Pierre-Emerick Aubameyang Verrückter, großer Junge

Pierre-Emerick Aubameyang traf im Europa-League-Halbfinale gleich drei Mal.

(Foto: Getty Images)

Pierre-Emerick Aubameyang brachte mit seiner Extravaganz Dortmund gegen sich auf. Den FC Arsenal führt er nun ins Europa-League-Finale - er ist dort angekommen, wo er hingehört.

Von Sebastian Fischer

Es sah ähnlich aus wie vor ein paar Jahren in der Bundesliga, nur war die Bühne eine andere, eine größere. Er traf und jubelte mit einem kleinen Theaterstück an der Eckfahne, er traf und schlug einen Salto, er traf noch mal. Dann hatte Pierre-Emerick Aubameyang den entscheidenden Beitrag geleistet zum 4:2 des FC Arsenal über den FC Valencia im Halbfinale der Europa League. Es war der nächste Beleg dafür, dass der Stürmer inzwischen wohl dort angekommen ist, wo er hingehört.

Es ist nun bald eineinhalb Jahre her, dass Aubameyang Borussia Dortmund für mehr als 60 Millionen Euro nach London verließ und sein Ruf bedenklich litt. Er hatte seinen Wechsel erzwungen, hieß es, indem er Teamsitzungen schwänzte und Trainingsübungen verweigerte. Als der Transfer perfekt war, schrieb er in den sozialen Medien: "Sorry für alles, was im letzten Monat geschehen ist. Aber ich wollte schon letzten Sommer wechseln." Vielleicht sei sein Verhalten nicht der beste Weg gewesen, aber: "Jeder weiß, dass Auba verrückt ist - und ja, ich bin ein verrückter Junge, hahahaha!" Über diesen Jungen sagte am Donnerstag der frühere Arsenal-Verteidiger und TV-Experte Martin Keown, er komme Thierry Henry nahe - dem wohl wichtigsten Stürmer der Klubgeschichte, der 2006 noch dabei war, als der FC Arsenal zuletzt ein Europapokal-Endspiel erreichte, das Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona. Keown sagte: "Aus ihm ist heute Abend ein Topspieler geworden."

Europa League Die Fans trösten den Fehlschützen
Frankfurt in der Europa League

Die Fans trösten den Fehlschützen

Erst im Elfmeterschießen scheitert die Eintracht am FC Chelsea - und ist stolz auf das im Europapokal Erreichte. Doch in der Bundesliga könnte die Saison noch ein bitteres Ende nehmen.   Von Tobias Schächter

Schon in der ersten Halbserie nach seinem Wechsel, in der Rückrunde 2017/2018, erfüllte Aubameyang die Erwartungen. Beim BVB war er Torschützenkönig, in der Premier League traf er gleich zehnmal in 13 Spielen. Die Hinrunde der laufenden Saison beschloss er mit 13 Toren als bester Schütze Liga. Doch der Guardian beschrieb ihn als paradoxen Fußballer, der seine Zuschauer verwirre, Vorbehalte seien verständlich. Mal war er auf dem Rasen wie unsichtbar, mal schien er mit jeder Aktion genau das Richtige zu tun. Sein Stil, das Spiel mit Eleganz und Präzision auf das Nötigste zu reduzieren, sei "Minimalismus, der sowohl verheerend sein kann als auch auf amüsante Art und Weise nebensächlich".

Ein Abend fürs Amüsement

Der Abend in Valencia war einer fürs Amüsement. Für sein erstes Tor brauchte er zwei Ballkontakte, Annahme mit der Brust, Abschluss aus der Distanz mit dem Außenrist. Für sein zweites reichten ein Sprint zum kurzen Pfosten und eine Grätsche, ein Mittelstürmertor. Seinen dritten Treffer - gegen Spanier, die sich beim Stand von 2:3 nach dem 1:3 im Hinspiel aufgegeben hatten - leitete er selbst mit einem raumöffnenden Laufweg ein und traf aus spitzem Winkel. Übrigens nach einem Zuspiel von Henrikh Mkhitaryan, mit dem er schon gemeinsam für den BVB spielte. Insgesamt liefen für Arsenal am Donnerstag sieben ehemalige Bundesligaprofis auf. Doch Aubameyang ragte heraus, auch weil er diesmal ohne Ball viel lief, am Ende 53 Ballkontakte hatte, mit die meisten seiner Mannschaft.

Aubameyang wird im Juni 30, er wird wahrscheinlich für den Rest seiner Karriere ein verrückter Junge bleiben, aber er scheint an einem Punkt angekommen zu sein, an dem das Publikum über seine Extravaganz hinwegsieht. Arsenal kann sich auch dank ihm mit einem Sieg im Europa-League-Finale noch für die Champions League qualifizieren. Und er kann am letzten Spieltag noch Torschützenkönig in England werden. Drei Tore könnten reichen.

Champions League Die Ära der Premier League könnte beginnen

Englische Klubs im Europapokal

Die Ära der Premier League könnte beginnen

Liverpool, Tottenham, Chelsea, Arsenal: Vier englische Teams stehen sich in zwei Europapokal-Endspielen gegenüber. Die Klubs von der Insel machen gerade manches richtig.   Kommentar von Javier Cáceres