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Kanaren:Teneriffas Sterne

Die Bucht von Playa La Enramada ist vom Restaurant Maresía aus zu sehen.

Tafeln mit Ausblick: Vom Restaurant Maresía aus ist die Bucht von Playa La Enramada zu sehen.

(Foto: imago/imagebroker)

Junge Köche peppen die traditionell einfache Küche der Insel auf - mit Schweineschnäuzchen und anderen Zutaten, die es nur auf den Kanaren gibt.

Mehr als 25 Jahre reifte der Vinagre Macho in einem alten Eichenholzfass seiner Bestimmung entgegen. Der "Macho-Essig" der Bodegas Monje verdankt seinen Namen der Tatsache, dass er aus einem besonders kraftvollen Rotwein gewonnen wird. Mit seiner süßsauren Wucht verleiht er der Gazpachuelo, der Fischsuppe, die Juan Carlos Padrón im Restaurant Maresía zum gebratenen Zackenbarsch serviert, eine ganz besondere Würze.

Lokal erzeugte Lebensmittel wie der Essig aus dem grünen Norden Teneriffas spielen in den Gerichten des jungen Küchenchefs eine große Rolle: "Wir wollen die traditionellen Aromen und Produkte der Region bewahren und zeitgemäß interpretieren. Es gibt auch bei uns eine junge Generation, die mit Pizza und Burgern aufwächst - dagegen wollen wir ein Zeichen setzen."

Vieles, was hier auf den Teller kommt, gibt es so nur auf den Kanaren, nicht auf dem spanischen Festland. Zum Beispiel die schwarzen Kartoffeln mit intensiv gelbem Fleisch und süßlichem Geschmack - Kolumbus brachte sie einst aus Peru mit, auf den Kanaren fanden sie das geeignete Mikroklima, auf der iberischen Halbinsel gediehen sie nicht. Oder die für Teneriffa so typischen schwarzen Schweine, die genetisch aus Afrika stammen. Padrón schätzt ihr fettreiches und deshalb besonders aromatisches Fleisch; er serviert chinesisch inspirierte Teigtaschen, die er mit Schweineschnäuzchen und Garnelen füllt.

Mit solchen Kreationen, die vom ureigenen Terroir der Insel erzählen, ist das Maresía bester Beleg für den gastronomischen Boom, der Teneriffa seit einigen Jahren erfasst und der Insel sechs Michelin-Sterne beschert hat. Heute bietet sie nicht nur Strandleben und für Wanderer ein äußerst reizvolles Hinterland, sondern auch eine anspruchsvolle kulinarische Szene und charaktervolle Weine.

Während die Küche Teneriffas zurück zu den Wurzeln strebt, geht man in der Architektur neue Wege. Wie ein ultramodernes Ufo sitzt das Maresía auf dem Dach des 2018 eröffneten Ferienhotels Royal Hideaway, das mit seiner schneeweißen Architektur und den relingartigen Balkonreihen einem riesigen Kreuzfahrtschiff nachempfunden zu sein scheint. Hier oben im fünften Stock schaut man durch Panoramascheiben über die Bucht von Playa La Enramada und über das azurblaue Meer bis hinüber zur Nachbarinsel La Gomera. Padrón taufte das Restaurant Maresía, Gischt, weil ihn der spektakuläre Meerblick an seine Kindheit erinnert, die er - als Sohn einer Fischerfamilie - vorwiegend am Strand und in den Wellen verbrachte.

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Zu den Wegbereitern der neuen kanarischen Küche zählt Juan Carlos Padrón.

(Foto: Barcelo Hotel Group)

Im Hinterland der Küste haben Bauern das Land bis auf 1000 Meter Höhe terrassiert

Das Maresía wird bereits als heißer Kandidat für einen Michelin-Stern gehandelt - den ersten erkochte der junge Küchenchef 2015 in seinem winzigen Restaurant El Rincón de Juan Carlos, das eine halbe Autostunde entfernt im Küstenort Los Gigantes liegt. Die Wartezeit für einen Tisch beträgt dort drei Monate, deshalb sind die Gäste froh, dass es jetzt mit dem Maresía eine Alternative gibt. Beide Restaurants überraschen mit modern puristischem Ambiente und einem Küchenstil, der alles andere als traditionell ist: Juan Carlos Padrón lernte in den katalanischen Kultrestaurants El Bulli und El Celler de Can Roca. Seine dort erworbene Expertise brachte er zurück auf die Insel. Heute zählt er zu den Wegbereitern einer neuen kanarischen Küche.