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Verbot für Kreuzfahrtschiffe:Keinen Gruß mehr an die Küste

Die Havarie der "Costa Concordia" brachte eine gefährliche Routine im Kreuzfahrtbetrieb in die Schlagzeilen: das nahe Heranfahren an Küstenorte. Nun hat die italienische Regierung ein Verbot dagegen erlassen.

Der Bürgermeister fand warme Worte: Einem "einzigartigen Spektakel" habe man beigewohnt, das für die Insel Giglio zu einer "unverzichtbaren Tradition" geworden sei. Die "Bewohner und die geschätzten Touristen" hätten sich durch das Manöver sehr geehrt gefühlt. Adressiert war die E-Mail von Bürgermeister Sergio Ortelli an Kapitän Massimo Calisto Garbarino. Der Schiffsführer hatte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia im Sommer des vergangenen Jahres nahe genug an der italienischen Mittelmeerinsel vorbeigesteuert, um den "Inchino" zu entbieten. Das italienische Wort bedeutet "Verneigung" und meint die Fahrt eines Schiffes in Küstennähe, als Gruß an die dortigen Bewohner und Besucher, gelegentlich lautstark begleitet vom Tuten des Schiffshorn. Auch der Concordia-Kapitän war begeistert: Schon das dritte Mal hätte er das Schiff nahe an die Insel vorbeigesteuert, aber diesmal sei es besonders schön gewesen. "Tausende Fotoblitze" hätten die nächtliche Vorbeifahrt begleitet.

Nach der Havarie der Costa Concordia

Schaulustige bevölkern Giglio

Mit dieser gefährlichen, nicht nur von der schließlich vor Giglio havarierten Costa Concordia praktizierten Routine soll nun Schluß sein. Gut sechs Wochen nach dem Unglück hat die italienische Regierung ein Verbot für Kreuzfahrtschiffe erlassen, sich der Küste und Meeresschutzgebieten zu stark zu nähern. Dem von den Ministern für Umwelt und wirtschaftliche Entwicklung unterzeichneten Dekret zufolge dürfen Kreuzfahrtschiffe künftig nicht näher als zwei Seemeilen (3,7 Kilometer) auf Meeresschutzgebiete wie den Toskanischen Archipel vor der Insel Giglio zusteuern. Dies gilt auch für unter Schutz stehende Gewässer, die für Wale und Delfine Lebensraum sind.

Die neue Regelung schränkt auch die Schifffahrt rund um Venedig ein, wo das dichte Anfahren von Ozeanriesen regelmäßig für Ärger sorgt. Dort soll Schiffen mit einem Gewicht von mehr als 40.000 Tonnen die Einfahrt in den Giudecca-Kanal und das Markusbecken verboten werden, sobald eine alternative Fahrrinne gebaut wurde, wie es in dem Erlass heißt.