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Verbände - Hannover:Bonus nur für Altenpfleger? Kritik von Kammer und Verbänden

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Hannover (dpa/lni) - Verbände und Pflegekammer in Niedersachsen haben die Pläne für einen Corona-Bonus für Pflegekräfte in Höhe von 1500 Euro kritisiert. Die Pflegekammer bemängelte am Dienstag, wie der Autogipfel in Berlin zeige, sei die Autobranche offensichtlich immer noch wichtiger als die Pflege.

Während zur Stützung der Autohersteller über eine Prämie für alle Neuwagenkäufer beraten werden, sei der Pflegebonus nur für die Beschäftigten in der Altenpflege vorgesehen, kritisierte Kammerpräsidentin Nadya Klarmann. Beschäftigte in Krankenhäusern und in der Psychiatrie seien enttäuscht, da sie leer ausgingen. "Der Streit über die Finanzierung des Pflege-Bonus wurde auf den Rücken derer ausgetragen, die sich ohnehin keinen Neuwagen leisten können."

Bislang ist angedacht, dass der von der Bundesregierung ins Gespräch gebrachte Corona-Bonus zu einem Drittel von den Ländern und den Arbeitgebern und zu zwei Dritteln von den Pflegekassen übernommen werden soll.

Auch die Caritas in Niedersachsen, die zahlreiche Heime betreibt, kritisierte, beim Pflegebonus gebe es noch viele offene Fragen. Die Caritas habe keine Rücklagen, um die Zahlungen zu finanzieren und müsse die Kosten an die Heimbewohner und ihre Familien weiterreichen. Dies sei inakzeptabel. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb Beschäftigte in der Behindertenhilfe, der Wohnungslosenhilfe oder der Suchthilfe keinen Bonus erhalten sollen, teilte der katholische Wohlfahrtsverband in Hannover mit.

Ein Bündnis aus Sozialverbänden und den Unternehmerverbänden Niedersachsen rief das Land zu einer stärkeren Mithilfe beim Corona-Bonus auf, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete. Die Mitfinanzierung der Prämie würde sonst einige Einrichtungen bis an die Grenze der Belastbarkeit führen.

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