Abschied vom FC Bayern 75 000 Herzen beben für Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger: Gerührt von der Zuneigung im Stadion

(Foto: dpa)
  • 75 000 Menschen sind am Dienstagabend in die Münchner Arena gekommen, um ein Testspiel des FC Bayern gegen Bastian Schweinsteigers aktuellen Klub Chicago Fire zu sehen - oder vielmehr, um Schweinsteiger würdig zu verabschieden.
  • Fast immer kommt das Wort "Gänsehaut" vor, als die Spieler des FC Bayern nach dem Spiel vor die Mikrofone treten. Schweinsteiger selbst sagt, der Abend habe seine Erwartungen "definitiv übertroffen".
Aus dem Stadion von Christopher Gerards

Der Moment, in dem die Münchner Arena noch ein bisschen heftiger bebte als ohnehin, begann mit einer Einwechslung. Thomas Müller kam nach einer guten Stunde aufs Feld, genau wie Franck Ribéry, und sie liefen zu Bastian Schweinsteiger, der nun ihr Mitspieler war, ein letztes Mal beim FC Bayern. "Ich hab gesagt: Spiel nach vorne. Komm nicht zu viel nach hinten. Wir wollen, dass du ein Tor machst", erzählt Franck Ribéry später.

Das war der Plan, und er ging auf. Schweinsteiger lief nach vorne, und die Zuschauer bekamen den Moment zu sehen, auf den sie gewartet hatten. Der Mann, den sie Fußballgott nennen, schoss ein Tor. Eines, das fußballerisch vollkommen belanglos war und emotional doch sehr vielen Menschen so wichtig, dass die Arena nun wirklich sehr, sehr laut wurde.

"Ich werde immer einer von euch bleiben"

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Hinterher haben die Spieler des FC Bayern viel über die Stimmung an diesem Dienstagabend geredet, dem Abend des offiziellen Abschieds vom ehemaligen Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger, 34 Jahre alt, Champions-League-Sieger, Weltmeister, Oberbayer aus Kolbermoor. Und fast immer kam das Wort "Gänsehaut" vor. "Unglaublich" fand David Alaba die Zuneigung der Zuschauer für Schweinsteiger, "speziell" fand Franck Ribéry die Atmosphäre, "sensationell gut" nannte sie Thomas Müller. Und Schweinsteiger selbst sagte später auf der Pressekonferenz, der Abend habe seine Erwartungen "definitiv übertroffen".

"Ich bin einer von euch, und ich werde es immer bleiben"

Da hatte er schon vieles erlebt. War alleine ins Stadion einmarschiert, vorbei an den versammelten Titeln seiner Karriere. War von Mitspielern umarmt worden, hatte bei fast jedem Ballkontakt Applaus gehört. Hatte sein Tor erzielt und sich hinterher gerührt beim Publikum bedankt ("Ich bin einer von euch, und ich werde es immer bleiben"), war eine Ehrenrunde gelaufen und dann in den Katakomben verschwunden, die Hände erhoben, das Publikum beklatschend und vom Publikum beklatscht.

Und so war dieser Abschiedskick von Bastian Schweinsteiger am Dienstag zweierlei. Einerseits ein Abend, an dem man dem FC Bayern nicht vorwerfen konnte, allzu dezent geplant zu haben, mit Lichtshows, Choreos und "Basti is back"-Rhetorik. Vor allem aber war er dies: ein Abend, an dem sich zeigte, was Bastian Schweinsteiger vielen Fußballfans bedeutet.

Das zeigte sich schon an der Zuschauerzahl. 75 000 Menschen (darunter unter anderem Bundestrainer Joachim Löw, Ex-Trainer Jupp Heynckes, Ex-Mitspieler Philipp Lahm und Ex-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer) waren am Dienstagabend in die Münchner Arena gekommen, um ein Testspiel des FC Bayern gegen Schweinsteigers aktuellen Klub Chicago Fire zu sehen (4:0, aha). Ein Testspiel. Fünfunsiebzigtausend. Wobei, wahrscheinlich ist das nicht richtig formuliert.