bedeckt München

Union Berlin:Voll angekommen in Liga eins

1. FC Union Berlin - Borussia Mönchengladbach

Freude mit dem Maskottchen: Union Berlin feiert den Treffer von Sebastian Andersson (Nr. 10).

(Foto: dpa)
  • Union Berlin feiert gegen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach den dritten Bundesliga-Heimsieg in Serie.
  • Gladbach bleibt trotz der Niederlage Erster, doch der Vorsprung auf Leipzig und Bayern sinkt auf einen Punkt.
  • Auch die Gäste machen den Berlinern Komplimente.

Von Javier Cáceres, Berlin

Am Ende ertönte noch ein musikalischer Gruß, den die wenigen Wolken am Himmel quer durch die ganze Hauptstadt trugen, von Köpenick bis ins Berliner Westend. Wobei die Melodie sehr an ein Lied erinnert, das Udo Jürgens mehr oder weniger im Gründungsjahr des 1. FC Union popularisierte: "Siebzehn Jahr, blondes Haar ..." Den Refrain hatten sie in Köpenick, der Heimat des 1. FC Union, vor ein paar Wochen umgedichtet, nach dem Derbysieg gegen Hertha BSC: "Stadtmeister, Stadtmeister ... Berlins Nummer 1", lautet der Kehrreim, der sich gewissermaßen perpetuiert. Denn: Unabhängig davon, was Hertha BSC am Sonntag in Augsburg bewerkstelligt, wird Union eine weitere Woche in der Tabelle vor Hertha stehen. Union siegte nämlich am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:0.

Dass die Borussia die Tabellenführung nicht aus den Händen gab (Leipzig und der FC Bayern rückten bloß auf einen Punkt an die Gladbacher heran), machte es Trainer Marco Rose wohl etwas einfacher, nach der Partie zuzugeben, dass man "in der Summe von einem verdienten Sieg sprechen kann." Und wer wollte, konnte darin das größte aller Zeichen dafür erkennen, dass Union sich voll in die Bundesliga integriert hat. Denn gegen den Spitzenreiter gelang nicht nur der dritte Bundesligaheimsieg in Serie. Es war auch der dritte Heimsieg ohne Gegentor. Und auch von den anderen beiden Triumphen ­- gegen Freiburg und eben den Lokalrivalen Hertha - hatten die Unioner zufrieden behaupten dürfen, dass sie verdient gewesen waren. Union-Trainer Urs Fischer nutzte die Gunst des Sieges, um die Nase gepflegt zu rümpfen. "Rein fußballerisch" habe ihn der Vortrag seiner Mannschaft nicht überzeugt. "Aber es war effektiv und das war auch unser Plan."

Die Gladbacher strahlten nur eine Viertelstunde lang Autorität aus - in den ersten 15 Minuten der Partie. Sie dominierten Ball und Spiel, näherten sich dem Union-Tor mit einiger Gefahr und landeten einen Pfostentreffer: Nach zwölf Minuten wuchtete Patrick Hermann eine Flanke von Alassane Pléa ans linke Gestänge. Dann aber holte Union zum ersten Mal aus - und setzte den Ball sogleich ins Netz. Die Unioner eroberten den Ball in der eigenen Hälfte und schalteten in überragender Manier um. Christopher Lenz bediente den auffälligen Regisseur Marcus Ingvartsen, der von links eine wohltemperierte Flanke auf den mitgelaufenen Anthony Ujah schlug - der Nigerianer bugsierte den Ball aus vollem Lauf mit der Stirn ins Tor.

Die Führung war das eine. Das andere, dass er bei den Gladbachern einen Kurzschluss verursachte. Die Unioner operierten - wie von Trainer Marco Rose vorhergesagt - vornehmlich mit langen Bällen, in der Hoffnung, aus den Abprallern Chancen zu kreieren, und siehe, fast hätte diese Rezeptur zu einem höheren Vorsprung geführt. In der 21. Minute legte sich Ingvartsen den Ball mit der Brust zurecht und jagte ihn dann per Volleyschuss aus 17 Metern an den Pfosten; in der 33. Minute parierte Gladbachs Torwart Yann Sommer nach einer Ecke Ujahs einen Kopfball Andersson auf der Linie.

Pléa vergibt die Chance zum Ausgleich

Dem hatten die Gladbacher nur eine Szene entgegenzusetzen. Nach einem Ballverlust der Berliner in der gegnerischen Hälfte landete der Ball nach zwei Direktpässen bei Stürmer Pléa, doch als er, wie ein Eishockeyspieler beim Penalty-Shootout, allein auf Unions Torwart Rafal Gikiewicz zustürmte, versagten seine Nerven. Der geschickt herausgelaufene Gikiewicz lenkte den Ball zur Ecke (38.). Diese vergebene Chance hatte etwas Schicksalsträchtiges. Nach der Pause schaffte es Mönchengladbach in keiner Phase, seine Überlegenheit in zwingende Chancen umzuwandeln. Stattdessen markierte Mittelstürmer Sebastian Andersson in der Nachspielzeit den Treffer zum 2:0-Endstand, nach einer abgefälschten Hereingabe des eingewechselten Ryerson.

"Mit Ball ist uns relativ wenig eingefallen", gestand Gladbachs Offensivkraft Florian Neuhaus; sein Trainer Rose vermisste in der zweiten Halbzeit die Zielstrebigkeit. Manager Max Eberl wiederum hatte keine Neigung, seine Mannschaft für eine nach drei Siegen in Serie doch enttäuschende Leistung zu sezieren. "Wir ärgern uns sehr darüber, weil wir den Lauf gerne fortgesetzt hätten", sagte Eberl, aber man habe gegen einen 1. FC Union verloren, der sein Spiel "herausragend" vorträgt und in der Bundesliga "total angekommen" sei. Das durfte man so stehen lassen.

Die Fans des 1. FC Union feierten aber nicht nur den Sieg - sondern auch den Vorsänger der Ultras namens Fabian Voss. Nach dreizehn Jahren mit dem Rücken zum Spielfeld und dem Megaphon in der Hand trat er den Job ab - und lief, zu Tränen gerührt, durch das Spalier, das die Union-Spieler nach dem Sieg bildeten. Die Fans wiesen ihm den Weg zurück, mit einem gigantischen Transparent, der sich wie ein Versprechen las: "Wir treffen uns am Tresen." Und man durfte darauf wetten, dass auch dort Grüße in Richtung Berlin-Westend geschickt wurden.

© SZ vom 24.11.2019/chge/tbr
Zur SZ-Startseite

Bundesliga
:Bayern überzeugt im eigenen Rhythmus

Die Münchner haben sich offenbar vollständig gefangen und gewinnen 4:0 in Düsseldorf. Schalke siegt in Bremen - und Union erschreckt Tabellenführer Gladbach. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Tim Brack

Lesen Sie mehr zum Thema