1860-Präsident Monatzeder Botschaft an den Investor

Bis zur Delegiertenversammlung hat der designierte neue 1860-Präsident Hep Monatzeder viel vor: Er muss Wahlkampf betreiben, Vizes finden, die Zukunft der sportlichen Leitung klären - und er hofft auf "einen Batzen Geld" von Investor Hasan Ismaik.

Von Markus Schäflein

Hep Monatzeder sagt über sich selbst, er sei ein "unverbesserlicher Optimist". Man kann ihm das einfach mal glauben, schließlich hat er sich allen Ernstes dazu bereit erklärt, Präsident des TSV 1860 München zu werden, was ein Realist tunlichst vermeiden würde. Und als Optimist war der dritte Bürgermeister Münchens dann doch recht überrascht, wie wenig Begeisterung ihm entgegenschlug, als er bekannt gab, den Posten bei dem Fußball-Zweitligisten übernehmen zu wollen. "Der Stab wurde schon über mir gebrochen, bevor ich überhaupt begonnen habe", stellte er fest, und deshalb lud er Vertreter der Münchner Zeitungen am Mittwoch zu einem PR-Gespräch, um seiner eigentümlich inhaltsleeren Vorstellungs-Pressekonferenz zumindest noch ein wenig Inhalt hinterherzuschieben.

Im Zentrum aller Pläne steht wenig überraschend die Beziehung zum recht komplizierten Investor Hasan Ismaik, dessen Verhältnis zum Verein zuletzt ja von einer seltsamen Mischung aus Wut und Desinteresse geprägt war. Zwei Mal hat Monatzeder, den Ismaik freundlich "Mister Hep" nennt, den Jordanier schon in Abu Dhabi besucht; und demnächst steht Ismaiks Gegenbesuch in München an, bei dem es darum geht, dass der Investor die im Dreijahresplan zugesagten und in der Budgetplanung vorgesehenen Zahlungen für die kommende Spielzeit einhält - und, so hofft Monatzeder, der Optimist, um noch mehr: "Ich bin gerne bereit, mit dem Investor zu reden, wenn er sagt: Ich hätte noch einen Batzen Geld, wollen wir noch ein paar Spieler kaufen und richtig Dampf machen?" Soll wohl heißen: Hasan Ismaik soll im Idealfall 1860 Geld schenken.

Nach allem, was man bisher weiß, ist frisches Geld von Ismaik (außer als Darlehen) zwar recht unwahrscheinlich; aber Monatzeder setzt unerschrocken darauf, dass es aus dem Wald schallen möge, wie er hineinruft. Er versuche, "das Verhältnis so zu gestalten, dass man sich auch bei schwierigen Themen nicht gleich in die Haare kriegt". Er wolle "gegenseitige Akzeptanz als Grundlage: kein Einknicken, aber auch kein kämpferisches Aufeinander-Drauf-Hauen". Als Bürgermeister der von Ismaik überaus geschätzten Stadt München kann er immerhin mit etwas Respekt rechnen; "ich habe ihm gesagt, dass ich bei Sechzig im Gegensatz zu ihm zwar kein Geld zu verlieren habe, aber einen Ruf, und das hat er verstanden". Mit den kulturellen Unterschieden glaubt Monatzeder, umgehen zu können. Er habe ja für das islamische Zentrum in München immerhin die Gespräche mit dem Emir von Katar, Hamad bin Khalifa al-Thani, geführt.

Bis zur letzten Aprilwoche, in der (wohl am 25. April) die Delegiertenversammlung stattfindet, in der Monatzeder offiziell zum Präsidenten gewählt werden soll (ab 1. April amtiert er vorerst ohne die demokratische Legitimation), will er vieles erledigt haben: Bei den Abteilungsleitern und den Vorständen der großen Fanorganisationen muss er Wahlkampf betreiben. Bei allem Optimismus plagen ihn Zweifel, ob er überhaupt gewählt wird - ein Antrag auf geheime Wahl wird offenbar gestellt. "Ich wäre froh, wenn die Delegiertenversammlung schon hinter mir liegen würde", sagte er: "Dann könnte ich einfach aus einer gefestigten Position heraus agieren. Die momentan unsichere Situation ist definitiv kein schönes Gefühl."

"Wenn immer nur gestritten wird, schreckt das jeden Sponsor ab"

Mission Abu Dhabi

mehr...

Zudem will er bis dahin die Frage geklärt haben, ob Trainer Alexander Schmidt und Sportdirektor Florian Hinterberger über die Saison hinaus bleiben: "Es wäre der Idealfall, bis dahin auf beiden Positionen Fakten geschaffen zu haben." Und auch Ismaiks finanzielle Zusagen für die kommende Saison, die in den bereits abgegebenen DFL-Lizenzierungsunterlagen eine tragende Rolle des kalkulierten Etats spielen, sollen dann endlich fixiert sein. Diese beiden Hauptthemen hängen eng zusammen, immerhin hatte Ismaik bislang die Ablösung der beiden gefordert. Sein Cousin Noor Basha erklärte zuletzt aber, Schmidt sei "ein guter Trainer" und solle "eine Chance" haben.

Gefangen zwischen Tradition und Chaos

mehr... Chronik

Zunächst will Monatzeder zwei wichtige Personalien klären: die des Trainers und des Sportdirektors.

(Foto: dpa)

Schließlich gilt es für Monatzeder bis zur Delegiertenversammlung noch, sich auf zwei Vizes festzulegen. Er überraschte mit der Ankündigung, es solle sich dabei nicht um bisherige Aufsichtsratsmitglieder handeln. Er wolle "jemand als Vize präsentieren, der noch nicht in bestimmten Gremien sitzt und nicht beteiligt ist an diesen ganzen Verwerfungen", sagte er.

Den Konflikt zwischen dem bisherigen Präsidenten Dieter Schneider und den Aufsichtsräten, die ihn aus dem Amt drängten, sieht Monatzeder nun als einen Konflikt zwischen Schneider und dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden Otto Steiner. Sich selbst betrachtet er offenbar als nicht involviert, wenngleich er im Machtkampf eine entscheidende Rolle übernahm als derjenige Aufsichtsrat, der nach dem erfolgreichen Putsch Schneiders Nachfolge antritt. Als Teil eines intriganten Clans mag Monatzeder nun aber wirklich nicht dastehen - so dass er auch von der einst entwickelten Idee eines neuen Megapräsidiums mit fünf Mitgliedern, die großteils aus dem Aufsichtsrat kommen sollten, nichts hält. Er will die zahlenmäßige Besetzung nicht ändern: "Man wird sich zu dritt schneller einig als beispielsweise zu fünft."

Auch der Aufsichtsrat muss komplettiert werden, dort sind zwei Posten zu besetzen; es soll laut Monatzeder "Fachkompetenz im Bereich Finanzen mit rein". Weitere Punkte in seinem Programm sind ein neuer Hauptsponsor ("dazu erwarte ich mir Vorschläge von Geschäftsführer Robert Schäfer") und, na so was, mehr Harmonie im Klub. "Wenn immer nur gestritten wird, schreckt das jeden Sponsor ab", meint er. "Und wenn wir überhaupt über einen Stadionbau reden wollen, geht das ja nicht aus eigener Kraft heraus. Ein Investor darf dann nicht um sein Image fürchten müssen." Ruhe bei Sechzig? Nein, übertriebenen Realismus kann man Hep Monatzeder wirklich nicht vorwerfen.