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Gekentertes Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia":Kapitän gibt Reederei Schuld für gefährliches Manöver

Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" gibt der Reederei die Schuld an der Katastrophe: Das riskante Manöver, das schließlich zum Kentern führte, sei eine Werbemaßnahme gewesen. Acht Todesopfer hat die Polizei inzwischen identifizieren können, unter ihnen auch einen Mann aus Deutschland.

Nach dem Kreuzfahrt-Unglück in Italien ist der Polizei zufolge ein deutsches Opfer identifiziert worden. Von acht bisher identifizierten Leichen stamme eine aus Deutschland, sagte ein Carabinieri-Hauptmann am Sonntag auf der Insel Giglio. Es handele sich dabei um einen Mann. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Seit dort am Freitag vor einer Woche die Costa Concordia kenterte, sind zwölf Leichen geborgen worden.

Lage nach der Havarie der 'Costa Concordia' vor Italien

Nach der Havarie der "Costa Concordia" ist ein deutsches Opfer identifiziert worden. Der Kapitän beschuldigt unterdessen die Reederei.

(Foto: dapd)

Von den acht mittlerweile Identifizierten seien sieben Männer und eine Frau. Vier Tote stammten aus Frankreich und je ein Opfer komme aus Deutschland, Italien, Spanien und Ungarn, hieß es weiter. Die Bergungsmannschaften haben ihre Suche nach Vermissten inzwischen wieder aufgenommen, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. In der Nacht waren die Arbeiten gestoppt worden, weil sich das auf Grund gelaufene Schiff leicht bewegt hatte.

Der Kapitän macht die Reederei Costa Crociere für sein riskantes Manöver vor Giglio verantwortlich. Der Tageszeitung La Repubblica zufolge sagte Francesco Schettino der Untersuchungsrichterin am vergangenen Dienstag, dass die sogenannte Verbeugung vor Giglio "noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt" wurde. Schettino wird vorgeworfen, zu nah an die Insel herangefahren zu sein und so das Unglück vor gut einer Woche provoziert zu haben.

Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, "machen wir Werbung für uns", zitierte der Corriere della Sera den unter Hausarrest stehenden Kapitän. Manöver dieser Art habe es bereits "vor "vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt" gegeben, habe Schettino bei der Anhörung vor Gericht weiter gesagt. Im Anschluss an seine Aussage war er aus der Haft in den Hausarrest entlassen worden.

Hoffen auf aufgezeichnete Daten

Dagegen will die Staatsanwaltschaft Grosseto Widerspruch einlegen und hofft auf die Daten und aufgezeichnete Gespräche der in den vergangenen Tagen gefundenen Blackbox des Schiffes. Diese Hoffnung zerstreute Schettino schon in seiner Aussage vor Gericht. "Wir hatten an Bord ein Problem, seit 15 Tagen war das Backup der Sprachaufzeichnung kaputt. Wir haben einen Techniker gebeten, das Problem zu beheben, aber das ist nicht passiert."

Die Staatsanwaltschaft erhofft sich noch von anderem Material Aufschluss darüber, was Schettino zum Zeitpunkt der Havarie tat: Aus dem Wrack wurde Medienberichten zufolge eine Festplatte geborgen, auf der womöglich Aufzeichnungen von Überwachungskameras auf der Brücke des Schiffes gespeichert sind.

Derzeit versuchen die Rettungskräfte, die wahrscheinlichen letzten Aufenthaltsorte der Vermissten im Schiff einzugrenzen, um gezielter suchen zu können. Die Costa Concordia hatte am 13. Januar mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der Toskana-Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert.