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Bundesliga:Die Bayern schweben wieder

Ivan Perisic (v.l.), Thomas Müller, Robert Lewandowski und Torschütze Philippe Coutinho nach dem 4:0.

(Foto: AP)
  • Der FC Bayern bestätigt beim 4:0 in Düsseldorf den Aufschwung unter Interimstrainer Hansi Flick.
  • Vor allem in der ersten Halbzeit zeigen die Münchner eine ganz starke Leistung.
  • Die Spieler loben den Stil unter Flick und distanzieren sich indirekt von den Vorgaben unter Ex-Trainer Niko Kovac.

Am Ende wurde noch einmal jene Frage gestellt, die schon vor zwei Wochen nach den ersten beiden Siegen unter Trainer Hansi Flick als weitgehend beantwortet galt. Ob der FC Bayern wieder der FC Bayern sei, lautete die Frage. Gemeint war damit natürlich nicht der Name an sich, sondern der Markenkern der Münchner, die sich in den vergangenen sieben Saisons als sportlich ziemlich unangefochtener Branchenführer von einem Meistertitel zum nächsten gespielt hatten.

Nun, nach dem nächsten überzeugenden Sieg, dem 4:0 (3:0) bei Fortuna Düsseldorf, wurde die Frage erneut gestellt, und Manuel Neuer beantwortete sie mit einem Satz, der vor allem auf die neue Beständigkeit verwies. "Wir sind immer noch der FC Bayern", sagte der Torwart und Kapitän der Münchner. Also immer noch jener FC Bayern, der als solcher schon vor der Länderspielpause gegen Piräus (2:0) und Dortmund (4:0) wieder zu erkennen gewesen war.

FC Bayern in der Einzelkritik

Auch Heilige sind fehlbar

Nach der Trennung vom bisherigen Trainer Niko Kovac sei man "zur Leistung verdammt" gewesen, erinnerte Thomas Müller, nun habe man den Aufschwung unter Flick "absolut bestätigt". Nebenbei nähern sich die Münchner auch wieder dem gewohnten Tabellenbild aus den sieben zurückliegenden Spielzeiten an. Nur noch einem Punkt Vorsprung hat Tabellenführer Borussia Mönchengladbach nach der 0:2-Niederlage bei Union Berlin auf den FC Bayern. Spielweise und Erfolge erinnern ohnehin wieder den Markenkern des Klubs.

"Wir haben viel mehr Kontrolle"

Dazu passte am Samstag, dass die Münchner ihre Freude über die Rückkehr zum Stil vor Kovac äußerten. Von "Spaß", auch beim Verteidigen wieder offensiver denken und agieren zu dürfen, sprachen Neuer und Joshua Kimmich. "Das tut unserem Spiel gut", sagte Kimmich, was Neuer bestätigte und zudem ziemlich offen auf den Gegensatz zum Stil unter Kovac verwies. "Wir haben viel mehr Kontrolle", sagte der Kapitän, was auch daran liege, dass die Kollegen näher am gegnerischen Tor verteidigten, zudem deutlich geringere Abstände zueinander hätten als zuvor und dadurch "mehr Vertrauen in den Neben- und Vordermann". Hinzu komme nach Ballgewinnen "der schnelle, kurze Weg zum Tor". Oder wie es Müller übergeordnet formulierte: "Wir wollen gute, kontrollierte Offensivaktionen haben - das gelingt uns in den letzten drei Spielen sehr gut." Viel deutlicher konnten die Spieler kaum Flicks Vorgaben loben und sich von denen des Vorgängers distanzieren.

