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Basketball:Mit den letzten Tropfen aus dem Tank

Luke Sikma 43 (Alba Berlin), Leon Radosevic 43 (FC Bayern), JaJuan Johnson 25 (FC Bayern), FC Bayern Basketball vs. Alba

Auch mit vereinten Kräften nicht zu stoppen: Berlins Luke Sikma ist von Leon Radosevic (43) und JaJuan Johnson (25) nicht aufzuhalten.

(Foto: Ulrich Gamel/Kolbert-Press/Imago)

Alba Berlin holt sich nach einer emotionalen Finalserie den zehnten Meistertitel. Beim unterlegenen FC Bayern macht sich der Kräfteverschleiß bemerkbar - und die Sorge um den notoperierten Kollegen Paul Zipser.

Von Joachim Mölter, München

Es gibt sieben Weltwunder und sieben Weltmeere, sieben Himmel und sieben Sakramente, sieben Tage hat die Woche, aber der FC Bayern München hat nur sechs Serien gegen Alba Berlin gewonnen in den Playoffs der Basketball-Bundesliga (BBL). Die siebte K.-o.-Runde seit der Rückkehr der Münchner in die höchste deutsche Klasse vor zehn Jahren ging an die Berliner - und damit auch der diesjährige Meistertitel. Nachdem die Best-of-five-Serie mit einem 1:1-Unentschieden von Berlin nach München gezogen war, hatten die Berliner am Samstag erst 81:69 (37:37) gewonnen und am Sonntag mit einem 86:79 (38:30)-Erfolg ihren insgesamt zehnten Titelgewinn perfekt gemacht.

Damit ging eine denkwürdige Saison im Zeichen der Corona-Pandemie zu Ende, mit Team-Quarantänen (auch bei Alba), verlegten Spielen, einer mehrmals verschobenen Pokal-Endrunde (die schließlich die Münchner in eigener Halle 85:79 gegen Berlin gewannen). Auch das Finale war "eine Serie, in der es nicht nur um Basketball geht", wie Alba-Geschäftsführer Marco Baldi resümierte: "Es gibt tausend Geschichten, die ums Spiel herum und während des Spiels passieren. Da ruhig zu bleiben und sein Spiel zu spielen, ist sehr schwierig."

Die FC-Bayern-Profis hatte zuletzt vor allem beunruhigt, dass ihr Teamkollege Paul Zipser wegen einer Gehirnblutung notoperiert werden musste - am vorigen Mittwoch, dem Tag, an dem in Berlin der Kampf um die Meisterschaft begann. "Es ist unglaublich, wie wir mit dieser Situation umgegangen sind", fand Trainer Andrea Trinchieri. Nach außen merkte man der Mannschaft nichts an, erst am Sonntag drang die Nachricht an die Öffentlichkeit. Es lag vermutlich auch an diesem Ereignis, dass der Italiener den entgangenen Titel "nicht als überwältigende Enttäuschung" einordnete, sondern eher als "rationale Traurigkeit". Trinchieris Fazit: "Nichts ist jetzt wichtiger als dass Pauli gesund wird."

Für die Münchner war es am Sonntag das 90. Pflichtspiel in dieser Saison

Zipsers Notfall hat sicherlich an den ohnehin strapazierten Kräften und Nerven gezehrt. Während die Partie am Sonntag das 83. Pflichtspiel in dieser Saison für die Berliner gewesen ist, war es für die Münchner sogar das 90. - beide Teams waren außer in der BBL auch in der Euroleague unterwegs gewesen. FC-Bayern-Kapitän Nihad Djedovic sprach bereits am Samstag davon, "keine Energie mehr im Tank" zu haben, und es klang beinahe fatalistisch, als er hinzufügte: "Wenn Alba Meister wird, dann wird Alba Meister. Wir hatten eine harte Saison."

Die hatte jede Menge angeschlagene Profis hervorgebracht, auf beiden Seiten: Beim Titelverteidiger aus Berlin waren Luke Sikma und Johannes Thiemann erst fürs Finale wieder fit geworden, Jonas Mattisseck (Schulter) und Louis Olinde (Oberschenkelverletzung) fielen hingegen aus. Und beim Pokalsieger aus München war vor der Serie zwar Djedovic zurückgekehrt und am Samstag dann auch der am Sprunggelenk verletzte Leon Radosevic, dafür fehlte neben Zipser weiterhin auch Nick Weiler-Babb (Fuß).

