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Nadiem Amiri in Leverkusen:Im Namen des Teppichs

Läufe mit Ball sind seine Kernkompetenz: der künftige Leverkusener Nadiem Amiri bei der U21-EM.

(Foto: ISABELLA BONOTTO/AFP)
  • Trainer Peter Bosz ist mit seinem offensiven Fußball bei Bayer 04 Leverkusen erfolgreich.
  • Dies dürfte auch die Motivation von Nadiem Amiri gewesen sein, nach Leverkusen zu wechseln.
  • Der U-21-Nationalspieler gilt als Antreiber, Motivator - und Spaßvogel.

Es ist nicht unbedingt die Regel, dass der Fußballer Nadiem Amiri ausgesprochen ernsthafte Dinge sagt, zumindest in der Öffentlichkeit. Wenn man ihn etwa während der U21-Europameisterschaft in Italien in diesem Sommer im Mannschaftshotel sah, dann fast immer an der Seite seines Kumpels Mo Dahoud, die beiden waren so etwas wie eine moderne Version von Poldi und Schweini, die Spaßvögel im Kader, kein Interview ohne alberne Antwort. Als sich alle um die Hitze sorgten, sagte Dahoud, Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund: "Ist wie beim Diesel: Am Anfang braucht er, dann läuft er."

In einem Gespräch vor dem Halbfinale gegen Rumänien allerdings bemühte sich Amiri um Seriosität, es ging um die Zeit nach der EM. Er sagte: "Wir denken nicht an danach, wir genießen den Moment." Einen Monat später lässt sich mit Sicherheit sagen, dass Amiri, 22, den Moment für sein persönliches Danach genutzt hat.

Seit Dienstag steht der Transfer des Offensivspielers, der die U21 mit zwei Toren beim 4:2 gegen Rumänien ins Finale schoss, von der TSG Hoffenheim zum Champions-League-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen fest. Sport-Geschäftsführer Rudi Völler sagte, Amiris Leistungen bei der U21-EM hätten die Leverkusener in der Überzeugung bestätigt, dass er dem Verein weiterhelfen werde.

Hoffenheim entwickelt sich zum Ausbildungsverein

Die Lieblingsfloskel der Branche für Spieler wie Amiri ist die, dass sie es schaffen müssen, "den nächsten Schritt zu gehen". Bei der U21 hatten sie mit diesem Motto sogar einen Teppich bedruckt, der in der Hotellobby lag. Amiris Transfer ist für alle Beteiligten ein Zeichen für jene Art von Metamorphose, die damit gemeint ist.

Hoffenheim entwickelt sich zum Ausbildungsverein schlechthin. Fast alle Protagonisten der vergangenen Saison haben den Verein verlassen, für insgesamt mehr als 100 Millionen Euro: Stürmer Joelinton wechselte zu Newcastle United, Mittelfeldspieler Kerem Demirbay ebenfalls nach Leverkusen, Außenverteidiger Nico Schulz nach Dortmund. Der prominenteste TSG-Zugang ist bislang Stürmer Robert Skov, 23, der bei der U21-EM für Dänemark gegen Deutschland traf und 30 Saisontore für den FC Kopenhagen schoss.

Leverkusen dagegen will sich wieder nachhaltig zur Bundesliga-Spitzenmannschaft entwickeln. Zwar läuft die Vorbereitung - den Testspielergebnissen nach zu urteilen - durchwachsen, Bayer 04 gelang sechsmal in Serie kein Sieg bei 14 Gegentoren, und der offensive Fußball von Trainer Peter Bosz wird immer noch oft mit Leichtsinn in Verbindung gebracht. Noch öfter wird die Mannschaft jedoch unter Verweis auf die vergangene Rückrunde zum oberen Viertel der Liga gezählt. Torwart Lukas Hradecky sagte, die Mannschaft könnte nach einer gesamten Vorbereitung unter Bosz, der im vergangenen Winter übernahm, "Großes" schaffen. Und das dürfte auch die Motivation von Amiri gewesen sein, zu Bayer 04 zu wechseln.