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Hamburger SV:Auf die harte Zweitliga-Realität geprallt

Hamburger SV - Hannover 96

Wieder nix: Aaron Hunt ärgert sich über eine vergebene HSV-Chance.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Der Hamburger SV verliert auch gegen Hannover - und fällt aus den Aufstiegsrängen. Ein unnötiger Platzverweis sorgt für zusätzlichen Ärger.

Von Thomas Hürner, Hamburg

Sie kennen sich, sie schätzen sich, sogar von einer engen Freundschaft war vor der Partie die Rede gewesen. Daniel Thioune, der Trainer des Hamburger SV, und Kenan Kocak, sein Pendant von Hannover 96, haben vor zwei Jahren gemeinsam die Schulbank gedrückt und für ihr Fußballlehrer-Diplom gepaukt. "Danny", so hatte sich Kocak unter der Woche erinnert, sei während des Unterrichts "zwei Tische vorne dran" gesessen. Das war auch ungefähr die Ausgangslage vor dem Nordderby am Samstagnachmittag, wenngleich die Rahmenbedingungen ein freundliches Klassentreffen freilich nicht zuließen.

Der Vordermann, Thioune, steht zwar auch nach der 0:1-Heimniederlage des HSV in der Tabelle der zweiten Liga vor seinen Kumpel Kocak. Er musste hinterher aber einräumen, dass sich seine Mannschaft in der Gesamtschau endgültig in einer "unbefriedigenden Phase" befinde. Kritische Beobachter würden eher von der typischen Hamburger Herbstdepression, vielleicht sogar von einer ausgewachsenen Krisensituation sprechen.

Nach einem fulminanten Saisonstart, als der HSV nur so in Richtung Erstklassigkeit zu fliegen schien, ist der Traditionsklub wieder auf die harte Zweitliga-Realität geprallt: Die Niederlage gegen Hannover war die dritte in Serie, erstmals in dieser Spielzeit stehen die Hamburger nicht auf einem Aufstiegsplatz. Da half es wenig, dass 96-Coach Kocak hinterher von einem "glücklichen Erfolg" seiner Mannschaft sprach und Thioune seines Mitgefühls versicherte.

Der HSV spielte zaghaft, nervös, ohne Inspiration

Das Ungemach begann für den HSV in der 13. Minute, als ein ungefährlicher Eckball vom Knie des Hamburgers Khaled Narey vor die Füße von Hendrik Weydandt sprang. Der Mittelstürmer traf aus drei Metern zur Führung für 96, und spätestens ab diesem Moment legte sich spürbare Verunsicherung über das fast menschenleere Volksparkstadion. Der HSV spielte zaghaft, nervös, ohne Inspiration, dafür aber mit bisweilen unnötiger Härte in den Zweikämpfen. Spielmacher Sonny Kittel, bei den Hamburgern sonst für das Filigrane zuständig, rauschte an der Seitenauslinie in die Beine von Sei Muroya. Und weil Kittel schon verwarnt worden war, bedeutete dieses völlig unnötige Foul, dass er schon in der 25. Minute mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde.

Auch Thioune konnte sich nicht erklären, was den ruhigen Mittelfeldmann zu dieser Aktion geritten hat. Deshalb werde der Trainer noch "das Gespräch mit Sonny suchen", wie er sagte. Es ist nicht zu erwarten, dass Thioune ihm seinen Dank aussprechen wird, aber erstaunlicherweise lief es in Unterzahl deutlich besser für die Hamburger. "Mentalität, Entschlossenheit, Bereitschaft", sagte Thioune, in all diesen Belangen sei seine Mannschaft von nun an "am Limit" gewesen. Allein: Sie betrieb gegen zunehmend passive Hannoveraner einen ausgiebigen Chancenwucher. Kurz vor der Pause vergaben Mittelstürmer Simon Terodde und Josha Vagnoman beste Gelegenheiten, und auch in der zweiten Hälfte ging es munter so weiter: Terodde, Jeremy Dudziak, wieder Terodde, immer wieder Terodde.

Es sei in Nachhinein "nicht unbedingt ein Vorteil" gewesen, mit einem Mann mehr zu spielen, urteilte Hannover-Trainer Kocak. Ein "herausragender Bruno Esser", der Torwart der 96, habe jedoch mit zahlreichen Glanztaten diesen Sieg festhalten können. Und womöglich auch den bedenklich wackelnden Trainerstuhl von Kocak: Nach zuletzt zwei Niederlagen gegen Würzburg (1:2) und Kiel (0:3) war schon erwartet worden, dass sich 96-Boss Martin Kind bei einem weiteren Misserfolg zum Handeln hingerissen fühlen könnte.

Vielleicht ist das ja ein kleiner Lichtblick für HSV-Coach Thioune: Die eigene Niederlage könnte seinem Kumpel Kocak den Job gerettet haben. Für die sportliche Situation des HSV werde Thioune aber vollumfänglich "den Kopf hinhalten".

© SZ/ebc/bkl
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