Robben-Entdecker Hans Nijland "10:0 - Arjen schoss alle zehn Tore"

Damals, 2002 in Groningen: Arjen Robben (rechts) jubelt - mit Haaren.

(Foto: imago)

Im Sommer verlässt Arjen Robben den FC Bayern - seine Karriere begann einst beim FC Groningen. Ein Gespräch mit seinem Entdecker Hans Nijland über Spiele in der B-Jugend und Rückhol-Gedanken.

Interview von Jonas Beckenkamp

Hans Nijland ist vor Kurzem 59 Jahre alt geworden und vielleicht spielt auch sein Alter eine Rolle, dass er bald etwas hinter sich lässt, was er lange geprägt hat: den FC Groningen. Nijland stieg bei dem Verein aus dem Norden der Niederlande 1996 als Geschäftsführer ein - in diesem Jahr kam auch ein Lockenkopf namens Arjen Robben aus dem kleinen Nachbarort Bedum in die Jugendabteilung des Klubs. Und er startete dort eine, nun ja, einigermaßen erfolgreiche Karriere. Zum Saisonende hört Hans Nijland als Macher beim Pokalsieger von 2015 auf - der Kontakt zu Arjen Robben ist aber nie abgerissen.

SZ: Herr Nijland, ein dynamischer Lauf von rechts nach innen und ein Linksschuss in den Winkel - so begann Arjen Robbens Karriere, oder?

Hans Nijland: Nicht ganz. Als ich Direktor des Klubs wurde, spielte Arjen in unserer Jugendakademie - und zwar meist als Zehner. Auf dem Flügel landete er erst in seinen Profijahren. Sein Debüt in der ersten Liga war gegen RKC Waalwijk, er durfte damals etwa 15 Minuten mitspielen. Eine Woche später folgte sein allererster Startelf-Einsatz gegen Feyenoord. Unser erster Stürmer hatte sich kurzfristig verletzt, da riefen wir Arjens Vater Hans an und sagten, er soll mit seinem Sohn herkommen, damit er spielen kann.

Hans Nijland (li.) und Arjen Robben sehen sich regelmäßig, wie hier bei einem PR-Termin 2011 in Groningen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Und, wie schlug er sich?

Arjen war 16, seine Premiere verlief grandios, einfach fantastisch. Am Tag danach waren alle Zeitungen voll von ihm.

Und der "Robben-Move"? Wann traf er damit zum ersten Mal?

Schon etwas eher. Das muss in der B-Jugend gewesen sein. Ich erinnere mich an ein Spiel, das wir 10:0 gewannen und Arjen schoss alle zehn Tore, da war er 15. Ich kann Ihnen sagen: Er hatte schon als Jugendlicher mehr Talent als andere große Spieler in Holland. Etwa als Luis Suárez (der seine internationale Karriere in Groningen startete und 91 Mal in der Eredivisie traf; Anm. d. Red.) oder Virgil van Dijk (der sein Profi-Debüt im Trikot von Groningen gab; Anm. d. Red.).

Angeblich hatte Robben mit 18 bereits einen Vertrag mit Ajax, auf dem aber sein Name falsch geschrieben stand. Daraufhin soll sein Vater den Wechsel abgesagt haben.

Das stimmt. Der technische Direktor von Ajax war zu dieser Zeit Leo Beenhakker. In Amsterdam haben sie den Mund manchmal etwas voll genommen, man war sich wohl zu sicher. Dabei wollte halb Europa Arjen haben: Ajax, Feyenoord, PSV, aber auch die Spanier, die Engländer und die Bundesliga. Dass es dann Eindhoven wurde, war eine gute Wahl für ihn. Ein sehr guter Klub, bei dem man sich gut entwickeln kann als junger Spieler - wenn auch kein ganz so klangvoller Verein wie Ajax.

Mit PSV wurde er Meister und Nationalspieler, die Welt lernte seinen legendären linken Fuß kennen - der beste, den Holland je hatte?

Na ja, da möchte ich an Rob Rensenbrink (Vizeweltmeister 1974 und 1978; Anm. d. Red.) erinnern. Oder auch an Rob de Wit (in den 80ern bei Ajax; Anm. d. Red.) - aber wenn Sie mich so fragen: Ja, Arjen ist vielleicht bis heute der beste Linksfuß.

Bundesliga Robben ist geladen, Rafinha ist gerührt
FC Bayern

Robben ist geladen, Rafinha ist gerührt

Mit Arjen Robben und Rafinha verabschieden sich zwei im Charakter sehr unterschiedliche Spieler vom FC Bayern. Der eine unter Tränen - der andere mit einer Startelf-Forderung.   Von Martin Schneider

Besser als Cruyff?

Oh nein, das ist eine ganz andere Kategorie. Er ist natürlich der beste Fußballer, den wir hier je hatten.

Wie war Robben als junger Bursche?

Er war ein smarter Junge mit guten Noten in der Schule. Ein wacher, wissbegieriger Typ. Freundliches Auftreten, sehr gewissenhaft. Und natürlich kreiste sein ganzes Leben um Fußball. Als Spieler war er ein Ästhet, schon damals.

Wie viel von seinem Ehrgeiz, seiner Kopf-durch-die-Wand-Attitüde war bereits vorhanden?

Sein Wille war nicht zu übersehen. 98 Prozent reichten ihm nicht, es musste immer das volle Programm sein, auch im Training. Deswegen war mir auch schnell klar, dass dieser Junge nicht mehr lange in Groningen bleiben würde. Er war zu Höherem berufen.