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Tourismus in Haiti:Hoffen auf eine sichere Zukunft

Weiterfahrt in den Süden, in die Stadt Jacmel. Durch das Fenster eines klimatisierten Busses sieht Haiti auf den ersten Blick wie viele andere Karibikstaaten aus: bunt, freundlich, Holzstände mit reifen Papayas und Mangos am Straßenrand, ein tiefblaues Meer am Horizont. Doch dieser Ozean ist leergefischt und die Straßen winden sich über Hügelketten, die seit der Zeit der Kolonisatoren abgeholzt wurden. Heute wächst hier kaum noch etwas, während in der Dominikanischen Republik Öko-Touristen in Nationalparks Trekkingtouren durch den Regenwald unternehmen.

Jacmel, die 30 000-Einwohner-Stadt, ist bekannt für ihren lebensfrohen Karneval. Die bunten Pappmaché-Masken kann man hier das ganze Jahr über kaufen: Dämonen, wilde Tiere, Voodoo-Motive. Jacmel wirkt sauberer als Cap-Haïtien oder Port-au-Prince. Die Bürger scheinen sich um ihre Stadt zu kümmern. Im Zentrum findet man überall moderne Glasmosaike, mit denen Künstler Treppen und Wände verziert haben. Nur der Turm der Kolonialkirche steht seit dem Erdbeben schief. Ein alter Mann verkauft selbstgerollte Zigarren. Als Wechselgeld fehlt, legt er gratis noch eine Zigarre oben drauf. Die Menschen sind freundlich, unaufdringlich.

"Haiti bekommt zu viele negative Schlagzeilen"

Trotzdem halten sich deutsche Veranstalter wie Studiosus, Dertour und Tui fern von Haiti. Andere investieren. Die spanischen Ketten Barceló Hotels und Occidental Hotels wollen demnächst hier Häuser eröffnen. Carnival Cruise Lines hat den Bau eines Kreuzfahrthafens für 80 Millionen Dollar auf der im Norden gelegenen Insel Tortuga angekündigt. Und die Eigentümer des Flughafens von Punta Cana in der Dominikanischen Republik haben im Süden Haitis die Insel Île-à-Vache gekauft, auf der einmal Strandhotels entstehen sollen.

Sie alle hoffen, dass sich die politische Situation weiter stabilisiert. Die Verantwortung dafür tragen die UN-Blauhelme, die seit mehr als zehn Jahren im Land sind. Die Truppe ist bei der Bevölkerung verhasst, weil nepalesische Soldaten nach dem Erdbeben die Cholera eingeschleppt haben. In Port Salut steht ein Denkmal, das ein Lokalpolitiker errichten ließ. Es zeigt Haitianer, die im Staub liegenden UN-Soldaten auf ihren Blauhelm treten. Tatsächlich haben die Soldaten jedoch weite Teile des Landes befriedet, als der Staat im Bürgerkrieg zu versinken drohte.

Bedroht fühlt man sich in Jacmel nicht. Man kann unbehelligt am Strand spazieren gehen, auf eigene Faust durch die Gassen streifen, bei Hahnen- und Bullenkämpfen zusehen, in die türkisblauen Pools eines nahegelegenen Wasserfalls springen. "Haiti bekommt zu viele negative Schlagzeilen", findet Cyril Pressoir. "Die Kriminalität ist außerhalb der Hauptstadt niedriger als in Jamaika oder der Dominikanischen Republik." Marie und Cynthia Leger, Touristinnen aus New Jersey, sehen das ähnlich. "Unsere Großeltern mütterlicherseits stammen aus Haiti", sagen sie. Für die Schwestern ist es eine Reise zu ihren Wurzeln, in ein Land, von dem sie sich selbst ein Bild machen wollen. Ihr Fazit: "In den Momentaufnahmen der Medien klingt vieles negativer, als es in Wirklichkeit ist."

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