Hippe kleine Städte-Schwestern:Anschauen: Paläste, Parks und Pilze

Was die Vielfalt an Sehenswürdigkeiten angeht, muss Sevilla sich keinesfalls hinter Barcelona verstecken. Und anders als die Sagrada Família wurde hier die Kirche nicht nur fertiggestellt, nein, sie wurde sogar mehrfach umgebaut. Und das Ergebnis, die Kathedrale Santa María de la Sede, kann sich sehen lassen. Ursprünglich eine große maurische Moschee, wurde im 15. Jahrhundert eine der größten Kirchen der Welt und ein Musterbeispiel gotischer Baukunst daraus. Das einstige Minarett, der Giralda, ist nun ein Glockenturm. Ganz religionsunabhängig ist der Blick von der Spitze aus beinahe 100 Metern Höhe grandios.

Drei Unesco-Weltkulturerbestätten finden sich in Sevilla. Neben der Kathedrale ist dies zum einen das Archivo General de Indias, das sich in der ehemaligen Börse von Sevilla befindet, und in dem die 80 Millionen wichtigsten Dokumente zur spanischen Kolonialzeit lagern. Außerdem gehört der königliche Alcázar-Palast dazu, eines der wichtigsten und schönsten Bauwerke Sevillas. 913 von den Mauren als Festung erbaut, um 1480 von König Ferdinand und seiner Frau Isabella als Residenz für würdig befunden. Auch heute noch ist der Alcázar offizieller Sitz der spanischen Königsfamilie, die hier wohnt, wenn sie mal in der Stadt ist. Das verwundert nicht, angesichts der wunderschönen Gemächer, Höfe und Gartenanlagen - prunkvolle Relikte aus den verschiedenen Epochen.

Unbedingt sehenswert ist die Plaza de España im Maria Luisa Park. Der große Platz, umschlossen von einem halbkreisförmigen Gebäudekomplex, wurde extra für die Iberoamerikanische Ausstellung entworfen, die Sevilla 1929 veranstaltet hat. Und Architekt Aníbal González kann nun wahrlich niemand vorwerfen, er hätte sich dabei keine Gedanken gemacht.

Der umschließende Halbkreis soll für die Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien stehen (wie weit diese Umarmung beim Empfänger tatsächlich als liebevolle Geste interpretiert werden konnte, sei dahingestellt). Ein Kanal zieht einen Kreis, überquert von vier Brücken, welche die vier alten spanischen Königreiche repräsentieren. Die Öffnung in Richtung Fluss ist ein Hinweis auf den Weg in Richtung Amerika. Highlight des Komplexes sind die 48 Bänke am Rande des Platzes, eine für jede der 48 Provinzen des Landes, kunstvoll verziert mit Azulejos, den berühmten spanischen Kachelelementen, die Wappen, Karten und typische Szenen der jeweiligen Region zeigen.

Der Platz ist nicht nur aufgeladen mit Geschichte, er ist auch beliebte Filmkulisse. Hier treffen sich Anakin Skywalker und Amidala in Star-Wars-Episode II, in "Der Diktator" von Sacha Baron Cohen taucht der Komplex ebenfalls auf, wie auch in vielen anderen Filmen.

Szene-Läden und Kunst in den Vierteln La Alameda und La Macarena

Wer noch nicht genug hat von historischen Bauten, der besucht noch den Torre del Oro, einen maurischen Festungsturm am Ufer des Guadalquivir oder die Casa de Pilatos, einen Stadtpalast mit schönem marmornem Innenhof.

Wem nach heiterer Kurzweil ist, der bummelt durch das Viertel Barrio Santa Cruz. Im ehemaligen jüdischen Viertel der Stadt reihen sich andalusisch geprägte Häuser mit prächtig bepflanzten Balkonen an kleine Plätze mit Brunnen. Das Viertel ist geprägt von Orangenbäumen, Gässchen, Läden für Kunsthandwerk und mit den typischen Kacheln verzierten Innenhöfen und Bars.

Aber auch die touristisch weniger erschlossenen Viertel La Alameda und La Macarena sind einen Besuch wert. Hier finden sich Szene-Läden, verrückte kleine Restaurants und avantgardistische Kunst. Wie auch die Setas de Sevilla - die Pilze der Stadt, sechs gigantische schwammförmige Schirme aus einer wabenförmigen Holzkonstruktion. Offizieller Titel der Installation: Metropol Parasol, entworfen hat das Ganze der deutsche Architekt Jürgen Mayer H. Unter den pilzigen Schirmen haben sich Bars, Geschäfte und ein archäologisches Museum angesiedelt, auf dem Dach liegt ein Spazierweg. Wer braucht da noch Gaudí?

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