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3:3 nach 3:1 gegen Düsseldorf:Lukebakio trifft den FC Bayern ins Herz

FC Bayern Muenchen v Fortuna Duesseldorf - Bundesliga

Fassungslos: Javi Martinez.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Von Martin Schneider

Niko Kovac bewegte keinen einzigen Gesichtsmuskel, Uli Hoeneß auch nicht. Die Kamera zeigte den Bayern-Trainer und den Bayern-Präsidenten in Nahaufnahme, als der Düsseldorfer Dodi Lukebakio in der Nachspielzeit gerade das 3:3 für den Aufsteiger geschossen hatte. Der FC Bayern war weit aufgerückt, ein einziger Steilpass genügte, um das ganze Defensivkonzept auszuhebeln. Lukebakio rannte einfach auf Manuel Neuer zu und traf den FC Bayern ins Herz. Es war ein einfaches Tor, ein Gegentor, das eine Spitzenmannschaft nicht fangen darf, schon gar nicht zu Hause. Schon gar nicht bei einer knappen Führung. Schon gar nicht gegen einen Aufsteiger. Schon gar nicht in der Nachspielzeit. Und schon gar nicht, wenn der gleiche Spieler schon ein einfaches erstes Tor und ein einfaches zweites Tor geschossen hatte.

Der FC Bayern hat ein Spiel, das eigentlich in Richtung "Arbeitssieg" plätscherte, auf absurde Art und Weise aus der Hand gegeben. Niko Kovac verließ nach Schlusspfiff sofort das Spielfeld. Weil Dortmund in Mainz gewann, beträgt der Rückstand auf die Tabellenspitze nun neun Punkte. "Ich bin alles andere als glücklich. Wir haben in der Abwehr zu viele Fehler gemacht. So darf man in der Bundesliga nicht verteidigen", sagte Kovac nach dem Spiel.

Eigentlich sollte ab der 20. Minute an diesem Nieselregen-Tag von München die Welt für den FC Bayern wieder ein bisschen normaler werden. Jérôme Boateng, der schwere Wochen hinter sich hat, spielte einen langen Ball auf Thomas Müller, der schwere Wochen hinter sich hat. Müller nahm diesen Ball mit der Fußspitze auf Stirnhöhe an und mit einer dieser Müller-Bewegungen, bei denen man sich nie ganz sicher ist, ob es nun Absicht oder Zufall ist, spitzelte er die Kugel an Fortuna-Torwart Michael Rensing zum 2:0 vorbei. Sogar die Sonne kam da kurz raus.

Doch in das Spiel der Kovac-Bayern mischten sich da schon unerklärliche Aktionen wie beim ersten Gegentor, Minuten vor der Pause. Nach einem langen Ball hinter die Abwehr versuchte Jean Zimmer erst, die Kugel mit der Hacke mitzunehmen - das misslang ihm. Also drehte er sich mit dem Rücken zum Tor und fallrückzieherte den Ball gegen den herbeigeeilten Jérôme Boateng. Die Kugel sprang zurück und auf dem Boden und liegend stocherte Zimmer den Ball zu Lukebakio. Der schoss zum Anschlusstreffer ein. Beide Innenverteidiger - Boateng und Niklas Süle - wirkten in dieser Situation so, als wären sie mit dem Kopf schon in der Kabine.

Und auch beim zweiten Gegentor in der 77. Minute: Ein Steilpass auf Lukebakio reichte aus, um das komplette Defensiv-System auszuhebeln und weil Manuel Neuer die kurze Ecke aufmachte, stand es plötzlich 2:3. Der Schiedsrichter-Assistent hob zunächst die Fahne, doch nach einer schnellen Intervention des Videoschiedsrichters, zählte das Tor.

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel sagte vor dem Spiel, dass man gegen den FC Bayern schnell sein müsse und Düsseldorf brauchte keine Minute, um den ersten Konter zu fahren. Ribéry verlor den Ball, Martinez den ersten Zweikampf und schon ging es wieder schnell gegen den FC Bayern. Dann kam der Ex-Bayern-Leihspieler Takashi Usami frei zum Abschluss und zack, hatte die Fortuna nach zwei Minuten zwei halbwegs stramme Torschüsse auf das Tor von Manuel Neuer in der Statistik.

In den ersten 15 Minuten sah es dann aber wieder so aus, wie es beim FC Bayern oft in jüngerer Vergangenheit aussah: Düsseldorf stand solide und ohne große Raffinesse mit zwei Verteidigungsketten tief - und der FC Bayern hatte damit so seine Probleme. Entweder schlug Boateng den Ball lang oder jemand spielte den Ball auf den Flügel, von dort kam eine Flanke, die wurde abgewehrt. Der schnelle Serge Gnabry fehlte mit einer Adduktorenverletzung.

Es brauchte dann eine Standardsituation. Nach einem Eckball von Renato Sanches wehrte Lukebakio den Ball unklug in die Füße von Süle ab - der drehte sich mit der fließenden Bewegung eines Tänzers um sich selbst und schloss extrem reaktionsschnell zum 1:0 in der 17. Minute ab. Ein Stürmer-Tor eines Verteidigers.

Nach der Pause hatte der FC Bayern oft den Ball, aber auch wieder die bekannten Probleme mit der wirklich nicht sehr ausgefeilten Fortuna-Verteidigung. Doch dann hatte Robert Lewandowski eine Idee. Nach einem Kimmich-Querpass blockte er Gegenspieler Robin Bormuth energisch weg, legte dem anlaufenden Thomas Müller den Ball auf, der präzise mit der Innenseite zum 3:1 ins lange Eck schob.

Aber es gehört zu den Phänomenen dieser Saison, dass selbst ein Aufsteiger in München bei einem Zwei-Tore-Rückstand das Spiel nicht aufgibt. Düsseldorf hat ja gesehen, wie einfach man im Zweifel gegen diese Bayern treffen kann. In der 65. Minute kam Oliver Fink zu einem gefährlichen Flugkopfball, der an Manuel Neuers Tor vorbeiflog. Dann fiel das 2:3 und Funkel wechselte Stürmer Rouven Hennings ein - weil er das Remis wollte. Er bekam es.

Der FC Bayern spielt am kommenden Dienstag gegen Benfica in der Champions League, danach muss das Team von Niko Kovac zum SV Werder Bremen. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob es dann weiterhin das Team von Niko Kovac sein wird.

© Sz.de/schm/tbr
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