Playoff gegen Peru:Australien dank "Hampelmann"-Torwart bei WM dabei

Lesezeit: 2 min

Playoff gegen Peru: Andrew Redmayne irritierte die Peruaner so sehr, dass sie nicht mehr trafen.

Andrew Redmayne irritierte die Peruaner so sehr, dass sie nicht mehr trafen.

(Foto: Karim Jafaar/AFP)

In einem Elfmeter-Krimi sichern sich die Socceroos das vorletzte Ticket für Katar. Gegen Peru ist am Ende ein Schlussmann der Garant - mit fragwürdigen Methoden.

Australiens neuer Fußball-Held telefonierte per Video erstmal mit Mama und Papa. Lange nach dem Rest der freudetrunkenen Mannschaft um zwei Deutschland-Legionäre kam Andrew Redmayne, 33 Jahre alt und ein 1,94-Meter-Hühne mit markantem Vollbart, aus der Kabine. Redmayne ist Ersatzkeeper bei den Socceroos - und seit Montagabend kurz vor Mitternacht Ortszeit in Katar und damit zur Frühstückszeit in der Heimat der wohl berühmteste Elfmeter-Zappler seines Landes.

Nein, fassen könne er es noch nicht, sagte Redmayne. "Das ist ziemlich surreal." In der 120. Minute wurde der Torwart des FC Sydney eingewechselt für Kapitän Mathew Ryan, der fast 70 Mal für Australien spielte. "Es hat sich ausgezahlt in der besten nur vorstellbaren Art und Weise", kommentierte die australische Zeitung The Age.

Es war erst sein zweiter Einsatz für die Socceroos in einem Pflichtspiel, gegen Nepal hatte er im Juni 2021 mal rangedurft. Der Kurzeinsatz reichte, um Redmayne berühmt zu machen. Auch, wenn er davon nichts wissen wollte: "Ich würde mich nicht als Held bezeichnen. Ich habe nur einen kleinen Teil dazu beigetragen." Sein Beitrag wird aber so schnell nicht vergessen werden. Denn es war vor allem die Art und Weise, wie Redmayne die Schützen Perus beim 5:4 im Elfmeterschießen im Ahmad Bin Ali Stadion im WM-Gastgeberland Katar durcheinanderbrachte.

Playoff gegen Peru: Die Peruaner waren fassungslos, sie scheiterten im Elfmeterschießen auf bitterste Art und Weise.

Die Peruaner waren fassungslos, sie scheiterten im Elfmeterschießen auf bitterste Art und Weise.

(Foto: Karim Jafaar/AFP)

Er rannte die Torlinie entlang, wirbelte mit den Armen wie ein Hampelmann, legte sogar Drehungen hin. Es wirkte schon ein bisschen skurril. "Es bringt den Spieler aus dem Konzept. Du verlierst die Konzentration", sagte Ajdin Hrustić von Eintracht Frankfurt. Zwei Fehlschüsse provozierte Redmayne. Einer ging an den Pfosten, den entscheidenden letzten Versuch wehrte er selbst ab. "Er hat eine spezielle Geschichte für sich und für uns geschrieben", sagte Auswahlkollege Jackson Irvine, von der personellen Finte durch Trainer Graham Arnold war er selbst überrascht. "Fußball ist manchmal auch Psychologie", betonte der Profi vom Zweitligisten FC St. Pauli.

"Ich habe ihm vorher gesagt, du wirst der große Mann sein, wir brauchen dich", erzählte Hrustić, der nach dem sensationellen Gewinn der Europa League mit der Eintracht nun selbst die nächste Emotionsexplosion erlebte. "Nicht viele haben an uns geglaubt. Aber Underdogs kämpfen, die kämpfen, die kämpfen. Bis zur letzten Sekunde. Genau das haben wir gemacht", sagte er. "Wovon ich als Kind geträumt habe, das habe ich nun erreicht, ich will aber mehr. Zur WM zu kommen, ist toll, wir wollen nun aber auch den nächsten Schritt machen und zeigen, wie gut wir wirklich sind."

Spielen werden die Australier bei ihrer insgesamt sechsten WM-Teilnahme und der fünften nacheinander in der Gruppe D mit Frankreich, Dänemark und Tunesien. Bei zweien werden Erinnerungen an die WM vor vier Jahren wach. Der spätere Weltmeister Frankreich startete mit einem 2:1-Sieg gegen Australien in das Turnier, gegen Dänemark gab es ein 1:1, letztlich scheiterten die Australier in der Gruppenphase. Ihr bestes Abschneiden bei einer WM war das Erreichen der Runde der besten 16, 2006 in Deutschland war das. Nun wollen sie mehr. Allein schon, damit der neue Elfmeter-Held Redmayne eine Chance zum Zappeln in der K.o.-Runde bekommt.

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