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Vulkan-Tour in Guatemala:Blumen aus der Asche

Es geht weiter, vorbei an kleinen Feldern, auf denen Bauern Mais anbauen, das Hauptnahrungsmittel der meisten Menschen in Guatemala. Die Luft ist angenehm kühl an diesem Morgen, Staudengewächse verströmen einen süßen, leichten Duft.

Nach wenigen Minuten lichtet sich der Wald, gibt den Blick frei auf den rauchenden Pacaya. Er schleudert Asche in den blauen Himmel. Die Spitze des Vulkans ist bald in eine dichte Wolke gehüllt. Die jungen guatemaltekischen Begleiter können die Fragen in den Gesichtern der Wanderer lesen. "Muy peligroso!", sehr gefährlich, sagen sie und lachen amüsiert.

Dann hilft nur rennen

Hat José Heriberto vielleicht Angst? Schwer zu glauben, er strahlt Ruhe und Entschlossenheit aus. Bis zum Kraterrand auf rund 2550 Metern Höhe wäre es gerade wirklich zu gefährlich, sagt er. Die Brocken, die der Pacaya ausspuckt, sind zu groß.

Aber die Lavaströme an den Hängen anschauen, warum nicht?

Und wenn der Pacaya überraschend doch glühende Lavabomben Hunderte Meter weit in den Himmel spucken sollte wie zuletzt vor zehn Jahren, als sie sogar den 25 Kilometer entfernten Flughafen von Guatemala-Stadt sperren mussten, dann hilft eh nur rennen. So sieht José Heriberto das.

Er läuft voran über ein riesiges graues Feld. Der Boden ist übersäht mit kleinen Aschebrocken. Sie sind scharfkantig und fühlen sich rau an. Unter den Schuhsohlen knirscht das Basaltgestein. Etwas abseits ragen erkaltete Lavablöcke wie Gerippe in den Himmel. Und inmitten dieser scheinbar lebensfeindlichen Landschaft wachsen Blumen aus der Asche.

Im Zickzackweg geht es den Hang hinauf. José Heriberto achtet auf seine Gruppe wirklich wie ein Vater auf seine Kinder, wenn auch wie ein "daddy cool". Denn am Ziel mahnt er zwar noch einmal zur Vorsicht - wer es aber wagen will, einen Marshmallow zu rösten, nur zu.

Die Wanderer aus Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland schauen ihn ungläubig an. Vor ihren Augen wälzt sich ein gewaltiger Feuerstrom träge den Berg hinab. Die Lava leuchtet intensiv rot und orange. Schmatzend wirft sie Blasen, kratzt am umliegenden Gestein. Keinerlei Barrieren sind da. Ein Schritt zu viel, ein kleiner Sprung und das Leben wäre aus. Die Urkraft der Erde lässt die Wanderer mit einem Mal andächtig verstummen.

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