Der Club in der 2. Liga:Der Coach freut sich mehr nach innen

Der Club in der 2. Liga: Fränkische Einheit: Die Nürnberger Spieler bejubeln Lukas Schleimers Treffer in Paderborn zum 3:0-Pausenstand. Am Ende setzte sich der Club mit 3:1 durch.

Fränkische Einheit: Die Nürnberger Spieler bejubeln Lukas Schleimers Treffer in Paderborn zum 3:0-Pausenstand. Am Ende setzte sich der Club mit 3:1 durch.

(Foto: Wolfgang Zink/Imago)

Der 1. FC Nürnberg gewinnt nach starker erster Halbzeit 3:1 in Paderborn und verkleinert die Lücke zu den Aufstiegsrängen. Doch Trainer Fiél wirkt danach alles andere als euphorisch.

Von Stefan Galler

Wenn man Cristian Fiél bei der Pressekonferenz nach dem Spiel beobachtete, merkte man ihm die ganze Anstrengung der vorangegangenen Partie an. Mit belegter Stimme, leicht gebeugtem Körper und in Falten gelegter Stirn analysierte der Coach des 1. FC Nürnberg die 90 Minuten gegen den SC Paderborn und wirkte wie einer, der ein schlimmes Erlebnis Revue passieren lässt. Doch das, was er sagte, passte nicht zu diesem Eindruck, musste Fiél doch einen 3:1-Auswärtssieg seines Teams kommentieren: "Wir haben heute in der ersten Halbzeit gespielt, wie wir es noch nicht so oft auf den Platz gebracht haben", sagte Fiel also. "Und das gegen einen Gegner, der viel Qualität hat."

Der Club ist nach vier Siegen aus den vergangenen fünf Pflichtspielen unmittelbar vor der Länderspielpause nahe dran an den vorderen Plätzen in der Liga. Er liegt nach 13 Spieltagen nur zwei Punkte hinter dem dritten Rang, der zur Relegation berechtigt, und drei hinter Aufstiegsplatz zwei.

Dennoch wollen sich die Franken nicht zu einer Kampfansage verleiten lassen, lieber bedienen sie sich der üblichen Phrasen: "Wir schauen nur von Spiel zu Spiel", sagt Torwart Christian Mathenia. Alles andere ergebe in dieser ausgeglichenen Liga auch keinen Sinn: "Mit einer Niederlage stehst du direkt wieder weiter unten." Es gehe vielmehr darum, sich weiterentwickeln.

Jens Castrop trifft und sieht später für ein grobes Foul die rote Karte

Im Vergleich zur jüngsten 1:2-Heimpleite gegen Schalke war eine solche Fortentwicklung am Samstag zweifellos zu sehen, denn der Club ging mit viel Verve ins Spiel - und schon in der achten Minute in Führung, weil Kanji Okunuki einen Pass in die Tiefe spielte, Nathaniel Brown querpasste und Jens Castrop ohne Mühe abschließen konnte. Und die Franken ließen nicht nach, erspielten sich Chance um Chance. Dass Okonuki nach sehenswerter Vorlage von Can Uzun auf 0:2 erhöhte, war die logische Folge (38.). Womit Uzun an seinem 18. Geburtstag nach fünf Treffern nun auch seine erste Torvorlage in einem Zweitligaspiel verbuchte. Mit der Volljährigkeit des gebürtigen Regensburgers trat sein erster Profivertrag in Kraft, der talentierte Offensivspieler ist jetzt langfristig an den FCN gebunden.

Wie fokussiert die Clubberer in Paderborn vor der Pause auftraten, zeigt die Tatsache, dass sie nach der allerersten Chance der Gastgeber durch Filip Bilbija, dessen Versuch Mathenia stark parierte (42.), gleich nochmal reagierten und Lukas Schleimer nach Vorarbeit von Benjamin Goller im zweiten Versuch das 0:3 erzielte (44.). Und so stand Nürnbergs Trainer Fiél beileibe nicht alleine da mit der Meinung, die Pausenführung sei auch in dieser Höhe verdient gewesen.

Doch alles, was zunächst gut lief, ging nach dem Wechsel in die andere Richtung: Zunächst wurde Uzuns vermeintliches 0:4 wegen eines Handspiels zuvor von Schleimer nicht anerkannt (52.), dann kam Castrop bei einer Grätsche im Mittelfeld gegen Sebastian Klaas viel zu spät und traf den Paderborner heftig oberhalb des Knöchels. Der Nürnberger sah direkt die rote Karte, "damit hat sich das Spiel komplett gedreht", wie Fiél feststellen musste. Und Keeper Mathenia ergänzte: "Mit der roten Karte haben wir uns selbst in die Bredouille gebracht."

Prompt kamen die Gastgeber zu Gelegenheiten, das 1:3 ließ auch nicht lange auf sich warten, nach einem Eckball traf der ehemalige Sechziger Adriano Grimaldi per Kopf (78.). Die restliche Zeit wurde für die Franken zu einem "Abnutzungskampf" (Mathenia), den sie mit Glück und Geschick überstanden. Er habe schon vorher gewusst, dass sein Team in Paderborn "viel leiden" würde müssen, sagt Fiél. "Wir haben ja schon oft billige Gegentore kassiert, aber diesmal hat sich jeder bis zum Ende reingeworfen. Wir freuen uns über die drei Punkte heute." Das intonierte Fiél so, dass er sich zumindest wieder nach einem zufriedenen Trainer anhörte, dessen Team gerade einen ganz wichtigen Erfolg eingefahren hatte.

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