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Sven Ulreich beim HSV:Fast wie damals in Madrid

HSV-Torwart Sven Ulreich gegen den VfL Bochum

Wird gerade etwas zu häufig bezwungen: HSV-Torwart Sven Ulreich.

(Foto: Martin Rose/Getty Images)

Dem Torwart unterläuft in der zweiten Liga ein Patzer, der den HSV die Tabellenführung kostet - und an eine schwere Stunde erinnert.

Von Carsten Scheele

Dem Torwart Sven Ulreich ist vor zweieinhalb Jahren eine schwere Ungeschicklichkeit passiert. Damals, 2018 im Champions-League-Halbfinale mit dem FC Bayern bei Real Madrid, wollte er einen Ball von Corentin Tolisso fangen, bemerkte aber zu spät, dass er den Rückpass nicht mit der Hand aufnehmen durfte. Also rutschte Ulreich unkoordiniert am Ball vorbei, Karim Benzema bedankte sich. Die Bayern schieden aus, Ulreich war der "niedergeschlagenste Mensch von Madrid", wie die SZ damals schrieb.

Am Sonntag hat Ulreich einen Fehler aus ähnlicher Kategorie begangen, nicht in der Champions League für den FC Bayern, sondern in Liga zwei für den Hamburger SV. Die Auswirkungen mögen nicht ganz vergleichbar sein, bitter war's aber schon: Wie Ulreich beim Stand von 2:2 in der 90. Minute einen Ball von Toni Leistner zugespielt bekam, die Kugel bei der Annahme aber vom Fuß springen ließ, Heidenheims Christian Kühlwetter dazwischen ging und den Ball zum 3:2 ins Tor drückte.

Heidenheim, hier hatten die Hamburger schon in der Vorsaison einen späten Gegentreffer kassiert, der die Aufstiegsträume zerschellen ließ. Nun hat der HSV bereits vier Spiele in Serie nicht gewonnen, die Tabellenführung an Greuther Fürth verloren, der "Herbstblues" ist zurück: Hamburg ist in der zweiten Liga mehrmals verheißungsvoll in die Saison gestartet, ehe es ab Herbst ungemütlich wurde. An den vergangenen vier Spieltagen kassierten die Hamburger immer mindestens ein Gegentor in der Schlussviertelstunde. Dies sei "ein Augenblick, in dem wir zu Recht kritisiert werden", sagte Trainer Daniel Thioune.

Passt sich Ulreich dem Hamburger Klima an?

Der Coach, im Sommer aus Osnabrück gekommen, tat sich im ersten Moment schwer, seinen unglücklichen Torwart in Schutz zu nehmen. Der HSV hatte 2:0 geführt, durch Treffer von Sonny Kittel (16.) und Leistner (24.), was Heidenheim durch die ersten beiden Tore von Kühlwetter (27./44.) bis zur Pause auszugleichen wusste. Ein kompliziertes Spiel für den HSV, er sei jedoch davon ausgegangen, dass die Partie mit einem Unentschieden ende, berichtete Thioune, bis zu Ulreichs Patzer und Kühlwetters drittem Streich. Dieser "riesengroße Fehler", so der Trainer "tut uns sehr weh". Man habe das Spiel "auch aus dem Grund verloren".

Etwas später sagte Thioune, Ulreich habe aus dem Kreise der Mannschaft "einiges an Zuspruch bekommen. Im Moment ist er lieber für sich alleine. Er wird sicher einen Augenblick brauchen. Damit muss er umgehen und wir auch." Auch Kapitän Tim Leibold konstatierte: "Das Gegentor kurz vor Schluss war zwar ein Fehler von Ulle, trotzdem müssen wir uns als gesamte Mannschaft ankreiden lassen, dass wir (...) zurzeit zu einfache Gegentore kriegen." Der HSV ließ zudem etliche Chancen ungenutzt, wofür Ulreich hinten in seinem Strafraum kaum etwas konnte.

Der Torwart war im Sommer vom FC Bayern gekommen, ein Transfercoup für den Zweitligisten, wie es hieß. Verbunden mit der Hoffnung, dass der erfahrene Ulreich (221 Bundesliga-Spiele) dem in Schlussphasen häufig taumelnden HSV zu mehr Stabilität verhelfen möge. Nun scheint es eher so, als passe sich der Torwart dem Hamburger Klima an. Er wird die Gelegenheit erhalten, es besser zu machen, denn Ulreich ist in Hamburg nach wie vor die Nummer eins. Damals in München stellte der Trainer bald wieder Manuel Neuer ins Tor, der das Madrid-Spiel verletzt verpasst hatte. Thomas Müller sagte in der Nacht nach dem Spiel: "Fehler passieren, da macht keiner einen Vorwurf."

© SZ/bek
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