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Arjen Robben:Er zieht nochmal nach innen

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Hielt sich schon in den vergangenen Tagen beim FC Bayern fit: Arjen Robben.

(Foto: Sven Simon/imago)

Überraschend gibt Arjen Robben sein Comeback - Fans und Verantwortliche haben ihn von einer weiteren Saison bei seinem Jugendverein Groningen überzeugt.

Von Johannes Kirchmeier

Die Wege des Flügelstürmers Arjen Robben beim FC Bayern München waren nie sonderlich verschachtelt. Im Gegenteil: Sie waren im Grunde so vorhersehbar wie die keines anderen Mitspielers. Aber irgendwie war Robben halt doch nie aufzuhalten, diese Schlitzohrigkeit zeichnete ihn aus. Bis zum Sommer 2019 zog der Rechtsaußen zehn Jahre lang jedes Spiel wieder geradewegs von rechts draußen in die Mitte und schloss dann mit seinem fulminant starken linken Fuß ab. Oft schlug der scharf geschossene Ball danach im Tor ein, 144 Pflichtspiel-Tore hatte Robben für die Münchner erzielt, ehe er vor einem Jahr seine Karriere beendete. Mit einem Tor übrigens. Doch plötzlich geht die Geschichte des Fußballers Arjen Robben, 36, wieder weiter.

Am Samstagabend schlug nämlich wieder so ein schlitzohriger Robben-Schuss ein - wenngleich das dieses Mal metaphorisch gemeint ist. Arjen Robben will in der Saison 2020/21 als Profi auf den Fußballplatz zurückkehren, er wechselt zu seinem Jugendverein FC Groningen in die niederländische erste Liga. Einzelheiten sollen am Sonntag bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden. Den richtigen Zeitpunkt für seinen Abschluss hatte Robben auf jeden Fall wieder gewählt: Um Punkt 17 Uhr veröffentlichte der Klub die Meldung, unmittelbar bevor Robbens ehemalige Mitspieler in Wolfsburg ihren achten Meistertitel in Serie überreicht bekamen.

Einen Moment lang bestimmte allerdings Robben die Gespräche in den sozialen Netzwerken - und weniger der deutsche Meister, der als solcher schon lange feststand und bei dessen Fans Robben Legendenstatus besitzt. Die vergangenen sieben Meister-Zeremonien hatte der Niederländer ja noch selbst mitgemacht, ehe er 2019 umjubelt abtrat. In den vergangenen Wochen habe er viele Gespräche mit Klubmitgliedern in Groningen geführt und Fans zugehört. "Arjen, höre auf Dein Herz!", hätten die ihm gesagt. "Da begann es zu kribbeln und nun ist dies meine Mission."

Aus Vereinsliebe kehrt Robben zurück. Aber halt auch aus dieser ganz einfachen Liebe zum Fußballspiel, die er anders als andere älter werdende Kollegen nie verlor. Arjen Robben ohne Voetbal - das geht offenbar nicht. Seit dem vergangenen Jahr trainierte er die F2-Junioren beim TSV Grünwald, für die sein Sohn spielt. Bei einem Hallenturnier in Haar traf er auch seinen früheren Mitspieler Philipp Lahm. Dabei hat er wohl auch die Lust am Selberspielen wieder gefunden.

Schon in den vergangenen Wochen trainierte er wieder ein paar Mal an der Säbener Straße beim FC Bayern, hielt sich unter Anleitung des FCB-Fitnesscoachs Holger Broich fit. Ein Beweis dieses unbändigen Willens, der Robben zeit seiner bisherigen Karriere auszeichnete - und der auch schon früh unübersehbar war: "98 Prozent reichten ihm nicht, es musste immer das volle Programm sein, auch im Training", sagte Hans Nijland, der fühere Geschäftsführer des FC Groningen, vor einem Jahr zur SZ.

Robben startete in Groningens Jugend 1996 und verließ den Verein 2002 zur PSV Eindhoven. Nijland erinnerte sich an ein Spiel aus der B-Jugend, das Groningen 10:0 gewann - alle Tore schoss Robben. "Er hatte schon als Jugendlicher mehr Talent als andere große Spieler in Holland. Etwa als Luis Suárez oder Virgil van Dijk", fand Nijland.

Ein Comeback bei den Münchnern schloss Robben zuletzt übrigens aus, auch weil die Familie ohnehin plante, in diesem Sommer in die Heimat zurückzukehren. Dort darf der rasende Holländer nun mit dem kleinstmöglichen Risiko wieder durchstarten. Schon im vergangenen Jahr starteten die Fans ja eine Kampagne zur Robben-Rückkehr, seine Eltern sind regelmäßig zu Gast in der Skybox in Groningen - einer Ehrenloge, die Robbens Namen trägt. Körperlich in Schuss dürfte er nach den Sonderschichten in München sein und die niederländische Eredivisie kommt mit ihrem Drang zum Angriffsfußball den Dribblern mit unstillbarem Torhunger, wie Robben einer ist, sehr stark entgegen. Allzu viel leidige Verteidigungsarbeit muss er sicher nicht mehr leisten. Das einzige Manko, was sich durch seine Karriere zog, war seine Verletzungsanfälligkeit. Als "Glasmann" bezeichneten ihn manche Zeitungen. In München bekam er die Verletzungen aber zeitweise in den Griff - ähnliches erhofft man sich wohl in Groningen.

© Sz.de/schm

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