Hinter den Münchnern lag ein Auswärtssieg, für den der Zusatz souverän beinahe noch wie eine Untertreibung daherkam. Vielmehr ging ihr Auftritt als Bewerbung für eine annähernd perfekte Fußballdemonstration in einem fremden Stadion durch, jedenfalls in der ersten Halbzeit. Spielfreudig, tempo- und chancenreich hatten sie die Düsseldorfer in den ersten 45 Minuten von einer Verlegenheit in die nächste gestürzt und dabei so überlegen und stabil agiert, dass man sich schon fragen konnte, ob das wirklich jene Mannschaft ist, die noch vor Kurzem mit der eigenen Verlegenheit zu kämpfen hatte. Nun aber setzten die Münchner auch auswärts jenen selbstbewussten Fußball fort, mit dem sie sich in der ersten Woche unter Flick bei den Siegen gegen Piräus und Dortmund freigespielt hatten.

Es war sogar so, dass ihnen in Düsseldorf in der ersten Halbzeit eine Steigerung zur Gala gegen Dortmund attestiert werden konnte, wenngleich gegen eine hoffnungslos überforderte Fortuna, die vor einem Jahr in München noch ein 3:3 geholt hatte. Die übermächtige Darbietung erinnerte in Teilen an die Dominanz alter Tage.

Erst in der zweiten Halbzeit gewähren die Bayern der Fortuna etwas mehr Spielanteile und auch Torannäherungen

In Summe mussten sich die Gastgeber wie Statisten auf der eigenen Party fühlen, die nur staunen konnten, wie die Gäste über die Tanzfläche schweben und dabei alle Blicke auf sich ziehen. Als "eindrucksvoll gut" bezeichnete Flick die erste Halbzeit. Und das, obwohl die Bayern ja weiterhin mit ihrer eher behelfsmäßigen Viererkette und den Aushilfs-Innenverteidigern Javier Martínez und David Alaba aufliefen. Zudem durften erstmals unter Flick Philippe Coutinho auf dem linken Flügel und Corentin Tolisso neben Müller vor dem Sechser Kimmich beginnen.

Das Beste aus Sicht der Düsseldorfer war zur Halbzeit, dass sie nur 0:3 zurücklagen. Zunächst hatte Benjamin Pavard eine Hereingabe von Kimmich mit der Fußspitze ins Tor gelenkt (11.). Später nutzte Tolisso eine Hereingabe von Gnabry mit einem direkten Schuss zum 0:2 (27.). Kurz darauf legte Müller für Gnabry ab, der ebenfalls direkt vollendete (34.). Dazwischen lagen weitere Großchancen nach feinen Kombinationen. Wie Müllers Hackenvorlage, nach der Robert Lewandowski knapp vorbeischob. Wie Pavards Hereingabe, die Coutinho nicht voll erwischte und neben das Tor lenkte. Und wie Lewandowskis Zuspiel auf Gnabry, der aus ungünstigem Winkel den Außenpfosten traf.

Erst in der zweiten Halbzeit gewährten die Bayern der Fortuna etwas mehr Spielanteile und auch Torannäherungen. Die Münchner konnten sich das gedrosselte Tempo und die kleineren Nachlässigkeiten vor der nächsten Dienstreise in der Champions League an diesem Montag zu Roter Stern Belgrad aber leisten, zumal Coutinho nach Lewandowskis Zuspiel den Ball aus einem Meter noch zum 0:4 über die Linie schubste (70.).

In Belgrad geht es für die Bayern am Dienstag im zweiten Auswärtsspiel unter Flick um den vorzeitigen Gruppensieg. Bei seinem Debüt hatten die Münchner bereits die vorzeitige Zulassung zum Achtelfinale erworben. Auch das erinnerte schon wieder an die zurückliegenden Spielzeiten des FC Bayern, der vor dem Trainerwechsel vor allem von Lewandowskis Toren profitiert hatte. Nun hatte der Stürmer nach bisher 16 Toren in elf Spielen erstmals in dieser Bundesliga-Saison nicht getroffen. "Ich hoffe, dass er trotzdem zufrieden ist", sagte Kimmich. Sein Lächeln erzählte davon, dass er davon ausgeht nach dem nächsten überzeugenden Auftritt des FC Bayern. Die Frage, ob Robert Lewandowski noch Robert Lewandowski ist, wurde übrigens nicht gestellt.

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