Touristen in Indien:"Niemals allein in Bars"

Haben Sie den Eindruck, dass die sexuelle Gewalt in Indien in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat?

Vielleicht wird jetzt nur mehr darüber berichtet. Und in jedem Land, auch in Deutschland, erleben Frauen sexuelle Gewalt. Doch mir machen diese extremen Gruppenvergewaltigungen in Indien große Sorgen. Ich würde jeder Frau abraten, allein durch Indien zu reisen, sich auch als Paar möglichst sichere Unterkünfte zu suchen und niemals allein in eine Bar zu gehen. In Goa kam es schon vor, dass Kellner und Taxifahrer zusammenarbeiteten: Der eine kippte einer Frau K.O.-Tropfen ins Glas, der andere fuhr sie weg. Und beide vergewaltigten sie.

Fühlen Sie sich in Goa überhaupt noch wohl, oder überlegen Sie, mit Ihrer Familie wegzuziehen?

Wir haben hier ein Haus renoviert, mein Sohn geht in Goa zur Schule, hier haben wir unsere Freunde - da geht man nicht so einfach. Aber alt werden will ich hier nicht. Derzeit habe ich aber gerade als Frau ein ungutes Gefühl. Ich fahre aus Sicherheitsgründen nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nur mit dem Auto.

Das Auswärtige Amt schreibt in seinen Sicherheitshinweisen zu Indien: "Das allgemeine kriminelle Risiko für Ausländer in den touristisch stärker erschlossenen Gegenden Indiens ist eher gering. Reisende, vor allem Frauen, sollten sich - insbesondere vor dem Hintergrund zuletzt vermehrt berichteter sexueller Übergriffe - stets von Vorsicht leiten lassen."

Auf Reiseportalen zu Indien findet man Tipps wie diesen: "Vor dem Hintergrund des strengen indischen Dresscodes für Frauen können leicht bekleidete Touristinnen schnell als willige Beute wirken. Hier bleibt nur eins: lange Hosen oder Rock mitnehmen sowie eventuell einen falschen Ehering tragen. Zudem ist es ratsam, den indischen Männern nicht direkt in die Augen zu sehen."

Das Kinderhilfswerk Plan International befragte für die Studie "Sicherheit in Städten aus der Sicht weiblicher Jugendlicher" auch Mädchen aus Delhi. Diese berichteten, sie lebten in ständiger Angst vor Gewalt und sexuellen Übergriffen. Sie vermieden es, allein im Dunkeln unterwegs zu sein und auch tagsüber gingen die Mädchen nicht allein zur Schule, auf den Markt oder in Geschäfte. In öffentlichen Verkehrsmitteln fühlten sich nach der Studie nur drei Prozent der Befragten sicher.

In indischen Zügen gibt es zum Teil Waggons, die Frauen vorbehalten sind, und in einige Großstädten verkehren mehrmals am Tag reine Frauenzüge.

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