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Satou Sabally in der WNBA:Ein Debüt, das an Dirk Nowitzki erinnert

Dallas Wings forward Satou Sabally

Satou Sabally hat ihre erste WNBA-Partie absolviert.

(Foto: Phelan M. Ebenhack/AP)

Die deutsche Basketballerin Satou Sabally verliert zwar ihr erstes Spiel in der US-Profiliga - sie zeigt aber, dass sie sportlich und auch gesellschaftlich ein Gewinn für Amerika ist.

Von Jonas Beckenkamp

Es kommt gar nicht so selten vor, dass eine große Profi-Karriere ganz kleinlaut mit einer Niederlage beginnt. Dirk Nowitzki zum Beispiel traf in seinem allersten NBA-Spiel im Winter 1999 keinen einzigen seiner fünf Würfe, seine Dallas Mavericks verloren gegen Detlef Schrempfs Seattle Supersonics und so richtig dachte damals noch keiner an jene Großtaten, die dem dürren Deutschen aus Würzburg noch bevorstanden. Es sollte Satou Sabally also trösten, dass auch ihr Debüt in der WNBA in der vergangenen Nacht bald vergessen sein wird.

Zumal sie ja durchaus ein paar Versuche traf bei der 95:105-Niederlage ihrer Dallas Wings gegen Atlanta Dream - und ausreichend Spielzeit bekam sie auch. Es war ein passabler Auftakt und ein Signal für all jene, die Sabally bisher mehr als Aktivistin wahrgenommen hatten: In erster Linie ist die 22-jährige aus Berlin natürlich Basketballprofi, ihr Weg in der besten Liga der Welt beginnt ja gerade erst. Wie damals Nowitzki stand auch sie in der Startaufstellung, doch ihre Bilanz war deutlich besser: In etwas mehr als 27 Minuten kam sie auf elf Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists.

Wenig überraschend verbuchten die Statistiker für sie als "Rookie" aber auch sechs Fouls, weshalb die Flügelspielerin das Ende der Partie von der Bank aus anschauen musste. Viele Fouls beim Verteidigen sind im Basketball häufig ein Zeichen von Unerfahrenheit, das erkannte auch Saballys Coach Brian Agler. "Ich denke Satou war zu Beginn etwas passiv, was nicht ungewöhnlich ist für Rookies." Nach anfänglichem Hereinschnuppern in die seltsame Umgebung der coronabedingt leeren Halle in Bradenton wurde sie aber immer besser.

"In der zweiten Halbzeit hat sie ihre Intensität etwas erhöht und herausgefunden, wie sie sich bewegen muss um zu punkten. Sie muss - wir alle müssen - an ihrer Defensive arbeiten", so ihr Trainer. Trotz ihrer 1,89 Meter Länge ließ sie sich hier und da noch etwas herumschubsen in der Defensive. Die Welt der Profis ist eben eine völlig andere als das, was sie bisher am College in Oregon und zuvor in Deutschland erlebte. Aber Sabally ist eine Frau mit klaren Vorstellungen, sie hatte bereits im Vorfeld eine gesunde Selbsteinschätzung abgegeben. "Mental muss ich mich nicht umgewöhnen. Ich bin eine Gewinnerin und will gewinnen", erklärte sie.

Sabally hat Rassismus erlebt, es ist ihr ein Anliegen, ihn aktiv zu bekämpfen

Sabally, Tochter eines gambischen Vaters und einer deutschen Mutter kam in New York City zur Welt, zog jedoch mit drei Jahren mit ihren Eltern nach Berlin, ihre Heimatstadt. Auch ihre persönliche Geschichte dürfte sie also gestärkt haben - wer sie reden hört, erlebt eine Frau, die erwachsener klingt als 22 Jahre. In der Talenteziehung des Draft wurde sie an zweiter Stelle ausgewählt, so früh wie noch nie eine deutsche Sportlerin in den USA.

Trotzdem weiß sie, dass sie vor allem physisch zulegen muss, um sich gegen die langen, kräftigen und geschickten Basketballerinnen aus der WNBA zu behaupten. "Körperlichkeit ist der Schlüssel. Es ist ein großer Unterschied zu Spielen im College. Daran muss ich mich gewöhnen und dazulernen." Lernen könnten aber auch andere Sportler und Sportlerinnen von ihr - und zwar abseits des Parketts. Sabally gilt als politisch engagiert, sie erklärte sich in diesem Sommer mehrfach solidarisch mit den verschiedenen Protestformen in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Ihr Wort wird mittlerweile gehört - egal ob auf dem offiziellen NBA-Kanal, wo sie in den vergangenen Tagen beim ehemaligen NBA-Spieler Caron Butler zum Video-Interview saß oder im ZDF-"Sportstudio". "Ich will mehr sein als nur eine Basketballspielerin. Ich will als Aktivistin gesehen werden, die sich für Leute einsetzt, die das nicht selbst tun können", sagte sie im Mai im SZ-Interview. Rassismus hat sie selbst erlebt, weshalb es ihr nun ein Anliegen ist, ihn aktiv zu bekämpfen, etwa durch ihre Nähe zur Initiative "More than an Athlete" von NBA-Kollege LeBron James.

Ihr erstes WNBA-Spiel nutzte sie deshalb im Verbund mit allen anderen beteiligten Akteurinnen, um eine Botschaft zu senden. Während beim Auftaktspiel am Samstag noch alle Spielerinnen der New York Liberty und Seattle Storm vor dem Abspielen der Nationalhymne das Feld verließen, trug Sabally neben ihrer Rückennummer (0) und dem eigenen Nachnamen auch den Namen Breonna Taylor auf dem Trikot. Damit erinnerten die Spielerinnen an eine Afroamerikanerin, die bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam. Auf dem Spielfeld stand wie in der NBA der Slogan "Black Lives Matter". Es sind aufgeladene Zeiten in den USA - aber vielleicht hat in dieser Nacht auch eine große Sportlerinnenkarriere begonnen.

© SZ.de/ebc/jki
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