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Bundesliga:Einen Übergang an den nächsten gereiht

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga; Kovac Favre

Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac und BVB-Coach Lucien Favre bei einem Spiel im November 2018.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Bayern und der BVB suchen seit Jahren einen passenden Trainer - und haben damit Zeit verschenkt. Beide Spitzenklubs können von Leipzig lernen.

Kommentar von Christof Kneer

Michael Skibbe war erst 32, als er Übergangstrainer bei Borussia Dortmund wurde. Niemand nannte das damals so, Skibbe - zuvor Trainer der Amateure - wurde im Sommer 1998 einfach zu den Profis durchbefördert. Allerdings ist keiner davon ausgegangen, dass hier eine Ära anbricht, Skibbe übernahm in der Not den Posten von Nevio Scala. Immerhin anderthalb Jahre hat es Skibbe ausgehalten, bevor er von Bernd Krauss abgelöst wurde, der nach nur elf Spielen wiederum von Udo Lattek und Matthias Sammer abgelöst wurde. Für Lattek war es der letzte Trainerjob seiner Karriere, für Sammer der erste.

Über 20 Jahre später stehen Skibbe und Sammer wieder in Diensten des BVB, Skibbe als U 19-Coach, Sammer in seiner Eigenschaft als Sammer. Beide spielen aber keine Rolle in den Überlegungen, obwohl die Dortmunder den Markt jetzt wieder nach Übergangstrainern absuchen. Wer könnte den Laden seriös übernehmen, falls man zu dem Schluss käme, Lucien Favre den Laden wegzunehmen?

Dieselbe harte Wahrheit für die beiden besten Teams der vergangenen Jahre

Der Übergangs- oder Interimstrainer hat oft keinen besonders guten Ruf gehabt in der Bundesliga, meist war er nur der Typ, der den Sessel für einen anderen anwärmte. Nur die Bayern haben immer wieder versiert mit diesem Modell hantiert, was in ihrem Fall aber keine große Kunst war: Ihre Übergangstrainer waren die Meistertrainer Hitzfeld und Heynckes, die gern zu Hilfe eilten, wenn es mit Magath, Klinsmann, van Gaal oder Ancelotti nicht mehr ging. Vermutlich deshalb ist den Bayern der Wert eines fähigen Übergangstrainers sehr bewusst, und auch wenn das keiner bestätigen wird, so haben die Münchner bei der Anwerbung von Hansi Flick gewiss auch dieses Szenario im Hinterkopf gehabt: dass sie sich da einen unaufgeregten Assistenten ins Haus holen, der seriös übernehmen könnte, falls man zu dem Schluss käme, Niko Kovac den Laden wegzunehmen.

Ja, die Bayern haben zuletzt die besseren Übergangstrainer gehabt als der BVB, aber nein: Das ist kein Grund, um stolz zu sein. So ein Interimscoach ist ja immer nur der Übergangsmantel unter den Trainern; um wirklich für jede Wetterlage gewappnet zu sein, braucht man was Festeres und Dauerhafteres. Und so müssen sich die beiden besten Teams der vergangenen Jahre dieselbe harte Wahrheit gefallen lassen: Beide, Bayern wie der BVB, haben einen Übergang an den nächsten gereiht, beiden haben den angemessen hochkarätigen Nachfolger für Guardiola (Bayern) bzw. Klopp/Tuchel (BVB) bis heute nicht gefunden - und damit Zeit verschenkt. Ja, die Bayern haben Titel gewonnen seitdem, ja, auch der BVB war erfolgreich - aber weiterentwickelt im stilistischen Sinne haben sich beide nicht. Ancelotti und Kovac haben München nichts hinterlassen, und in Dortmund haben sich Bosz, Stöger und Favre in ihren Ansätzen sogar markant widersprochen.

Wie ein perfekter Übergang funktioniert, können die Traditionsklubs nun in Leipzig lernen: Dort haben sie mutig schon ein Jahr im voraus die Verpflichtung von Julian Nagelsmann verkündet und bis zu dessen Ankunft den Mastermind Ralf Rangnick coachen lassen. Unter Nagelsmann schießt Leipzig jetzt vier bis acht Tore pro Spiel und, ein hübscher Nebeneffekt: Für Dortmund und Bayern fällt Nagelsmann als Kandidat aus.

© SZ vom 25.11.2019/chge

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