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Satou Sabally in der WNBA:Lernen nach dem Monsterspiel

Dallas Wings - Las Vegas Aces

Da mehr Präsenz, dort mehr Intensität: Die Basketballerin Satou Sabally (links) lernt in der amerikanischen Profiliga WNBA gerade, sich auch gegen größere und stärkere Gegnerinnen durchzusetzen.

(Foto: dpa)

Selbst eine hochtalentierte Basketballerin wie Satou Sabally macht in ihrer ersten Profisaison ein paar leidvolle Erfahrungen. Die Deutsche zeichnen aber besondere Fähigkeiten aus.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Gerade mal viereinhalb Minuten waren gespielt zwischen den Dallas Wings und Connecticut Sun, da stand die deutsche Flügelspielerin Satou Sabally in der Mitte des Spielfeldes mit diesem Blick, den Profi-Neulinge in so vielen Disziplinen während der ersten Partien zeigen: einer Mischung aus Resignation und Ungläubigkeit darüber, was da gerade passiert - verbunden mit der Ahnung, was noch passieren könnte. 0:11 lagen die Wings zurück, und Sabally hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon einen Fehlwurf, einen Ballverlust, ein Foul und einen Fehlpass geleistet.

Es wurde nicht besser, Dallas verlor 68:91 gegen eine Mannschaft, die zuvor die ersten fünf Saisonspiele verloren hatte. Sabally schaffte gerade mal sechs Punkte und einen Rebound, leistete sich indes vier Ballverluste. Es war eine dieser Partien, die Jung-Profis als Treppenhaus kennen: Muss man halt durch, wenn man nach oben will. Michael Schumacher schied bei seinem Formel-1-Debüt in der ersten Runde aus, Steffi Graf verlor bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier die erste Partie, Dirk Nowitzki warf während seiner ersten NBA-Partie jeden Versuch vorbei.

Die Profiliga WNBA hat ihre Saison wie das Männer-Pendant NBA in eine abgeschottete Blase im Bundesstaat Florida verlegt, in die Jugend-Akademie der Sport-Agentur IMG, und Sabally hat in den ersten zwei Wochen ihrer Profikarriere schon einige Treppenhäuser durchschritten: Nach zwei ordentlichen Partien schaffte sie gegen Indiana 23 Punkte und 17 Rebounds, Dallas-Trainer Brian Agler sprach von einem "Monsterspiel". Danach leistete sie sich beim 79:82 gegen Chicago acht Sekunden vor Schluss bei einem Ein-Punkt-Rückstand einen leichten Ballverlust, am Donnerstag dann gab es die heftige Niederlage gegen Connecticut.

Junge Spielerinnen müssen da durch, es ist jedoch erstaunlich, wie gelassen Sabally auf all das reagiert; selbst über ihren Rekord im "Monsterspiel" - noch kein Liga-Neuling der Wings hat jemals mehr als 20 Punkte und mehr als 15 Rebounds in einem Spiel geschafft - sagte sie lapidar: "So was passiert manchmal, man steht einfach immer am richtigen Ort."

Sabally ist 22 Jahre alt, nach einer grandiosen Saison an der University of Oregon wurde sie bei der Talentbörse im April von den Wings als zweite Spielerin ihres Jahrgangs gewählt - so früh wie keine deutsche Spielerin davor. Die Tochter eines Gambiers und einer Deutschen kam in New York zur Welt, zog jedoch mit drei Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Schon vor ihrem Profi-Debüt wurde sie in den Rat von "The Justice Movement" aufgenommen, einer Vereinigung von WNBA-Profis, die sich gegen gesellschaftliche Missstände wie Rassismus, Homophobie und Wahlbetrug einsetzt.

"Ich will mehr sein als nur eine Basketballspielerin", sagte sie im Mai zur SZ - in der sogenannten "Wubble" (ein Wortspiel aus "Women", Frauen, und "Bubble", Blase) geht es ja auch um politische Themen. Die Spielerinnen trugen den Namen von Breonna Taylor auf ihren Trikots, die Afroamerikanerin war im März von Polizisten erschossen worden, die das falsche Haus durchsucht hatten. Es geht aber natürlich auch um Sport. Sabally soll als Liga-Neuling das junge Wings-Team prägen und auch das Gesicht des deutschen Frauen-Basketballs werden, der über so viele talentierte Spielerinnen verfügt wie noch nie und sich zum ersten Mal nach 1998 wieder für eine Weltmeisterschaft qualifizieren soll, 2022 in Australien.

Marie Gülich, 26, schaffte bei ihrem Saisondebüt für die Los Angeles Sparks sechs Punkte und drei Rebounds. Die im April von den Sparks verpflichtete Leonie Fiebich, 20, spielt noch eine Saison für den elfmaligen deutschen Meister TSV 1880 Wasserburg und will danach in die USA wechseln. Gleiches hat Luisa Geiselsöder vor, die 20-Jährige ist ebenfalls von Dallas gewählt worden und läuft derzeit für den französischen Spitzenklub Landerneau Bretagne auf.

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