Deutsche Basketballer vor der EM:Leid und Hoffnung bei den Wagners

Lesezeit: 2 min

Olympia 2021: Basketballer Moritz Wagner gegen Luka Doncic

Vor einem Jahr traf Moritz Wagner (links) noch bei Olympia auf Luka Doncic - jetzt verpasst er das erneute Treffen mit dem slowenischen NBA-Könner bei der EM.

(Foto: Aris Messinis/AFP)

Dass mit Moritz Wagner ein weiterer deutscher NBA-Profi für die Europameisterschaft ausfällt, ist eine verheerende Nachricht fürs Nationalteam - immerhin glänzt sein Bruder Franz bei seinem Länderspiel-Debüt.

Von Jonas Beckenkamp

Als der Deutsche Basketballbund (DBB) am Mittwoch eine Mitteilung zu Nationalspieler Moritz Wagner verschickte, die es in sich hatte, musste man ein wenig suchen. Was genau der Grund für seinen Ausfall bei der anstehenden EM ist, stand versteckt in einem Statement des NBA-Profis von den Orlando Magic. "Dass jetzt der Knöchel nicht mitspielt, ist erstmal schwierig zu akzeptieren, aber gehört dazu", wird der 25-Jährige zitiert, er sei untröstlich, doch nun müsse er "den Jungs eben beim Spielen zuzuschauen und supporten".

Für den deutschen Basketball ist das eine verheerende Nachricht, denn Wagner war fest eingeplant. Als Emotionsbündel mit USA-Erfahrung, als langer Kerl mit ansteckendem Ehrgeiz und Korbgefahr, als vierte übriggebliebene NBA-Größe neben Dennis Schröder, Daniel Theis und seinem Bruder Franz. Sie hätten ihn gebraucht, doch jetzt stoppt ihn eine Knöchelverletzung mitten in der Vorbereitung. Ob er bereits lädiert ins Trainingscamp nach Köln angereist war oder erst dort umknickte, war zunächst nicht zu erfahren.

"Ich sag, wie's ist. Der tut weh", erklärte der 2,11-Meter-Mann, seit Jahren habe er sich auf dieses Turnier gefreut: "in Deutschland zu spielen, in Köln und meiner Stadt Berlin, mit meinem Bruder, bei einer Heim-Europameisterschaft". Nun ist jener Bruder der einzige Wagner beim DBB in diesem Spätsommer. Immerhin, denn wer Franz Wagner, 20, im ersten Test des DBB bei seinem Länderspieldebüt in Belgien herumwirbeln sah, erlebte einen Basketballer mit viel Potenzial.

Basketballer Franz Wagner zeigt im Test gegen Belgien seine Fähigkeiten

Mit 23 Punkten und fünf Rebounds war Wagner Junior direkt der beste Deutsche beim umkämpften 87:83 (46:50) in Hasselt. Er unterstrich mit seinem Auftritt, dass er dem Team von Bundestrainer Gordon Herbert eine neue Dimension verleiht: Als großgewachsener Ballkünstler, der mit der Kugel in der Hand im Dribbling oder durch geschickte Laufwege zum Korb immer gefährlich ist. Der nebenbei den Dreierwurf im Repertoire hat und mit seiner Spielintelligenz die Auswahl belebt.

Deutsche Basketballer vor der EM: "Ich habe einfach versucht, der Mannschaft zu helfen": Franz Wagner war nervös bei seinem Länderspieldebüt - und überzeugte gegen Belgien.

"Ich habe einfach versucht, der Mannschaft zu helfen": Franz Wagner war nervös bei seinem Länderspieldebüt - und überzeugte gegen Belgien.

(Foto: Jill Delsaux/dpa)

"Er hat das richtig gut gemacht", sagte Herbert über die Vorstellung Wagners, der in seiner ersten NBA-Saison fast Rookie des Jahres geworden wäre. "Er hat gezeigt, welche Qualität in ihm steckt." Herbert gewährte seinem Jüngsten die zweitmeisten Spielminuten. Es war nicht ganz klar, wie Wagner nach seiner Zeit in den USA (am College und bei den Orlando Magic) mit dem europäischen Basketball zurechtkommen würde: mit mehr Teambasketball, weniger Eins-gegen-eins-Situationen, anderen Bälle, kürzerer Spielzeit. Doch der Berliner zeigte gegen die Belgier, die eine kaum eingespielte deutsche Auswahl mächtig ärgerten, fast all sein Können.

"Es war gut, mal ein Gefühl zu kriegen. Mal mit den Jungs richtig zu spielen", sagte der 2,08 Meter große Flügelspieler: "Es ist eine Ehre, für Deutschland zu spielen, und deshalb war ich am Anfang auch ein bisschen nervös." Moritz Wagner schaute derweil mit Stützschuh von der Tribüne zu. Sein Ausfall muss nun kompensiert werden. "Das ist ein harter Schlag für uns und vor allem für Moritz selbst", sagte Bundestrainer Herbert. Sein Bruder werde natürlich fehlen, meinte Franz Wagner, "er ist jemand, der sehr viel Energie bringt und so ein Team sehr gut zusammenbringen kann."

Möglich ist, dass im aktuellen 17-Mann-Kader nun die Chancen des Bambergers Chris Sengfelder auf die EM gestiegen sind. Nicht nur weil er gegen Belgien einen guten Eindruck machte, sondern auch, weil er als Spielertyp Moritz Wagner ähnelt. Am Freitag folgt nun noch ein Test in den Niederlanden, danach geht es zum Supercup nach Hamburg. "Wir sind noch nicht bei 100 Prozent, das ist klar", sagte Dennis Schröder, der gegen Belgien 21 Punkte beisteuerte. Aber zumindest einer der Wagners ist nah dran.

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