Den Ausschlag gab am Ende der tiefere Kader der Berliner und ihre größere Variabilität. Mit Albas 2,21-Meter-Center Christ Koumadje kamen die Münchner am Wochenende nicht zurecht, er veränderte mit seiner Größe und seiner Armspannweite das ganze Angriffsspiel des FC Bayern. Und während bei den Berlinern fast alle Spieler im Kader auch eingesetzt wurden, schauten bei den Münchnern einige nur zu. Ein Symbol für den unterschiedlichen Ansatz der beiden führenden deutschen Basketball-Klubs.

Der Kader des FC Bayern ist ja für die Euroleague zusammengestellt worden, den höchsten europäischen Wettbewerb. In dieser Saison, in der die Münchner darauf hoffen, eine dauerhafte Teilnahmeberechtigung zu bekommen, wollten sie das auch sportlich rechtfertigen. Das gelang mit dem Einzug ins Playoff-Viertelfinale, das knapp 2:3 gegen Olimpia Mailand verloren ging. Dafür leisteten sich die Münchner neun Ausländer im Kader, weil es in der Euroleague keine Beschränkung gibt im Gegensatz zur BBL: Dort sind höchstens sechs erlaubt, der Rest des Zwölfer-Kaders muss mit einheimischen Spielern besetzt werden, also solchen, die entweder einen deutschen Pass besitzen oder zumindest schon seit Jugendtagen hier spielen.

Während die Münchner Talente nur zuschauen, tragen die Berliner wesentlich zum Erfolg bei

Das war in dieser Finalserie der Vorteil der Berliner, die unter ihrem Trainer Aito Garcia Reneses die Talente aus dem eigenen Nachwuchs konsequent ins Profiteam integrieren. Im Laufe des Jahres "verlierst Du da vielleicht ein paar Spiele", erklärte Alba-Manager Baldi, aber dafür haben sie nun am Ende der Saison Spieler, denen sie vertrauen und die sie bedenkenlos einsetzen können. "Geschlossenheit" machte Baldi als Hauptkriterium für den Erfolg seiner Mannschaft aus.

Während beim FC Bayern David Krämer, 24, Jason George, 20, und Sasha Grant, 19, bloß auf der Bank saßen, trugen Tim Schneider, 23, und Malte Delow, 20, wesentlich zum Berliner Erfolg bei. "Tims Dreier am Ende des dritten Viertels war riesig für uns", fand jedenfalls Albas Führungsspieler Luke Sikma am Samstag. Mit Ablauf der Spielzeit hatte Schneider da den Ball zum 59:56 versenkt, ein sogenannter Buzzerbeater - diese Führung gaben die Berliner nicht mehr ab. Auch am Sonntag lagen sie nie mehr zurück. Und abgesehen davon, dass er den Münchner Spielmachern mit seiner bissigen Verteidigung das Leben schwer gemacht hatte, hatte Delow später den entscheidenden 9:0-Lauf seiner Mannschaft mit einem feinen Hakenwurf zum 75:64 (37.) gekrönt. "Es war eine große Teamleistung", lobte Berlins Spielermacher Maodo Lo.

Aber das Markenzeichen der Münchner in dieser Saison ist es, nicht aufzugeben; sie sind schon so oft nach scheinbar uneinholbaren Rückständen wieder zurückgekommen. "Wir haben eine Mannschaft, die nicht verlieren will", sagte Trainer Trinchieri. Und so stemmten sie sich auch am Sonntag gegen die Niederlage und das drohende Ende der Serie. Angeführt von Wade Baldwin (18 Punkte), Radosevic (16) und dem vergleichsweise frischen JaJuan Johnson (15) machten sie einen 16-Punkte-Rückstand (13:29/14. Minute) in der letzten Minute bis auf einen Zähler wett (79:80), brachten sich dann aber mit einer Reihe von Undiszipliniertheiten um ihre letzte Chance. Vor allem die Berliner Jayson Granger (29 Punkte) und Markus Eriksson (15) hielten die Münchner immer so weit auf Distanz, dass Alba die siebte Serie nicht auch noch verlor.

© SZ/lein
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