Bayern gegen Dortmund im Netz Die Fußgängerzone der Welt

Bayern gegen Dortmund, hier Sven Bender (links) gegen Jérôme Boateng, auch im Netz ein Riesenthema.

(Foto: AFP)

Der FC Bayern und der BVB sind in den sozialen Netzwerken die meist frequentierten deutschen Klubs - das zeigt auch das Duell am Samstagabend. Wie Twitter und Facebook die Öffentlichkeit im Fußball verändern.

Von Simon Hurtz

"JAAAAAAAAA! #fcbbvb 0-1" So feiert der BVB auf Twitter. Neun A's und bis zum Abpfiff schon 1700 Retweets für das Tor von Marco Reus. Bei Facebook gibt es keine Zeichenbeschränkung: "TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO-OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR für Borussia Dortmund! MARCO REEEUUUUUUS!" Die 62 O's und sechs U's gefallen bis zum Schlusspfiff 57.000 Menschen.

Ähnlich liest sich das beim FC Bayern: "JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! #FCBBVB 1-1", lautet der mit 900 Retweets bedachte Jubel auf Twitter, "TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!!! Endlich", freut sich der Account über den Ausgleich, und 37.000 Menschen klicken auf "gefällt mir".

Der Jubel des offiziellen BVB-Accounts ist damit der erfolgreichste Tweet, der während des Spiels abgesetzt wurde - und das will was heißen: 57.000 Tweets zählte der Analysedienst Topsy zum offiziellen Hashtag #fcbbvb, ab 17:30 Uhr dominierte das Thema die Trending Topics, spätestens nach dem Anpfiff um 18:30 Uhr kannte Twitter-Deutschland kaum noch ein anderes Thema: den Bayern-Sieg über Dortmund - die für ihren zwischenzeitlichen Jubel keine Punkte bekamen.

Früher erlebte man Fußballspiele entweder live im Stadion, oder man informierte sich in den klassischen Medien. Heute ist eine dritte Öffentlichkeit entstanden: Fußballfans twittern, sharen und liken millionenfach, die sozialen Netzwerke sind zur Bühne für den Sport geworden - eine Entwicklung, die sich vor ein paar Jahren noch kaum jemand vorstellen konnte. Auch am 7. Februar 2008 ahnte wohl niemand, dass dieser Tag rückblickend ein Meilenstein für den deutschen Profifußball werden sollte. Es war ein Donnerstag, alle 18 Bundesliga-Vereine hatten spielfrei. Als erster Verein legte sich Borussia Mönchengladbach ein Facebook-Profil zu.

Gladbach machte den Anfang

Heute gefällt die Seite knapp 700.000 Menschen, in der Social-Media-Tabelle würde das aber nicht mal fürs internationale Geschäft reichen. Die Gladbacher wären Siebter, weit abgeschlagen hinter den beiden Klubs, die in den vergangenen Jahren auch das sportliche Geschehen dominiert haben. Der FC Bayern hat 23 Millionen Fans auf Facebook, Dortmund 11 Millionen, mit großem Abstand folgen Schalke 04 und Leverkusen mit 2,3 bzw. einer Million Facebook-Likes.

Auch auf Twitter und Instagram müssen Bayern und Dortmund die Bundesliga-Konkurrenz nicht fürchten. Das deutsche Champions-League-Finale wird sich in den nächsten Jahren aber höchstens auf dem Platz, nicht aber in den sozialen Netzwerken wiederholen. Zu groß ist hier der Vorsprung der Vereine aus der Premier League, vor allem aber der von Real Madrid und dem FC Barcelona, die sich ein Wettrennen um den 100-millionsten Facebook-Fan liefern.

Guardiola gehorcht den Bayern-Fans

45 Minuten lang zeigt Borussia Dortmund, dass die Mannschaft zu den besten der Welt gehört. Dann übernimmt der FC Bayern - weil Trainer Pep Guardiola die entscheidenden Anweisungen gibt. Und auf Volkes Stimme hört. Von Thomas Hummel mehr ... Analyse

Sportlich gehören die Bayern zu den Top-Vereinen in Europa, und längst tut man in München alles dafür, auch im digitalen Geschäft ganz vorne mitzumischen. Vier feste Mitarbeiter kümmern sich Vollzeit um 17 Social-Media-Kanäle, twittern, posten und reagieren auf Kommentare. "Soziale Netzwerke sind heute sowas wie die Fußgängerzone der Welt. Die Menschen sind auf Facebook, also sollte der FC Bayern auch da sein", sagt Stefan Mennerich, beim FC Bayern für digitale Medien verantwortlich. "Dort erreichen wir viele Millionen Menschen, bekommen wir wertvolles, ungefiltertes Feedback und haben direkten Kontakt zu Fans auf der ganzen Welt."

Nur ein Fünftel dieser Fans kommt aus Deutschland, in Städten wie Kairo, Mexico City, Bangkok oder Jakarta interessieren sich mehr Menschen für die Facebook-Seite der Bayern als zu Hause in München. Deshalb werden die Postings in zwölf verschiedene Sprachen übersetzt, deshalb gibt es den FC Bayern auch in einem russischen und drei chinesischen Netzwerken. Zwar lässt sich dort nicht unmittelbar Geld verdienen, doch um ausländische Märkte zu bedienen und neue Zielgruppen zu erschließen, werden soziale Netzwerke immer wichtiger.