr eine klassisch-dezente Kulisse ab für einen echten Granden aus dem Mutterland des Fußballs: Ashley Cole kam ablösefrei vom FC Chelsea, und wie es sich für die letzten echten Stars in der Serie A gehört, hat er seine besten Zeiten hinter sich.

Cole ist mit knapp 34 aber immer noch vier Jahre jünger als sein neuer Kapitän, der eigentlich lieber Tankwart werden wollte als Profifußballer. Weil für ihn aber zwischen Peterskirche und Kolosseum keine Zapfsäule frei war, muss Francesco Totti jetzt zur 23. Saison für die Roma antreten. Und was soll man sagen: Diese Monstermannschaft und ihr ewiger Anführer sehen immer noch richtig gut aus. Kein Wunder, schließlich sind Totti und sein Dauer-Vize Daniele De Rossi Weltmeister. Wenn auch von 2006.

Premier League Ohne Wucht, aber mit Podolski
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Ohne Wucht, aber mit Podolski

Der FC Arsenal kann den Aufsteiger nicht bezwingen: Gegen Leicester City gelingt nur ein 1:1, Lukas Podolski feiert dabei sein Comeback. Dem FC Liverpool glückt hingegen ein 3:0-Erfolg - auch Emre Can darf mitmischen. In Spanien gewinnt der FC Barcelona knapp, Real Madrid verspielt eine 2:0-Führung und verliert hoch.

Sicher, der AC Florenz ist nicht der FC Bayern, gegen den die Roma bald in der Champions League antreten muss. Und der französische AS-Trainer Garcia ist nicht Pep Guardiola, sondern eher Löwenbändiger als Fußballguru. Garcia heißt ungeachtet seiner andalusischen Wurzeln "Rudi", er war in Frankreich mit Außenseiter Lille Meister geworden und in Italien zuletzt mit 85 Punkten Zweiter hinter Juventus Turin. All das hat dazu geführt, dass er den Fußball und das Leben mit einer gehörigen Portion Ironie nimmt, was ja nicht nur in der Trümmerlandschaft der Serie A von Vorteil ist, dort aber unerlässlich.

Und wie der Trainer, so die Mannschaft. Die kühne These sei gewagt, dass der AS Rom die ironischste Truppe des Kontinents ist, ein Team, das sich, angeführt von Tankwart Totti, mit unnachahmlich verschmitzter Wurstigkeit gern selbst verschaukelt, noch lieber aber den Gegner.