bedeckt München 32°

Vorurteile über Kreuzfahrten:Ein Hauch von "Traumschiff"?

Kreuzfahrten Vorurteile

Vergängliche Schnitzkunst am Buffet - nur ist es das Frühstücks-, Vormittags-, Mittags-, Nachmittags-, Abend- oder Nachtbuffet?

(Foto: Popp)

Essen rund um die Uhr oder ein Dasein wie im Film - wie geht es wirklich auf "Traumschiffen" zu? Und wie sehr schaden die Kreuzfahrtriesen der Umwelt?

Vorurteil 8: "Alles dreht sich ums Essen. Sportler sind auf Kreuzfahrtschiffen fehl am Platz."

Es gibt tatsächlich rund um die Uhr Essen und Getränke. Vom Frühaufsteher-Frühstück über Langschläfer-Buffet, Mittagessen, Kaffee und Kuchen bis zum Abendessen und abschließendem Mitternachtssnack.

Eigene Erfahrung an Bord: Zum Ausgleich finden Sportler eine Joggingstrecke an Bord. Die wenigen hundert Meter einmal um die oberen Decks bergen aber Drehwurmgefahr nach den ersten zehn Runden. Das angebotene Sportprogramm mit Biken, Tauchen oder Surfen bietet wenigstens die Illusion, alle angehäuften Kalorien schnell wieder abtrainieren zu können.

Vorurteil 9: "An Bord geht es zu wie auf dem 'Traumschiff'."

"'Das Traumschiff' ist zugleich opulentes Starfernsehen, Familienunterhaltung und begeisterndes Reiseerlebnis", schwärmte Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, anlässlich der 30 Jahre "edle Art des Eskapismus und Quotenerfolg". Doch wie geht es wirklich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu?

Eigene Erfahrung: Gegessen wird an großen Tischen, gesprochen wird deutsch - so lernt man unweigerlich Mitreisende kennen. Die Urlaubsatmosphäre ist gerade auf Clubschiffen auf Kommunikation und Gemeinsamkeit ausgelegt. Dabei lässt sich das menschliche Bedürfnis nach Klatsch und Tratsch schwer unterdrücken. Warum hat sich das junge Paar gegenüber nichts zu sagen? Wie findet es der Teenager mit Brille, mit seinem Vater abends in der Disco zu stehen?

Wissenschaftler rechtfertigen diese Neugier: Um sich in ihrem Umfeld zurechtzufinden, benötigen Menschen möglichst umfangreiche Informationen über das Verhalten und die Stellung ihrer Mitmenschen. Genau das liefern Klatschgeschichten in Dorf oder Stadt, am Arbeitsplatz und eben auch auf Kreuzfahrtschiffen. Nicht jeder muss mitreden. Und dramatische Liebesgeschichten, Verwicklungen und Familienskandale bleiben meist dem TV-Traumschiff vorbehalten.

Vorurteil 10: "Kreuzfahrten schaden der Umwelt."

Der Naturschutzbund Deutschland hat die Kreuzfahrtunternehmen AIDA und TUI Cruises zu "Umwelt-Dinosauriern des Jahres 2011" ernannt, da deren Schiffe auf hoher See immer noch mit giftigem Schweröl fahren. Ein einziges Kreuzfahrtschiff produziert so auf einer Reise genauso viele Schadstoffe wie fünf Millionen PKW auf der gleichen Strecke. Die Naturschützer fordern deshalb die Umstellung auf schwefelarmen Schiffsdiesel, den Einbau von Filtern und langsamere Geschwindigkeiten. Zudem liegen die "weißen Riesen" häufig mit laufenden Maschinen in den Häfen, um auch im Ruhezustand ihre Passagiere zu verwöhnen: Wellness-Angebot geht vor Umweltbelastung.

Eigene Erfahrung: Selbst wer sich für die Fahrt auf dem "Umwelt-Dinosaurier" entschieden hat, könnte an Bord zumindest noch kleine Beiträge zum Umweltschutz leisten: Dasselbe Poolhandtuch ließe sich beispielsweise mehrere Tage lang nutzen, so dass der abendliche Stapel benutzter Wäsche neben den Sonnenliegen etwas kleiner wäre. Doch bei den meisten Passagieren bleibt das grüne Gewissen gleich ganz an Land.